Cardi B, Prince & Lady GagaDiese 12 Songs haben uns sexuell befreit

Songs wie "Hound Dog", "Darling Nikki" und "WAP" haben Türen aufgestoßen für mehr sexuelle Selbstbestimmung, Queerness und Sexpositivity. Sie waren jedoch auch oft mit Tabubrüchen, Boykotten und Skandalen verbunden. Welche Songs dazu gehören.

In der neuen Folge von Eine Stunde Liebe geht es um Popsongs, die von Radiosendern nicht gespielt wurden, weil sie zu kontrovers waren. Außerdem geht es um den Song, der dazu geführt hat, dass der schwarz-weiße "Parental Advisory Explicit Content"-Sticker eingeführt wurde – um Eltern vor Musik zu warnen, die nicht jugendfrei ist.

Soundtrack der sexuellen Revolution

Denn in diesen Songs geht es – oft zum ersten Mal überhaupt – um Themen wie Selbstbestimmung, Sexpositivität, sexuelle Befreiung, Sexarbeit und Queerness. Diese Playlist ist so etwas wie der Soundtrack der sexuellen Revolution, von den 1950er-Jahren bis heute – zusammengestellt von unserem Host Gero Simone und der Literatur- und Geschlechterwissenschaftlerin Franziska Haug von der Uni Regensburg.

"Love to Love You Baby" von Donna Summer aus dem Jahr 1975 ist beispielsweise einer der ersten Songs, in dem weibliche Lust und Sexualität im Mittelpunkt stehen – und das hörbare Stöhnen von Donna Summer macht dies sehr explizit.

23 Orgasmen in "Love to Love You Baby"?

Die BBC soll im 17-minütigen Original 23 Orgasmen gezählt haben. "Diesen Song hat sie der Legende nach ganz alleine aufgenommen, in einem dunklen Studio in München, damals hat sie hier gelebt. Dabei hat Donna Summer an ihren damaligen Freund Peter gedacht – hat sie mal in einem Interview erzählt", berichtet Eine Stunde Liebe-Host Gero Simone.

Donna Summer war in den 1970ern die Queen of Disco – einer Musikrichtung, die viele Türen geöffnet hat.

"Disco war schon immer unmittelbar mit sexueller Befreiung verbunden und hatte einen enormen Einfluss auf die LGBTQI+-Comunity."
Franziska Haug, Literatur- und Geschlechterwissenschaftlerin, Uni Regensburg

Neben diesem Disco-Welthit sprechen Franziska und Gero auch über Songs von Lady Gaga, Madonna, David Bowie, Aretha Franklin, Christina Aguilera, Elvis und Prince.

Und über "WAP" (Wet-Ass Pussy) von Cardi B und Megan Thee Stallion – eine absolute Sexpositivity-Hymne, die auch viel Kritik abbekommen hat, unter anderem von einem konservativen Politiker aus Kalifornien.

"WAP" sorgt für Kontroversen

Er hätte den Song aus Versehen gehört und würde seine Ohren jetzt am liebsten mit Weihwasser ausspülen – so ein Song könne nur entstehen, wenn jemand ohne Gott und ohne starke Vaterfigur erzogen worden sei.

Trotz solcher Reaktionen landete "WAP" 2020 auf Platz 1 der US-Charts. Das sei aus einem ganz bestimmten Grund wirklich besonders, sagt Franziska Haug. Zum ersten Mal überhaupt sei nämlich zwei Frauen gelungen, was vorher schon viele Männer geschafft haben: ein Nummer-Eins-Hit über die eigenen Genitalien.

"Zwei Frauen haben einen Nummer-Eins-Hit gemacht, in dem es endlich mal um ihre Geschlechtsteile geht – und nicht um die der Männer."
Franziska Haug über den Song "WAP"

Wenn ihr euch für Musik und Sex interessiert und wissen wollt, welche großen Popsongs die sexuelle Revolution vorangetrieben haben, dann hört gerne in die neue Folge von "Eine Stunde Liebe" rein. Darin erfahrt ihr auch, welcher Song für die schwule Community bis heute unersetzlich ist, welcher berühmte Song Sexarbeit zum Thema macht und was Prince mit dem "Parental Advisory"-Sticker zu tun hat.

Die Playlist mit den 12 Songs dieser Folge findet ihr als Kapitelmarken in den Shownotes.