Gynäkologin Mandy ManglerMenschen mit PMS beschämen - das geht gar nicht
Ob Rückzug oder Reizbarkeit, so unterschiedlich die Symptome bei PMS sein können, eines haben sie gemeinsam: In der prämenstruellen Phase sind wir nicht unbedingt "mega sweet". Und das hat einen guten Grund, erklärt Gynäkologin Mandy Mangler.
Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) kann sich ganz unterschiedlich äußern, von Gereiztheit bis zu körperlichen Beschwerden. Hinter diesen Veränderungen steckt jedoch kein Zufall, sondern ein hormoneller Prozess.
Was im Körper passiert
"In der zweiten Zyklushälfte ist das Progesteron höher und das Östrogen im Vergleich niedriger.“
Mangler beschreibt damit, dass sich das hormonelle Gleichgewicht nach dem Eisprung deutlich verschiebt. Während Progesteron ansteigt, sinkt das Östrogen – ein Hormon, das oft mit Ausgeglichenheit und sozialer Zugewandtheit verbunden wird.
"Östrogen ist dieses Lieb-Lieb-Hormon, das uns ein bisschen zu freundlich macht."
Die Ärztin macht deutlich, dass die vermeintlich „unangenehmere“ Stimmung biologisch erklärbar ist. Gleichzeitig sieht sie darin nichts grundsätzlich Negatives: Weniger Anpassung und mehr Durchsetzungsfähigkeit seien in dieser Phase durchaus sinnvoll.
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Jana Niehof beschreibt die Bandbreite der Symptome.
"Die Symptome reichen von schlechter Laune und Wut bis hin zu Heißhunger, Schlafproblemen oder Kopfschmerzen."
Damit wird klar: PMS betrifft nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper. Die Beschwerden können individuell sehr unterschiedlich ausfallen.
Wann PMS problematisch wird
Nicht jede Stimmungsschwankung ist gleich ein Problem. Entscheidend ist, wie stark die Symptome den Alltag beeinflussen.
Jana Niehof erklärt, dass es kritisch wird, wenn Betroffene sich stark eingeschränkt fühlen oder ihren Alltag kaum noch bewältigen können. Dann könne mehr dahinterstecken als „normales“ PMS.
In solchen Fällen kann auch eine schwerere Form vorliegen:
"PMDS ist die schwere Form von PMS und kann sich wie eine depressive Episode anfühlen."
Diese sogenannte prämenstruelle dysphorische Störung ist eine ernstzunehmende Erkrankung und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Warum Witze über PMS problematisch sind
Trotz der körperlichen Ursachen wird PMS oft nicht ernst genommen – im Gegenteil: Es dient häufig als Witzvorlage.
"Frauen werden halt abgewertet mit Dingen, die unsere Menstruation betreffen. Menschen ärgern sich, dass Frauen nicht so lieb und freundlich sind wie sonst."
Mangler kritisiert, dass solche Reaktionen weniger mit den Betroffenen zu tun haben als mit gesellschaftlichen Erwartungen. Wenn Frauen in dieser Phase weniger angepasst und direkter auftreten, stoße das bei manchen auf Ablehnung.
„Dann machen sie dumme Witze, um uns zu gängeln und abzuwerten.“
Für sie zeigt sich darin ein strukturelles Problem: Statt Verständnis gibt es oft Spott. Dabei sind die Veränderungen biologisch erklärbar und für viele Betroffene belastend.
Unterm Strich gilt: PMS ist kein Klischee, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen – mit sehr realen Auswirkungen. Wer betroffen ist, sollte ernst genommen werden.