HitzewelleWie unsere Städte kühler werden

Stefan arbeitet mit 230 Grad heißem Asphalt – mitten in der Hitzewelle. Während Deutschland schwitzt, trifft Hitze manche Menschen besonders hart. Unsere Städte werden immer heißer – aber sind sie darauf vorbereitet?

40 Grad im Schatten und mehr: Sogar Menschen im Freibad sind von der aktuellen Wetterlage herausgefordert. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein Heat Dome, also eine Hitzeglocke. Ein riesiges Hoch über Europa wird beidseitig von Tiefdruckgebieten eingerahmt. Der Luftaustausch ist blockiert. Meteorologen nennen das auch eine Omega-Wetterlage. Sie wird durch den menschengemachten Klimawandel häufiger.

"Man muss es so machen, wie man kann. Die Hitzewellen, wissen wir alle, werden immer länger."
Stefan Bill, Asphaltierer

Stefan Bill arbeitet seit 16 Jahren als Asphaltierer. Er hat bei der Hitze mit kochend heißem Asphalt zu tun und verteilt das Material auf dem zuvor vorbereiteten Untergrund. Sein Leben lang möchte Stefan Bill diesen Job machen.

"Wenn es heißer wird, bleibt der Asphalt auch länger warm und strahlt immer weiter die Hitze aus."
Stefan Bill, Asphaltierer

Überwiegend vormittags arbeitet er auf der Straße, nachmittags im Büro. Um sechs Uhr geht es in der Regel los. "Wenn man den ganzen Tag damit zu tun hat, bist du abends sehr geschwächt, merkst jeden Knochen, bist heiß, die Temperatur vom Körper fährt nicht runter", sagt er.

Ausfallgeld für Dachdecker

Im Dachdeckerhandwerk ist gemeinsam mit der Gewerkschaft ein Sommer-Ausfallgeld auf den Weg gebracht worden. Das ist wie ein Hitzeersatzgeld, sagt Ann-Kathrin Büssker. Sie arbeitet in der Umweltredaktion des Deutschlandfunks. Arbeitnehmende erhalten für jede Ausfallstunde 75 Prozent ihres Stundenlohns.

"Bei 38 Grad erwarten irgendwie alle, dass es weitergeht, als wäre nichts. Es ist aber was. "
Ann-Kathrin Büüsker, Deutschlandfunk Umweltredaktion

Hitzewellen stellen für vulnerable Menschen ein Risiko dar: Ältere, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen, kleine Kinder, Kranke und Pflegebedürftige allgemein. Und auch bestimmte Berufsgruppen sind von Hitzewellen besonders betroffen: Menschen, die schwer körperlich arbeiten, Pflegerinnen und Pfleger zum Beispiel.

"Das Personal in den Krankenhäusern hat jetzt richtig zu ackern. Die leiden auch unter der Hitze, also das ist wirklich Hochleistungsarbeit."
Ann-Kathrin Büüsker, Deutschlandfunk Umweltredaktion

Auch Obdachlose nennt Ann-Kathrin Büüsker. Diese können sich nur in Ausnahmefällen in klimatisierte Innenräume zurückziehen.

Die Städte und Gemeinden sind nur in recht überschaubarem Ausmaß auf die Herausforderungen der Hitze eingestellt, findet Ann-Kathrin Büüsker. Zwar hätten sich viele Städte schon auf den Weg gemacht, dazu sind sie auch verpflichtet. Nur verbleibe das kommunale Hitzemanagement teils reine Theorie und Konzept.

Begrünung als Ausweg

Auch werde Wohnraum in den Ballungsräumen häufig auf Kosten innerstädtischer Grünflächen geschaffen. Und außerdem kostet Klimamanagement einfach Geld. Dabei ist die Begrünung von Gebäuden hocheffektiv, was Kühlung angeht. "Du hast wirklich Multi-Use-Effekte durch Fassadenbegrünung", erklärt Ann-Kathrin Büüsker. Nur wird das Bauen durch diese und vergleichbare Maßnahmen komplizierter und tatsächlich auch teurer.

"Es ist am Ende meistens eine Frage des Geldes, die das Ganze zum Scheitern bringt."
Ann-Kathrin Büüsker, Deutschlandfunk Umweltredaktion, über Begrünung und die Kosten