Schlafen und EmotionenWas Einsamkeit mit Schlafmangel zu tun hat
Fühlen wir uns einsam, kann das unseren Schlaf beeinträchtigen. Aber auch Schlafprobleme selbst können einsam machen. Wie das zusammenhängt? Dazu gibt es spannende Erkenntnisse.
Über die Hälfte der Menschen in Deutschland kennt das Gefühl der Einsamkeit. Genauer aufgeschlüsselt ist es so: 4 Prozent sagen, sie erleben es häufig, 13 Prozent manchmal. Und über 40 Prozent sagen selten.
Auffällig ist, dass besonders junge Menschen angeben, dieses Gefühl zu erleben. Das sind Zahlen der Techniker Krankenkasse. Sie hat 2024 den sogenannten Einsamkeitsreport veröffentlicht. Und Einsamkeit verschlechtert den Schlaf, das konnten Forschende zeigen.
"In Studien findet man, dass einsame Menschen länger brauchen, um einzuschlafen, dass die empfundene Schlafqualität schlechter ist, sie nachts häufiger aufwachen und sich auch am Tag müder fühlen."
Einsame Menschen schlafen zwar nicht unbedingt weniger, aber die Qualität des Schlafs leidet. Dabei spielen Stress und Belastung, die Einsamkeit auslösen, eine wichtige Rolle. Wer gestresst ist, schläft schlechter ein.
"Einsamkeit kann auch Grübelspiralen am Abend oder in der Nacht antreiben. Wir machen uns Sorgen über unsere Einsamkeit oder darüber, wie der Schlafmangel diesen Zustand vielleicht noch verstärken wird."
Studien haben gezeigt, dass Einsamkeit so weit gehen kann, dass Betroffene eine Insomnie entwickeln. Einsamkeit ist ein sogenannter Risikofaktor für diese Schlafstörung. Dabei haben Betroffene Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen. Sie fühlen sich am Tag müde und erschöpft.
Wechselbeziehungen zwischen Schlaf und Einsamkeit
Einsamkeit verschlechtert nicht nur den Schlaf, sondern schlechter Schlaf kann auch dazu führen, dass sich jemand einsam fühlt. Schlafforscherin Christine Blume beschreibt zwei Gründe dafür.
"Erst einmal ist die Nacht ganz objektiv gesehen eine Zeit, in der wir alleine sind. Gedanken fangen an zu kreisen und wir sind in der Nacht nicht so gut darin, solche negativen Gedankenspiralen zu unterbrechen."
Zwar sind Einsamkeit und Alleinsein zwei unterschiedliche Dinge, aber wer nachts allein wach liegt und nicht wieder einschlafen kann, kann sich hilflos und einsam fühlen. Freundinnen und Freunde schlafen auch, die kann oder will man also nicht anrufen.
Selbstverstärkende Effekte
Rausgehen und sich ablenken ist auch schwieriger. Das kann dazu führen, dass dieses negative Gefühl viel Raum einnimmt. Schlafmangel kann Einsamkeit auch tagsüber verstärken.
"Wir ziehen uns vielleicht zurück, weil wir den Schlaf über alles stellen und uns abends nicht mehr verabreden, weil wir glauben, dann besser schlafen zu können."
Dieses Verhalten isoliert uns und kann ein Gefühl der Einsamkeit verstärken. Studien zeigen außerdem, dass Menschen aufgrund von Schlafmangel reizbarer sind, impulsiver reagieren und der Welt anders begegnen als ausgeschlafen.
Auch das kann dazu führen, dass wir wirklich keine guten Begegnungen mit anderen haben und den Kontakt lieber meiden. Noch dazu kommt, dass unsere Kommunikation wirklich durch Schlafmangel eingeschränkt ist.
"Dass Schlafmangel dazu führt, dass wir uns schwerer tun, Emotionen bei anderen zu erkennen, ist bekannt. Und das macht soziale Interaktionen natürlich auch nicht leichter."
Was helfen kann, damit aus Schlafmangel und Einsamkeit keine Spirale wird, darum es geht in dieser Folge Über Schlafen mit Schlafforscherin Dr. Christine Blume.