ArbeitsumfeldSind diverse Teams besser?

Unternehmen schmücken sich heute gerne mit dem Label divers. Auf der Website, im Geschäftsbericht: Überall sieht man Teams mit alten und jungen Leuten, unterschiedlichen Hautfarben, Religionen und Stilen. Aber was bringt das?

Die einen finden es super, wenn Unternehmen sich divers aufstellen. Andere fragen sich, was das bringen soll. Was die Wissenschaft bisher dazu herausgefunden hat, hat sich unsere Reporterin Sabrina Loi angesehen.

Auf diverse Teams zu setzen, hat auf den ersten Blick einige Vorteile, zeigen Studien: Umfragen stellen zum Beispiel fest, dass es die Mitarbeiterbindung stärkt. Menschen arbeiten lieber in einer Firma, die Arbeitsbedingungen für unterschiedliche Lebensrealitäten schafft.

Vor allem für Azubis und Studierende ist das wichtig. Sie erwarten sogar, dass Unternehmen sich für Diversity und Inklusion stark machen. Es kann also auch ein Wettbewerbsvorteil sein.

Diverse Teams – kreativer, aber auch erfolgreicher und wirtschaftlicher

Studien zeigen, dass Teams aus Leuten mit unterschiedlichen Lebensgeschichten oft kreativere und bessere Lösungen finden – einfach weil Sachverhalte aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Untersuchungen von großen Unternehmensberatungen, zum Beispiel der BCG oder McKinsey, zeigen auch, dass Firmen innovativer sind und mehr Umsatz machen.

Das sind aber zunächst nur statistische Zusammenhänge. Gerade, was die Wirtschaftlichkeit angeht, muss man vorsichtig sein, sagt Julia Gruhlich. Sie ist Soziologin an der Uni Göttingen und hat ein Buch zu Diversity-Management herausgebracht.

"Es gibt unzählige Studien, die sich damit befasst haben. Und die Beweisführung ist kompliziert, weil es mehrere Faktoren gibt, die dazu führen, dass ein Unternehmen profitabel ist, und man das schlecht auf einen einzigen Faktor zurückführen kann."
Julia Gruhlich, Soziologin

Wie risikobereit das Management ist, spielt eine Rolle dabei, ob es profitabel und erfolgreich ist. Insgesamt kommen Meta-Analysen zu dem Schluss, dass Vielfalt im Team helfen kann – vor allem wenn es um strategische Entscheidungen geht oder in Forschung und Entwicklung. Aber der Effekt ist dabei eher moderat.

Unterm Strich heißt das: Vielfalt ist kein Garant für Erfolg – aber sie kann helfen, vor allem in komplexen Arbeitsbereichen. Vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen.

Unterschiedliche Perspektiven müssen auch gehört werden

Konkret bedeutet das, dass ein Umfeld geschaffen werden muss, in dem diese Perspektivenvielfalt auch gehört wird. Ein Beispiel: Ein junger Azubi mit Fluchterfahrung, eine Mutter in Teilzeit und ein langjähriger Mitarbeiter kurz vor der Rente – alle müssen das Gefühl haben, offen sprechen zu können, ohne abgewertet zu werden.

Das ist die Grundvoraussetzung. Doch wenn alle eine gleichberechtigte Chance haben, ihre Perspektive zu äußern und ihre Fähigkeiten einzubringen, kann die Zusammenarbeit erst einmal anstrengend sein. Denn in heterogenen Gruppen wird oft länger diskutiert und es fällt schwerer, sich zu einigen. Aber am Ende sind die Ergebnisse oft auch besser.

Bei einem Experiment aus den USA sollten Gruppen, zusammengesetzt aus drei Personen die sich kennen, einen fiktiven Kriminalfall lösen. Nach ein paar Minuten kam noch eine weitere Person dazu. War es ein Outsider, fand die Gruppe die Diskussion viel anstrengender. Aber die Chance, die richtige Lösung zu finden, verdoppelte sich.

Sicherer Raum für vertrauensvollen Austausch

Forschende sagen, dass es hilft, wenn Meetings als Raum genutzt werden, in dem sich die Leute vertrauensvoll austauschen können – und nicht als Arena, in der es nur um Entscheidungen geht und der Beste gewinnt.

Dabei können zum Beispiel konkrete Fragen helfen: Was eine Person erreichen will, welche Hindernisse sie sieht und welche Stärken jemand für eine bestimmte Aufgabe mitbringt.

Der Fokus liegt dabei zwar klar auf der Arbeit, trotzdem müssen die Teammitglieder sich dafür öffnen und auch Verletzlichkeit zeigen. Das schafft Vertrauen und die Sicherheit, dass Mitarbeitende wirklich Lust haben, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen.