ExporteWas mit unseren Altkleidern in Ghana passiert
Eine große Menge alter Kleidung wird von Europa nach Ghana exportiert. Wie funktioniert dieser Prozess und was passiert mit der Kleidung vor Ort in Ghana? Ein Vortrag der Kulturanthropologin Ann-Kristin Reinkenhoff.
T-Shirts, Hosen, Röcke, Schuhe, Kleidung, die wir nicht mehr haben wollen, gehören in Sammelstellen für Altkleider. Doch was passiert danach mit diesen Sachen? Wie Altkleider entsorgt, sortiert, wiederverwertet oder exportiert werden ist unübersichtlich und komplex.
"Die Textilindustrie ist eine hoch komplexe und stark globalisierte Industrie mit unfassbar vielen Akteur*innen."
Ein Teil der europäischen Altkleider landet in Ghana. Wie sie dorthin kommen und wie das System dahinter funktioniert, hat Ann-Kristin Reinkenhoff untersucht, Kulturanthropolgin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Freiburg.
Für ihre Masterarbeit ist sie mehrere Monate nach Ghana gereist um herauszufinden, wie die aus Europa importierte Altkleidung vor Ort verwertet und entsorgt wird. Dieses System ist viel komplizierter und vielschichtiger, als es oft dargestellt wird und lässt sich nicht auf ein vereinfachtes Verursacher-Opfer-Schema reduzieren, sagt sie.
Kantamanto ist einer der größten Second-Hand-Märkte der Welt
Der Kantamanto-Markt in Ghanas Hauptstadt Accra spielt eine zentrale Rolle für die Textilwirtschaft im Land. Er ist einer der größten Second-Hand-Märkte der Welt.
Ghanaische Importeure bestellen in Europa vorsortierte und zu großen Ballen zusammengepackte Kleidungspakete. Die werden in Ghana geöffnet und der Inhalt an kleinere Händler weiterverkauft, die die ware dann an ihren Marktständen verkaufen.
Das Problem: Alle Textilien, die in Ghana ankommen, müssen irgendwann auch mal in Ghana entsorgt werden. Weil es vor Ort aber kein funktionierendes Müllsystem gibt, führt das zu erheblichen Umweltproblemen.
"Ein Großteil der ghanaischen Bevölkerung deckt ihren textilen Bedarf mit Second Hand."
Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Second-Hand-Kleidung in Ghana hoch und ist, anders als in Europa, nicht sozial stigmatisiert, sagt Ann-Kristin Reinkenhoff. Kleidung aus Europa wird auf dem Kantamanto-Markt nicht nur wiederverkauft, sie wird häufig vorher auch verändert, angepasst und dadurch aufgewertet.
Ann-Kristin Reinkenhoff ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Freiburg. Ihren Vortrag "Europäische Altkleiderexporte nach Ghana – Segen oder Fluch?" hat sie am 3. März 2026 in Bremen gehalten. Veranstaltet wurde das Event von derRegionalgruppe Bremen der Kampagne "Saubere Kleidung", der Norddeutschen Mission, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und dem Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz).