Günstigerer FührerscheinFahren lernen mit der VR-Brille
Wildwechsel, Rettungsgassen, aber auch alltäglichere Situationen – mit einer Virtual-Reality-Brille können sich Fahrschüler bei ihren Fahrstunden darauf vorbereiten. Ein weiterer Vorteil: Die VR-Brille soll den Führerschein auch billiger machen.
Ein echter Autositz, ein Lenkrad, ein Schaltknüppel und Pedale – nur das Auto fehlt. Stattdessen sitzt Deutschlandradio-Landeskorrespondent Tobias Krone in einem Fahrschulraum in München und trägt eine VR-Brille. Vor seinen Augen erscheint eine virtuelle Straße. Er fährt durch ein Wohngebiet, kurvt um Hütchen und muss am Straßenrand einparken. Sogar der Sitz vibriert beim Bremsen.
"Die Welt, die diese Brille simuliert, sieht so ein bisschen aus wie ein sehr realistisches Computerspiel."
Erst virtuell fahren, dann auf die Straße
Besonders für Fahranfänger*innen könnte sich das Training am Simulator lohnen. Grundlegende Abläufe wie Anfahren, Schalten, Blinken oder der Schulterblick lassen sich zunächst virtuell üben. Dabei helfen auch Videoanleitungen, erklärt Tobias Krone.
"Schlüssel umdrehen, Gang einlegen, blinken, da hilft dir so eine Art Videotutorial in diesem Simulator."
Fahrschülerin Chiara hat auf diese Weise die ersten Bewegungsabläufe trainiert. Besonders hilfreich fand sie, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie stark sie das Lenkrad drehen oder das Gaspedal betätigen muss.
Das könnte auch Geld sparen: Eine Simulatorstunde kostet laut Krone knapp 40 Euro. Zum Vergleich: In München liegt der Preis für eine reguläre Fahrstunde laut dem Portal Drivebee durchschnittlich bei 85 Euro. Wer durch das virtuelle Training weniger echte Fahrstunden benötigt, könnte also günstiger zum Führerschein kommen.
Gefährliche Situationen ohne Risiko trainieren
Der Simulator kann aber noch mehr. Er ermöglicht Übungen, die im echten Straßenverkehr schwer planbar oder gefährlich wären. Beispielsweise lässt sich üben, wie man im Autobahnstau eine Rettungsgasse bildet oder auf plötzlich auftauchende Wildtiere reagiert.
"Zum Beispiel ein Stau auf der Autobahn. Wie funktioniert jetzt so eine Rettungsgasse? Wie zuckele ich da so durch im ersten Gang? Das kann man halt gut simulieren."
Wie schnell es auf der Landstraße gefährlich werden kann, hat Fahrschülerin Chiara bei einer simulierten Fahrt selbst erlebt. Ein Reh tauchte auf und sie wäre beinahe mit dem Tier zusammengestoßen.
"Und das erste Mal Landstraße fahren war bei mir dahingehend brenzlig, dass ich ein Reh fast mitgenommen hätte."
Der simulierte Wildwechsel habe ihr gezeigt, welche Gefahrensituationen auf Landstraßen auftreten können. Eine Erfahrung, die sie lieber virtuell als im echten Straßenverkehr macht.
Ob VR-Fahrstunden den Führerschein tatsächlich deutlich günstiger machen, hängt allerdings davon ab, wie viele reguläre Fahrstunden sich dadurch einsparen lassen. Als Ergänzung zur praktischen Ausbildung bieten sie jedenfalls die Möglichkeit, wichtige Abläufe und Gefahrensituationen zu trainieren.