Gen-Z-ProtesteHurra, hurra, die Schule brennt

Bessere Bildung, bezahlbares Leben, keine Wehrpflicht: Dafür geht die Gen Z auf die Straße. Doch am Ende dominieren Bilder von Gewalt und Plünderungen. Wer steckt dahinter – und gehen die eigentlichen Forderungen dadurch unter?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von "gewaltbereiten, linken Gruppen" und "migrantischen Chaoten", die die friedlichen Proteste der Initiative "Gen Z regelt" mit Krawallen und Ausschreitungen überschattet haben sollen. Bundesverteidigungsminister Pistorius verwehrt sich gegen solch eine pauschale Einschätzung. Er hinterfragt: "Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren."

"Es gab lange Zeit keine Jugendproteste mehr in Deutschland. Wenn man das Gefühl hat, man wird von der Politik nicht gehört, dann wird man eben lauter und lauter, bis man es eben auf die Straße trägt."
Jannis Grimm, Protestforscher

Der Protestforscher Jannis Grimm war am Wochenende (31.10.26) am Brandenburger Tor in Berlin, um sich selbst ein Bild von den Protesten zu machen. An der Freien Universität Berlin leitet er eine Forschungsgruppe zum Thema Radical Spaces. Zu Forschungszwecken hat er mit Teilnehmenden gesprochen.

Sein Eindruck war, dass sehr viele unterschiedliche Menschen an den Demos teilgenommen haben. Jüngere Menschen, darunter insbesondere Schüler*innen und Studierende, aber auch Reporter*innen, Schaulustige, Kommentator*innen und Streamer, so der Konfliktforscher.

"Es gibt eine ganze Reihe von Themen, bei denen bei jungen Menschen der Schuh drückt und sie das Gefühl haben, dass sie nirgendwo mit am Tisch sitzen."
Jannis Grimm, Protestforscher

Bei der Demonstration sei ihm aufgefallen, dass es vor Ort relativ wenig organisierte Gruppen gab. Die hätten sich zurückgehalten, weil im Vorfeld ziemliche Horror-Szenarien beschrieben wurden. Möglicherweise könnten sie sich jetzt bestärkt fühlen und an weiteren Demos im November teilnehmen, sagt Jannis Grimm.

Das verbindende Element: Das Gefühl, nicht gehört zu werden

Die geringe Organisation zeige, dass es sich noch nicht um eine Bewegung handele, sondern bisher noch um Massenproteste, aus denen aber eine größere Bewegung entstehen könne. Der größte gemeinsame Nenner der Protestierenden sei das Gefühl, dass sie von der Politik nicht gehört würden.

Protestierende sorgen sich, dass Krawalle ihre Forderungen überschatten

Anne Katrin Eutin, aus dem Unboxing-News-Team sagt, dass man zwischen dem Ablauf am Tag und in der Nacht unterscheiden muss, wenn man beurteilen möchte, wie Demonstrationen verlaufen sind. In mehr als 30 Städten gab es Demos, die hauptsächlich von "Gen-Z-regelt" organisiert wurden. Daran haben ungefähr 120.000 Menschen teilgenommen.

"Die Menschen, die Randale gemacht haben, haben uns eigentlich nur geschadet."
Jennifer Rosin, Landesschülerausschuss Berlin

Auch in den Städten, in denen es im Verlauf des Abends zu Krawallen kam, also vor allem in Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin, war es tagsüber überwiegend friedlich, sagt unsere Reporterin. Es gab Musik, es wurde getanzt, dazu Kundgebungen und Demonstrationszüge, die durch die Städte gingen.

"Es ist zumindest mal ein Start, ein Signal zu senden, wobei ich es schade finde, dass das im Vorfeld schon so politisiert wird, als würde heute die Welt untergehen."
Ein Teilnehmer einer "Gen Z regelt"-Demonstration

Die Forderungen waren vielschichtig, sagt Anne-Katrin Eutin. Sie reichten vom Wunsch nach mehr Geld für Bildung und Gesundheit, über besseren Klimaschutz und niedrigere Lebenshaltungskosten bis hin zur Sorge, dass der Wehrdienst künftig nicht mehr freiwillig bleiben könnte.

Viele der Teilnehmenden hoffen, dass friedliche Proteste ein Anfang sind, um sich bei Politiker*innen Gehör zu verschaffen. Doch Demonstrierende wie Jennifer Rosin vom Landesschülerausschuss Berlin sind über Pyrotechnik, Plünderungen, Sachbeschädigungen, Ausschreitungen und Verletzte unglücklich, weil es ihre Forderungen überschattet.

Mehr Hintergründe bekommt ihr, wenn ihr oben auf dieser Seite über den Play-Button die komplette Sendung hört.