FastenWas machen Ramadan und Fastenzeit mit dem Schlaf?

Etwa alle 30 Jahre fallen der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit zusammen. Seit dem 18. Februar fasten viele Menschen. Manche tun es das ganze Jahr über, Stichwort Intervallfasten. All das kann den Schlaf verändern.

Die christliche Fastenzeit wird heute von vielen Menschen dafür genutzt, auf ein “Laster” zu verzichten. Laut einer Umfrage von Forsa im Auftrag der DAK verzichten die meisten Menschen auf Alkohol, dahinter folgen Süßigkeiten, Fleisch, Rauchen, Fernsehen, die private Nutzung von Internet oder Computer und das Auto.

"Alkohol stört den Schlaf schon bei geringen Mengen. Zwar erleichtert er das Einschlafen, stört aber den Schlaf im Lauf der Nacht."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Schlafforscherin Christine Blume sagt, wer auf Alkohol verzichtet, dürfte einen positiven Effekt auf den Schlaf bemerken. Schon wenig Alkohol kann sich negativ auswirken: "Dafür braucht es keinen Vollrausch, auch das Glas Wein zum Abendessen kann den Schlaf schon stören."

Alkohol lässt zum Beispiel das Herz in der Nacht schneller schlagen und dadurch kommt der Körper weniger gut zur Ruhe, erklärt sie. Und auch, wer auf Süßigkeiten verzichtet, könnte eine Veränderung bemerken.

"Die Mehrheit der Studien legt nahe, dass Menschen, die viel Zucker zu sich nehmen, weniger und weniger gut schlafen."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Bei Zucker ist es aber im Gegensatz zum Alkohol so, dass man nicht beispielsweise jede Tafel Schokolade direkt als Grund für den schlechten Schlaf in der Nacht danach verantwortlich machen kann. Denn es ist noch nicht geklärt, was Ursache und was Wirkung ist, sagt Christine, der Zusammenhang ist noch nicht komplett erforscht.

Wie viel Schlaf kostet der Fastenmonat Ramadan?

Im Ramadan wird traditionell von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken und auch auf Rauchen oder Sex verzichtet. Dadurch, dass tagsüber gefastet wird, wird abends spät und morgens früh gegessen.

"Während des Ramadans wird die Gesamtschlafzeit üblicherweise um etwa eine Stunde verkürzt."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Untersuchungen zeigen, wie viel Schlaf das kostet: im Schnitt eine Stunde pro Nacht. Auch die Schlafqualität wird oft schlechter und die Fastenden sind am Tag müder.

Denn: Das späte und oft auch ausgiebige Essen mit der Familie am Abend verschiebt den Zeitpunkt, zu dem man normalerweise ins Bett gehen würde, nach hinten. Außerdem kann eine große Mahlzeit kurz vor dem Schlafengehen den Schlaf stören.

"Manche stehen auch früh morgens vor Sonnenaufgang nochmal auf, um etwas zu essen. Das unterbricht den Schlaf dann auch noch mal."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Wenn ihr gerade fastet, könnt ihr von Naps am Tag profitieren, sagt Schlafforscherin Christine Blume. Gerade wenn es um einen begrenzten Zeitraum des Fastens geht, wie beim Ramadan, ist die Müdigkeit am Tag erklärbar und nicht besorgniserregend.

Intervallfasten: Wird es seinem guten Ruf gerecht? 

Beim Intervallfasten wird, ebenso wie im Ramadan, nur eine bestimmte Zeit lang gegessen. Der Klassiker ist die 16-8-Methode. Bedeutet: 16 Stunden lang wird gefastet, im restlichen Zeitraum von acht Stunden wird gegessen und getrunken. Innerhalb der 16 Stunden trinken die meisten zwar schon, aber eher so etwas wie Wasser und Tee.

Studien konnten zeigen, so Christine Blume, dass Intervallfasten bei Übergewicht oft zu einer Gewichtsreduktion führt, das Risiko für Diabetes Typ 2 senkt, den Blutdruck senkt, Entzündungsmarker verringert und auch die Körperzusammensetzung verbessert. Doch einen positiven Effekt auf den Schlaf zeigt sich nicht, sagt die Schlafforscherin.

"Intervallfasten verbessert den Stoffwechsel und hat vielleicht sogar Effekte auf die innere Uhr, aber es verbessert den Schlaf nicht."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Auch die These, Intervallfasten könnte gut sein für Menschen, die unter einer starken Schlafstörung – einer Insomnie – leiden, ist ein Mythos. Keine der bisherigen Studien konnte diese These belegen, erklärt sie.

"Der Großteil der vorhandenen Studien zeigt keine bedeutsamen Verbesserungen der Schlafqualität, Schlafdauer oder der Schwere der Insomnie-Symptome."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Die Effekte des Intervallfastens auf andere gesundheitliche Aspekte hingegen sind gut untersucht. Menschen, die dieses Fastenkonzept für sich entdeckt haben, können dadurch wirklich Verbesserungen erzielen, so Christine.

Tipps für guten Schlaf in der Fastenzeit

Tipps von Schlafforscherin Christine Blume und Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge für guten Schlaf in der Fastenzeit und weitere Zahlen und Fakten zum Thema Schlaf und Fasten hört ihr in dieser Folge Über Schlafen.