Alles fühlen, alles spürenHochsensibel in romantischen Beziehungen
Chris ist hochsensibel, sie fühlt alles ungefiltert. In ihrer Beziehung kann das unglaublich intensiv und verbindend sein, aber auch schnell zu viel werden. Wie Chris damit umgeht und wie ihr testet, ob ihr hochsensibel seid, hört ihr hier.
Hochsensibel zu sein, das heißt oft, mehr zu fühlen und mehr wahrzunehmen – und manchmal auch, schneller überfordert sein. In romantischen Beziehungen kann Hochsensibilität wunderschön sein, aber auch ziemlich herausfordernd. Chris ist 30 Jahre alt, lebt in Köln und beschreibt ihre Hochsensibilität so:
"Als hätte ich ganz viele kleine Antennen, die alles wahrnehmen, was so passiert. Vor allem merke ich das daran, dass ich Dinge spüre, die vielleicht noch gar nicht so sichtbar sind."
Andere würden sie oft als "zu viel" oder "zu sensibel" wahrnehmen, erzählt Chris hat. Erst vor einem Jahr hat sie herausgefunden, dass sie hochsensibel ist. Hätte sie das früher gewusst, hätte ihr das auch in früheren Beziehungen helfen können, glaubt sie.
Mit Hochsensibilität umgehen
Bevor sie Bescheid wusste, hat sie sich komplett angepasst, erzählt die 30-jährige. Irgendwann habe sie das Gefühl gehabt, dass sie gar nicht mehr sie selbst war. Ihr Eindruck damals: "Ich werde ja gar nicht für mich geliebt, sondern ich bin die perfekte Freundin für diesen Menschen gerade und bin gar nicht mehr bei mir".
Mittlerweile ist Chris seit fünf Jahren mit Ben zusammen, der nicht hochsensibel ist. Beide nehmen viel Rücksicht aufeinander, erzählt sie. "Ben macht das, indem er mir erstmal Ruhe gibt", beschreibt sie seinen Umgang mit ihr. Er gehe dann erst einmal aus der Situation heraus. So hätten beide die Möglichkeit, sich kurz abzureagieren und zu regulieren.
Wissenschaftlich noch nicht gut erforscht
Hochsensibilität ist noch nicht gut untersucht, der Forschungsbereich ist noch jung. Bislang gilt sie als Persönlichkeitsmerkmal, wird aber nicht als eigenständige medizinische Diagnose, also Krankheit oder psychische Störung eingestuft.
In der Forschung ist die Einordnung nicht abschließend und eindeutig geklärt. Michael Schaefer, Neuropsychologe an der Medical School Berlin, sagt allerdings, dass in der Gehirnaktivität von hochsensiblen und nicht hochsensiblen Menschen Unterschiede feststellbar sind. Seine Interpretation:
"Das deutet darauf hin, dass möglicherweise eben doch Hochsensible die Dinge anders verarbeiten als Nicht-Hochsensible."
Wie Chris herausgefunden hat, dass sie hochsensibel ist, wie sie und Ben es schaffen, ihre Beziehung darauf einzustellen, und wie man testen kann, ob man hochsensibel ist – all das hört ihr in dieser neuen Folge von Eine Stunde Liebe.