Gute VorsätzeEndlich anfangen, etwas zu ändern
Zum neuen Jahr nehmen wir uns oft vor, mit einer schlechten Gewohnheit aufzuhören oder mit einer wichtigen Veränderung anzufangen. Gefühlt jedes Jahr scheitern wir daran. Warum das so ist und wie wir es ändern können, erklärt ein Sportpsychologe.
"Ständig passiert mir das - und ich glaube, allen Menschen passiert sowas in mehr oder weniger großem Maße häufig", sagt Jens Kleinert über das Scheitern an guten Vorsätzen. Er leitet das Psychologische Institut der Sporthochschule Köln. Einer seiner Schwerpunkte ist Motivationspsychologie. Drei maßgebliche Gründe hindern uns, erklärt Jens Kleinert.
- Wir selbst wollen gar nicht wirklich die Veränderung, sondern es wird an uns von außen durch Freunde und Familie herangetragen. Deshalb schieben wir die Umsetzung vor uns her.
- Wir wissen nicht, wie wir mit der Umsetzung anfangen sollen. Wir kennen zwar das Ziel, aber nicht den Weg dahin.
- Das Projekt oder die Veränderung macht uns überhaupt keinen Spaß, deshalb ist unsere Motivation gering, damit zu starten.
Wie können wir uns dennoch motivieren?
Hier ein paar Tipps von Jens Kleinert:
- Wir wollen ein Zimmer streichen: Wenn wir auch Spaß am Streichen haben, dann sollten wir nicht nur über das Ergebnis nachdenken, sondern unsere Lust am Streichen in den Vordergrund stellen. Dann ist nur noch die Frage, wann wir damit anfangen und dafür Zeit einplanen.
- Dabei helfen Smart-Regeln: Konkret planen, wann und wie wir etwas tun und am besten, mit wem wir es zusammen machen.
Wie halten wir bis zum Ende durch?
Jens Kleinert rät, bei Schwierigkeiten in der Umsetzung Menschen um Hilfe zu bitten, die so etwas ähnliches schon einmal selbst gemacht haben. Helfen kann auch, wenn wir uns quasi auf einem Reißbrett das Projekt aufzeichnen oder aufschreiben und Lösungsoptionen skizzieren. "Sich wirklich hinsetzen, es aufschreiben, einen Plan machen, wie ich mit dieser Schwierigkeit jetzt umgehe", rät Jens Kleinert.
Mit einem Plan zum Ziel
Überhaupt sei ein Plan, wie wir ein Ziel erreichen wollen, immer hilfreich bei der Umsetzung, meint Jens Kleinert. Er unterscheidet auch zwischen Wünschen und Zielen.
So ist eine weite Reise machen zu wollen ein Wunsch. Um diesen zu verwirklichen, muss ich bestimmte Ziele erreichen wie genügend Geld dafür gespart zu haben. Hilfreich sei auch, sich diese Ziele in Zwischenziele oder Etappen aufzuteilen.
"Das ist schon mal ein guter Tipp, dass man Zwischenziele definiert, die auch relativ zeitnah, schnell und auch gut erreichbar sind."
Der Plan sollte den SMART-Regeln folgen: "Spezifisch, Messbar, Attraktiv/Akzeptiert, Realistisch und Terminiert" – klare, konkrete Ziele, die erreichbar sind, hinter denen wir voll und ganz stehen und für die wir einen Zeitplan haben.
Manche glauben, dass ihnen bei der Umsetzung hilft, das Ziel oder den Wunsch zu manifestieren. Also so darüber zu sprechen, als ob es schon Wirklichkeit geworden wäre.
Jens Kleinert ist bei der Methode skeptisch. Auch die Studienlage bestätige nicht, dass es eine vielversprechende Methode sei. "Ich muss mir vor allem vorstellen können, wie ich das mache, hin zu meinem Ziel, hin zu meinem Wunsch zu kommen", sagt Jens Kleinert.
Gemeinsam Ziele erreichen
Eine besondere Herausforderung ist, wenn wir als Gruppe oder Verein Ziele definieren, die wir gemeinsam erreichen wollen: Zum Beispiel neue Mitglieder gewinnen. Grundlage dafür ist eine gute Kommunikation in der Gruppe, sagt Jens Kleinert. Schwierigkeiten, die auftreten können, sollten im Vorfeld diskutiert und ein Plan B überlegt werden. Hilfreich sei auch eine klare Rollenverteilung, wer für was zuständig ist. Und dabei ist wichtig, dass die Leute sich in ihrer Rolle wohlfühlen.
Sobald dann bei der Umsetzung Schwierigkeiten auftreten, können Meetings oder gemeinsame Events helfen, darüber zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu finden.