AfD-SiegWas Migranten in Sachsen-Anhalt jetzt fühlen

Sie haben in Sachsen-Anhalt ihr Leben aufgebaut, Geschäfte eröffnet und Familie gegründet: Und jetzt der klare Wahlsieg der AfD. Wie empfinden Menschen mit Migrationsgeschichte die Stimmung im Land? Wie blicken sie auf ihre Zukunft?

Nach ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt sucht die Alternative für Deutschland noch eine Regierungsmehrheit im Landesparlament (Stand 10.09.2026). Die Wahl hat sie auch wegen ihrer Fremdenfeindlichkeit gewonnen.

Menschen mit Migrationsgeschichte sind für die rechtsextreme Partei unerwünscht. Die Einleitung einer Abschiebe- und Remigrationsoffensive sei zwingend notwendig, heißt es klar im Landesprogramm der rechtsextremen Partei.

Bleiben oder Gehen?

Marrion Watio Notesse und Nathan Ghazbaf haben beide einen Migrationshintergrund und leben in Sachsen-Anhalt. Sie ziehen unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem Wahlsieg der AfD.

"Es gab einige Nächte vor der Wahl Leute, die geschrien haben: Ausländer müssen raus."
Marrion Watio Notesse, Maschinenbauingenieur, lebt noch in Sachsen-Anhalt

Marrion Watio Notesse will Sachsen-Anhalt möglichst rasch verlassen. "Das Problem ist nur: Man kann nicht spontan umziehen. Ich gucke mir einfach alle Möglichkeiten an", sagt er. Heilbronn, Stuttgart, Bayern oder Auswandern, das nennt er als Optionen.

Trotz, Gewalt und Sorgen

Marrion wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in der Nähe von Magdeburg und kommt ursprünglich aus Kamerun. Er lebt seit 13 Jahren in Deutschland und ist Maschinenbauingenieur. In der Nacht der Landtagswahl wurde sein Auto zerkratzt.

"Die einzige Angst, die ich habe, ist nicht vor der AfD-Regierung, sondern vor manchen Menschen, die keine Ausländer mögen."
Nathan Ghazbaf, Unternehmer und CDU-Mitglied mit iranischem Migrationshintergrund

Nathan Ghazbaf kommt aus dem Iran und ist seit Dezember 2015 in Magdeburg. Er kam als Asylbewerber, hat seine Ausbildung bei der Stadt absolviert und hat sich im Bereich der privaten Arbeitsvermittlung selbstständig gemacht. "Ich würde nicht einfach alles aufgeben hier", stellt er fest. "Wir müssen halt ein bisschen abwarten", glaubt er.

"Wenn ich hier nicht mehr ausländische Fachkräfte vermitteln kann, muss ich diese Arbeit woanders wieder aufbauen."
Nathan Ghazbaf, CDU-Mitglied mit iranischem Migrationshintergrund

Er sorgt sich konkret, dass die Gewalt gegenüber Ausländern zunimmt. "Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Streit zwischen manchen Deutschen und Ausländern gehabt, die Ausländer geschlagen haben", sagt er.

"Die Leute, die gar nicht so einfach gehen können, sind halt eher die, die tatsächlich noch auf Sozialleistungen angewiesen sind."
Daniel Kubiak, Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung

Die migrantischen Menschen, die gehen, sind oft auch die, die ökonomisch tatsächlich einen größeren Beitrag in der jeweiligen Region geleistet haben. Das ist aus der empirischen Forschung in Ländern, in denen rechtspopulistische, rechtsradikale Parteien schon regiert haben oder gerade regieren, bekannt, sagt Daniel Kubiak. Er arbeitet für das Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung und forscht unter anderem in Halle an der Saale.

"Innerhalb der Migrationsgesellschaft, gibt es unterschiedliche Positionen, die man einnehmen kann."
Daniel Kubiak, Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung

Er betont, dass zum demokratischen System neben dem Parlament noch weitere Institutionen gehören: Polizei, Gewerkschaften und die Zivilgesellschaft beispielsweise.

"Es wird tatsächlich auf die Nachbarn und Nachbarinnen ankommen, ob sie die schützen, die angegriffen werden."
Daniel Kubiak, Berliner Institut für Empirische Integrations- und Migrationsforschung