Noch ist das Problem nicht zu groß, doch der Weltraumschrott wird mehr. Kritisch wird es, wenn eine Kettenreaktion einsetzt.

Seit vielen Jahren wird immer wieder über Weltraumschrott diskutiert – wann er zu viel wird, wen es betrifft und was man tun kann. Jetzt hat Russland die Debatte erneut angestoßen: Es hat einen eigenen Satelliten abgeschossen und ihn in viele kleine Teile zertrümmert. Der entstandene Weltraumschrott bedrohte womöglich sogar die Internationale Raumstation.

Russland reiht sich mit dem Abschuss des Satelliten ein in andere Tests, die die Menge des Weltraumschrotts haben ansteigen lassen. Der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Michael Büker geht davon aus, dass allein der Abschuss von Satelliten die bekannte Menge von Schrottteilen im All um 10 bis 30 Prozent erhöht haben.

Ein großer Satellit wird zu tausenden kleinen Teilen

Für den meisten Weltraumschrott sorgen aber immer noch abgeworfene Teile von Raketen, etwa Triebwerke, Tanks und Verbindungsteile, sowie alte, ausgediente, nicht mehr funktionierende Satelliten. Einige bewegen sich mit der Zeit zwar in Richtung Erde, sodass sie irgendwann beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen. "Das passiert leider nicht mit allen Satelliten und auch längst nicht so schnell, wie wir uns das wünschen würden", sagt Michael.

Bleiben Satelliten als Ganzes im All, stellen sie ein relativ kleines Problem dar. Nur: Mit der Zeit explodieren manche Satelliten oder lösen sich altersbedingt auf, sodass aus einem großen zusammenhängenden Satelliten viele kleine Schrottteilchen werden – die für Technik und Astronauten dann eine größere Gefahr darstellen.

"Im Moment ist das Problem in der Praxis noch nicht überwältigend groß."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Bisher ist das Problem in praktischen Raumfahrt-Alltag noch nicht zu groß, sagt Michael Büker. Aber: Speziell dann, wenn es um den Schutz von Menschen geht, müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Die Internationale Raumstation zum Beispiel ist mit speziellen Schilden ausgestattet, die immerhin vor Schäden durch das Eintreffen kleiner Schrottteile schützen.

"Die größte Sorge ist eine Kettenreaktion", sagt Michael. Wenn durch weitere Zerstörungen von Satelliten oder Waffentests aus wenigen großen Teilen viele tausend kleine werden, könnten die wiederum andere große Teile zerstören – die dann selbst wieder eine Gefahr darstellen. "Sollte diese Kettenreaktion einsetzen, könnte es im schlimmsten Fall dazu kommen, dass der Weltraum für Menschen mit akzeptablem Risiko nicht mehr zugänglich sein wird."

Wenigstens die großen Satelliten runter holen

Die Möglichkeit, bestehenden Schrott aus dem Weltall zu holen, hält Michael für praktisch kaum umsetzbar – allein, weil er sich auf verschiedenen Umlaufbahnen befindet und es viel Energie benötigt, von einer auf die andere zu kommen.

Eine Möglichkeit, das Problem wenigstens nicht größer werden zu lassen, wäre, die größten Satelliten aus dem All zu holen, von denen vermutet wird, dass sie demnächst kaputt gehen könnten. Zumindest wären dann verhindert, dass sie zu vielen kleinen Teilen zerfallen könnten.

Präventiv lassen sich Satelliten so konzipieren, dass am Ende ihrer Mission ein bisschen Rest-Treibstoff übrig ist, mit dem sie in eine tiefere Umlaufbahn gelangen können – was im besten Fall dazu führt, dass sie nach einigen Monaten runter fallen und verglühen.