FrauenfeindlichkeitVon den Medien in die Realität
Vom Netz, aus Filmen, Videos oder Spielen: Mediale Misogynie überträgt sich in die Wirklichkeit der Konsumierenden. Bei Männern stärker als bei Frauen und besonders deutlich bei Heranwachsenden. Psychologin Angela Dorrough über einen neue Meta-Studie.
Frauenfeindlichkeit ist medial sehr präsent: Sie findet sich überall dort, wo Frauen stereotyp, aus einer herablassenden oder erniedrigenden Perspektive dargestellt werden. Das reicht also vom Musikvideo, über Werbung mit übersexualisierten Frauen bis zu Videospielen, in denen Frauen zum Objekt werden.
"Sowohl Männer als auch Frauen reagieren auf den Konsum frauenfeindlicher Medien mit mehr Frauenfeindlichkeit. Der Effekt ist allerdings etwas stärker für Männer."
Egal ob in sozialen Netzwerken, Videospielen oder in Filmen und Serien: Tatsächlich verstärkt der Konsum frauenfeindlicher Medieninhalte negative Reaktionen gegenüber Frauen in der Realität. Frauenfeindliche Darstellungen führen zu einer erhöhten Feindseligkeit gegenüber Frauen.
Effekte für Heranwachsende
Das alles überrascht die Psychologin Angela Dorrough nicht. Bezogen auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene müsse man sich aber Sorgen machen, sagt sie. Der Medienkonsum hinterlasse nachweisbar Spuren, bei Männern und bei Frauen.
"Wir haben vor allem Effekte für Heranwachsende und junge Erwachsene gefunden. Man kann schon sagen, besonders beeinflussbar sind gerade die Jüngeren."
"Misogynie: Konfrontation in Medien und frauenfeindliche Haltung" ist der Titel einer Metastudie, die genau diesen Zusammenhang untersucht. Angela Dorrough hat daran mitgearbeitet.
In einer statistischen Gesamtauswertung bereits veröffentlichter Studien wird der Zusammenhang zwischen frauenfeindlichen medialen und frauenfeindlichen Reaktionen systematisch untersucht. Die wissenschaftliche Literatur dafür stammt aus rund 47 Jahren Forschung. 257 Studien mit insgesamt 132.933 Teilnehmenden flossen in das Ergebnis ein.
Gewalt und Frauenwitze
Eine große Bandbreite frauenfeindlicher Medien wurde also der Meta-Analyse unterzogen. "Die explizit frauenfeindlichen Inhalte sind zum Beispiel Gewaltdarstellungen. Meistens sind die Protagonisten Männer, die eben gewaltvolles Verhalten gegenüber Frauen zeigen, sagt Angela Dorrough. "Die subtileren Formen von Frauenfeindlichkeit sind zum Beispiel Witze auf Kosten von Frauen oder klischeehafte Abbildungen von Frauen", berichtet sie.
Auf den Konsum frauenfeindlicher Medien folgen beispielsweise die Stereotypisierung bis hin zu Abwertung von Frauen oder das Nicht-Unterstützen von Frauenrechten bis hin zu Vergewaltigungsmythen, sagt die Psychologin. Sie definiert den Begriff Vergewaltigungsmythen als "die Überzeugung, dass Frauen an Vergewaltigungen unter anderem mit Selbstschuld sind."
Gleichzeitig ist eine größere Beständigkeit von Frauen gegenüber frauenfeindlichen Inhalten zu beobachten. Das erklärt die Psychologin so: "Frauen identifizieren sich doch schon stärker mit ihrem eigenen Geschlecht und versuchen dann eben, ein anderes Verhalten zu zeigen."
"Theoretisch kann man annehmen, dass Frauen eben vor allem gegensteuern, wenn die Inhalte sehr explizit frauenfeindlich sind."
Als Gegenmaßnahmen kann sich Angela Dorrough eine stärkere Kontrolle von Medieninhalten vorstellen, eben auch im Bereich der sozialen Medien. Das könne bis hin zu einem Verbot von sozialen Medien für die besonders sensible Gruppe der Heranwachsenden reichen. Auch "ein Verbot von Social Media für Jugendliche oder sehr starke Restriktionen in dem Bereich", hält Angela Dorrough für sinnvoll.