HitzeDrohen uns Waldbrände wie in Südeuropa?
In Spanien, Frankreich und Portugal brennen riesige Waldflächen. Auch in Deutschland steigt das Risiko. Försterin Leonie Münzer sagt: "Meistens sind es einfach wir Menschen, die Mist bauen." Wie groß ist die Waldbrandgefahr wirklich?
Es sind verheerende Bilder, die derzeit aus Südeuropa kommen: Allein in Frankreich und Spanien stehen bereits Hunderttausende Hektar Wald in Flammen.
Für die angehende Försterin Leonie Münzer vom Forstamt Rheinhessen sind solche Szenarien auch hier ein Warnsignal. Ihr Revier im Ober-Olmer Wald umfasst rund 380 Hektar – etwa 720 Fußballfelder – und wäre im Ernstfall innerhalb weniger Tage abgebrannt, sagt sie. Aktuell gilt dort Waldbrandgefahrenstufe 4 von 5. "Wir sind alle auf Habachtstellung, warten ab und hoffen, dass nichts kommt."
Waldbrand – Mensch meist der Verursacher
Der Klimawandel macht sich in den Wäldern von Rheinhessen unterschiedlich bemerkbar, erklärt Leonie. Viele Bestände seien durch den von Natur aus etwas wärmeren Standort bereits angepasst. Laub- und tief verwurzelte ältere Bäume kämen hier mit den Bedingungen gut zurecht. Doch im nahegelegenen Lennebergwald mit seinen sandigen Böden sei die Situation kritisch: "Da gibt es Stellen, wo kein Wald mehr wachsen wird auf absehbare Zeit“, sagt sie.
"Dass natürlich ein Waldbrand entsteht, ist extrem selten, meistens sind es einfach wir Menschen, die Mist bauen."
Die Gefahr eines Brandes hängt ab von Hitze, Wind und Bodenfeuchte, erklärt Leonie. Trockene Böden und starke Winde könnten dazu führen, dass sich Feuer schnell ausbreiten. Schon kleine Unachtsamkeiten könnten dann einen Brand auslösen – etwa eine weggeworfene Zigarette oder ein heißer Autoauspuff auf trockenem Gras.
Dass ein Waldbrand ganz natürlich entsteht, sei dagegen äußerst selten, sagt die Försterin. Eine mögliche Ursache könne etwa ein Blitzeinschlag sein. In den meisten Fällen seien es jedoch Menschen, die Brände verursachen: "Meistens sind es einfach wir Menschen, die Mist bauen", sagt sie.
Nadelwälder für Waldbrände besonders anfällig
Bei Waldbränden übernehmen Försterinnen und Förster vor allem eine beratende Rolle für die Einsatzkräfte. Sie kennen die örtlichen Gegebenheiten, liefern Kartenmaterial und helfen, die besten Zufahrtswege, Wasserstellen und Einsatzmöglichkeiten zu finden, erklärt Leonie.
Diese Ortskenntnis sei besonders wichtig, weil Feuerwehrfahrzeuge nicht jeden Waldweg befahren könnten. Bei Übungen zeige sich immer wieder, dass Einsatzkräfte ohne Unterstützung Schwierigkeiten hätten, die richtigen Wege zu finden.
"Am anfälligsten für Waldbrände sind reine Nadelwälder, besonders Kiefernwälder, weil sie sehr lichte Kronen haben und viel Sonne durchlassen."
Besonders gefährdet seien vor allem reine Nadelwälder, insbesondere Kiefernwälder. Durch die lichten Kronen gelange viel Sonne auf den Boden, wodurch trockene Grasflächen und Nadelstreu entstehen. Zusammen mit harzhaltigem Holz sei diese Kombination sehr leicht entflammbar – vor allem in großen Kiefernmonokulturen, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg häufig angelegt wurden.
Unser Wald wird brennbarer
Die Waldbrände in Südeuropa könnten ein Hinweis darauf sein, was auch Deutschland künftig häufiger erwarten könnte. Der Klimawandel schaffe zunehmend Bedingungen, unter denen sich Brände leichter entwickeln und deutlich größer ausbreiten können.
"Der Klimawandel bringt alles mit, dass ein Waldbrand, wenn er entsteht, immer größer und immer heftiger wird."
Ob Deutschland künftig ähnliche Waldbrandszenarien wie Südeuropa erleben wird, sei schwer vorherzusagen. Große Evakuierungen oder abgebrannte Dörfer seien hier bisher sehr selten. Trotzdem habe sich die Situation verändert und man könne nicht ausschließen, dass solche Extremereignisse künftig häufiger auftreten, erklärt Wissenschaftsjournalist Mathias Tertilt.
Auch die Annahme, dass Laubwälder grundsätzlich gut vor Bränden geschützt sind, gelte nicht mehr uneingeschränkt. Zuletzt seien in Deutschland erstmals mehr Laub- als Nadelwälder abgebrannt. Durch Trockenheit seien viele Bäume geschwächt, die Kronen weniger dicht und die Wälder anfälliger geworden.
Die vergessenen Feuerbeschleuniger
Die Unterschiede zwischen Deutschland und Südeuropa liegen vor allem beim Klima und der Vegetation, erklärt Mathias. Länder wie Spanien oder Portugal hätten ein mediterranes Klima mit regelmäßigen Sommerdürreperioden. Zudem gibt es dort häufiger besonders brandanfällige Baumarten wie Kiefern oder Eukalyptus, die Brände verstärken können.
"Früher haben Ziegen die kleinen Büsche und Pflanzen weggefressen. Das gib es heute nicht mehr. Sie sind der Brennstoff für ein Feuer."
Auch die veränderte Landnutzung spielt eine Rolle. Früher hielten beispielsweise Ziegenherden in vielen Regionen Südeuropas die Vegetation kurz. Durch die zunehmende Landflucht wachsen heute mehr kleine Büsche und Pflanzen, die früher von Ziegen gefressen wurde und im Sommer leicht brennen können. "Sie sind der Brennstoff für ein Feuer", erklärt Mathias. In Deutschland ist das aktuell noch deutlich weniger der Fall.
Mehr Tage mit hoher Brandgefahr
Die Waldbrandgefahr sei in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Neben Wetter und Trockenheit spielten auch Baumarten und Böden eine Rolle. Sandige Böden trockneten schneller aus. In Teilen Ostdeutschlands könne zudem munitionsbelasteter Waldboden Brände zusätzlich verschärfen.
Durch den Klimawandel nehme die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr zu. Laut Mathias Tertilt hätten sich die Tage mit sehr hohem Waldbrandrisiko seit den 1960er Jahren in Deutschland nahezu verdoppelt.
"Die Tage mit besonders hohem Waldbrand-Risiko haben sich seit den 1960er Jahren fast verdoppelt."
Bei der Vorbereitung auf größere Waldbrände sieht der Journalist Deutschland grundsätzlich gut aufgestellt. Zwar könne es bei Ausrüstung wie Löschfahrzeugen oder Spezialtechnik immer noch mehr geben. Ein großer Vorteil sei aber das dichte Netz an Feuerwehren, insbesondere der vielen Freiwilligen Feuerwehren und Frühwarnsysteme durch Sensoren, Kameras, Überflüge oder Wachtürme.
Trotzdem müsse weiter investiert werden, sagt er. Es brauche mehr Spezialausrüstung, bessere Schulungen und speziell ausgebildete Waldbrandeinheiten. Das Thema habe in der Feuerwehr lange kaum eine Rolle gespielt – inzwischen würden die Bundesländer aber stärker darauf reagieren und sich gezielter vorbereiten.
Widerstandsfähige Wälder schaffen
Brände bekämpfen, ist wichtig. Doch es kommt auch darauf an, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Keine Zigaretten wegwerfen, kein Feuer machen und Autos nicht auf trockenem Gras abstellen. Immer eine Flasche Wasser dabei haben, um kleine Gefahren wie einen glimmenden Kippenstummel direkt löschen zu können.
"Wir setzen viel auf Eichen und auf Mischbaumarten wie Speierling oder Elsbeere. Das sind ziemlich coole Baumarten, die können gut mit Trockenheit und Hitze umgehen."
Zur Prävention gehört auch der Waldumbau, erklärt Försterin Leonie Münzer. Durch widerstandsfähige Baumarten könne man Wälder besser auf den Klimawandel vorbereiten. In ihrem Revier setze man deshalb unter anderem auf Eichen sowie seltene Mischbaumarten wie Speierling und Elsbeere, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen.