Dynamic PricingZocken uns Algorithmen ab?
Sind Preise bald überall dynamisch, selbst im Supermarkt? Was ist Dynamic Pricing überhaupt – ist es vielleicht besser als sein Ruf? Gregor und Bo gehen den Launen der Preise nach und stoßen dabei auf ein Biologie-Buch für 23 Millionen Dollar.
Bei der Reunion Tour von Oasis war es ein Thema und jetzt auch bei der FIFA Fußball-WM der Männer: sogenanntes Dynamic Pricing. Das sorgt immer wieder für Kritik, denn viele empfinden es als Wucher. Gemeint sind Preise, die sich je nach Nachfrage, Tageszeit oder Lagerbestand verändern.
Mit dem Fliegen fing alles an
Das Prinzip dahinter ist recht alt. Schon in den 1970er-Jahren führte die Fluggesellschaft American Airlines das "Yield Management" ein. Ein System, das Sitzplätze je nach verbleibender Kapazität, Buchungszeitpunkt und Nachfrage unterschiedlich bepreist.
"Das Yield Management verfolgt zwei Ziele: Man will möglichst viele Sitze besetzt haben. Man will aber auch nicht, dass ein Flieger voll mit Leuten ist, die weniger bezahlen, als sie bereit wären."
Diese Idee wird seitdem verstärkt genutzt: Von Uber-Fahrten über Stromtarife bis hin zu Konzerttickets.
Dynamic Pricing: Bald auch im Supermarkt?
Die technische Infrastruktur, um Preise auch im Supermarkt dynamisch zu gestalten, wäre prinzipiell gegeben. Seit etwa zehn Jahren setzen Lebensmittel-Einzelhändler zunehmend auf digitale Preisschilder. Bei Rewe sind bereits 85 Prozent, bei Lidl sogar 100 Prozent aller Märkte mit dieser Technik ausgestattet.
Trotzdem dementieren die Supermarkt-Ketten: Preise, die innerhalb eines Tages schwanken, werde es nicht geben. Handelsforschende bestätigen, dass sich ständig ändernde Preise im Supermarkt massiv an Vertrauen kosten würden.
Algorithmen, die Kartelle formen
Ob Preise im Supermarkt oder beim Ticketkauf schwanken, ist aber nicht unbedingt das Entscheidende. Für Konsumenten könnte etwas anderes viel gravierender sein: Wenn die KI-Modelle unabhängig voneinander lernen, dass es sich lohnt, Preise hochzuhalten – solange die anderen es auch tun.
Ökonomen nennen das "Silent Collusion", stille Absprache. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Form der Kartellbildung eine reale Gefahr darstellt. Und die Frage, wer dafür die Verantwortung trägt, ist bisher nicht geklärt.