GroßbritannienNeuer Premier, neue Hoffnung?

Teures Wohnen, hohe Preise und jede Menge Perspektivlosigkeit: George ist 28, lebt in London und kämpft wie viele Briten mit ihrem Alltag. Was will der neue Premier Andy Burnham dagegen tun?

Cost-of-living-crisis: eine Krise, ausgelöst durch hohe Lebenshaltungskosten bei gleichzeitiger Stagnation der Einkommen. So beschreiben Ökonomen die Lage in Großbritannien seit etwa 2021.

"Eigentlich müssen alle in WGs leben. Und wenn nicht, dann wahrscheinlich, weil die Eltern reich sind."
George, 28, lebt in London

George ist 28 und mittendrin in dieser Krise: "Im Moment ist einfach alles mega teuer. Ich verdiene zwar ein recht gutes Durchschnittsgehalt, aber das Geld reicht längst nicht mehr so lange wie früher", sagt sie, die in London lebt und in der Obdachlosenhilfe arbeitet. Sie findet: "Nur weil London von außen als reich wahrgenommen wird, heißt das nicht, dass es allen dort gut geht."

Isolation und Verschuldung

Wohnen, Lebensmittel und Mobilität gehören zu den Kosten, die stark angestiegen sind, berichtet George: "Essen ist teurer geworden, von A nach B zu kommen auch, also innerhalb der Stadt." Sie vermutet, dass Menschen sich wegen der finanziellen Situation isoliert fühlen und andere sich verschulden, und sagt: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die Folgen davon in den nächsten zehn Jahren noch deutlich sehen werden."

"Wenn du alleine wohnen willst, ist es super schwierig, überhaupt an eine Wohnung zu kommen."
George, 28, lebt in London

Zwar zeigt die britische Wirtschaft momentan sanfte Zeichen einer leichten Erholung: ein bisschen Wachstum und leicht rückläufige Inflation (Stand 20.07.2026). Insgesamt ist die ökonomische Situation des Landes aber angeschlagen, sagt Nicolai von Ondarza. Er arbeitet für die Stiftung Wissenschaft und Politik und ist dort auf Großbritannien und die EU spezialisiert: Die schwache Wirtschaftsleistung, die höchsten Energiepreise weltweit und die Sicherheitspolitik bezeichnet er als die aktuell drei größten Probleme des Landes.

"Wenn man über die letzten fünf, sechs Jahre guckt, dann gehört Großbritannien neben Deutschland zu den großen Industrienationen, die sich seit der Corona-Pandemie nicht mehr wirklich erholt haben."
Nicolai von Ondarza, Stiftung Wissenschaft und Politik

Nicolai von Ondarza weist außerdem darauf hin, dass Inflation und hohe Zinskosten in Großbritannien besonders stark durchschlagen, weil das Wirtschaftssystem des Landes ein wenig mehr auf Spekulation ausgerichtet ist. "Teile der heutigen Wirtschaftsmisere sind eben auch auf den Brexit zurückzuführen", sagt er.

"Der Grund, warum wir jetzt den siebten Premierminister in zehn Jahren haben, liegt aus meiner Sicht eben vor allen Dingen am Brexit."
Nicolai von Ondarza, Stiftung Wissenschaft und Politik

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union im Jahr 2020, bekannt als Brexit, habe im Wesentlichen zwei Folgen gehabt:

  1. einen schleichenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und schlechteren Zugang zu Krediten
  2. beinahe eine Zerschmetterung des Parteiensystems

Mit der "Devolution" hat der neue Premierminister Andy Burnham nun eine Abgabe von Kompetenzen von der nationalen auf die regionale Ebene angekündigt. Für Nicolai von Ondarza ist das die größte angekündigte Veränderung: "Andy Burnham hat in Manchester gelernt: Man muss die Politik zu den Menschen bringen. Er hat jetzt dafür drei Jahre Zeit. 2029 wird das nächste Mal gewählt."

Hoffnung auf Wohnungsbau

Sein haushaltspolitischer Spielraum sei dafür aber eng begrenzt und der Druck durch die Rechtspopulisten groß. "Einfach wird dieser Politikwechsel für ihn nicht sein", sagt Nicolai von Ondarza.

"Mehr Sozialwohnungen: Wenn das wirklich passiert, wäre das eines der besten Dinge, die ich in meinem Leben politisch erlebt habe."
George, 28, lebt in London

In London hofft George unterdessen darauf, dass Andy Burnham wirklich sozialen Wohnungsbau fördert, so wie er es angekündigt hat. Ihr ist allerdings bewusst, dass diese Maßnahme nur langfristig Wirkung zeigen könnte. Einen Mietendeckel oder eine Regulierung der Mieten allgemein, kann sie sich als kurzfristigere Hilfe vorstellen.