Ewigkeits-ChemikalienNeue PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser
Die Ewigkeits-Chemikalien PFAS sind in unzähligen Produkten unseres Alltags vorhanden. Sie schädigen aber auch unsere Umwelt und unsere Gesundheit – vor allem, weil sie mittlerweile unser Trinkwasser belasten. Ein neuer Grenzwert soll das verhindern.
Kaum ein Lebensbereich kommt ohne sie aus, und sie umgeben uns quasi rund um die Uhr: PFAS, die als Ewigkeits-Chemikalien bezeichnet werden, stecken in Outdoor-Jacken, Bratpfannen, Backpapier und Zahnseide, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Sie machen die Produkte, in denen sie enthalten sind, fett-, schmutz- und wasserabweisend. Die Abkürzung PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen.
PFAS machen unseren Alltag zwar bequemer, stellen gleichzeitig aber eine große Gesundheitsgefahr dar: Laut BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, können sie die Umwelt und unsere Gesundheit schädigen.
Gelangen über Nahrung und Trinkwasser in unseren Körper
Sie gelten als extrem stabil und langlebig und können sich so im Laufe der Zeit in unserem Körper anreichern. Einige der PFAS, die wir hauptsächlich mit tierischer Nahrung und über das Trinkwasser aufnehmen, werden mit einem schwächeren Immunsystem, Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.
Bei einer Untersuchung des BUND in Deutschland wurde Ende letzten Jahres in 42 von 46 Trinkwasser-Stichproben PFAS gefunden. Ab Montag (12.01.2026) werden neue Grenzwerte für PFAS gelten.
Nur 20 von 10.000 Ewigkeits-Chemikalien werden ins Visier genommen
Besonders im Blick sind dabei 20 ausgewählte PFAS-Verbindungen. Diese 20 PFAS dürfen in der Summe maximal mit 100 Nanogramm pro Liter vorkommen. In drei der angesprochenen Stichproben wurde der bald geltende Grenzwert für Trinkwasser überschritten.
Allerdings handelt es sich bei PFAS um eine sehr große Gruppe von mehr als 10.000 Chemikalien. Die neue Trinkwasserverordnung regelt also erst einmal nur rund 0,2 Prozent der bekannten Verbindungen. Wieso es nur so wenige sind, "das verstehen die Fachleute selber nicht ganz genau", sagt Frank Sacher, Leiter der Abteilung Wasserchemie im Technologiezentrum Wasser.
"Das kann man in vielen Wasserwerken nicht von heute auf morgen installieren, sondern es braucht Zeit und möglicherweise sogar bauliche Maßnahmen."
Ein Problem besteht allerdings dann, wenn erhöhte PFAS-Werte gemessen werden, denn die meisten Wasserwerke können nur nachträglich aktiv werden, um das in den Griff zu bekommen. Das liegt daran, dass es Zeit und möglicherweise auch baulicher Maßnahmen bedarf, um Wasserfilter in Wasserwerken zu installieren und diese zu befüllen, erklärt Frank Sacher.
Acht Monate langes Trinverbot für Leitungswasser
Im vergangenen Jahr wurde das in der deutschen Stadt Willich und dem Großraum Saint-Louis in Frankreich auch umgesetzt. In beiden Fällen mussten spezielle Wasseraufbereitungsanlagen mit Aktivkohlefilter eingesetzt werden, um das Wasser wieder trinkbar zu machen. In dem französischen Gebiet galt zuvor für das Leitungswasser ganze acht Monate lang ein Trinkverbot.
PFAS weiterhin häufig verwendet
Der massive Einsatz von PFAS in Produkten ist ein Problem, das uns noch über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte begleiten wird. Selbst wenn wir heute aufhören würden, diese Stoffverbindungen weiterhin für viele Alltagsprodukte zu nutzen. Bisher ist die günstigste und praktikabelste Methode, die PFAS-Verbindungen so stark wie möglich aus dem Wasser zu filtern.
Effektivere Methoden werden getestet, sind aber teuer
Deswegen werden auch neue Verfahren getestet, wie aktuell im Wasserwerk Rauental in Baden-Württemberg. Dort kommt eine neue Ionenaustauscher-Anlage zum Einsatz, bei der das mit PFAS verunreinigte Wasser über kleine Harz-Kügelchen geleitet wird. Die Ewigkeits-Chemikalien bleiben dabei an den Kügelchen haften Solche Anlagen sind allerdings teuer, sagt Wasserchemiker Frank Sacher.
Umso mehr sind Konsumentenentscheidungen wichtig: Bei Käufen können wir darauf achten, soweit wie möglich auf Produkte zu verzichten, die PFAS enthalten.