InteriorWie gestalten wir ein schönes Zuhause?
Juana hat ihre kleine 1-Zimmer-Wohnung mit ein paar Hacks und Geduld zu einem Wohlfühlort gemacht. Wie wir eine Wohnung mit kleinem Budget gemütlich und schön gestalten, erklären zwei Interior-Profis.
Juana lebt in ihrer ersten eigenen Wohnung: ein Zimmer, 27 Quadratmeter. Als sie ihre Wohnung eingerichtet hat, gab es zwei Challenges:
- Juana musste alles neu einrichten, hatte dafür als Studentin aber nur ein begrenztes Budget.
- Alles ist in einem Raum: Küche, Wohn-, Schlaf- und Esszimmer. Der Platz, mit dem sie arbeiten konnte, ist limitiert. Trotzdem sollte es ordentlich und nach einem Konzept aussehen.
Kleiner Raum mit Potenzial
"Wenn man sich einmal im Kreis dreht, hat man alles auf einen Blick. Da gibt es nicht großartig etwas zu verstecken", sagt sie. Juana hat sich beim Einrichten auf das Nötigste reduziert und ihr Zimmer in verschiedene Bereiche eingeteilt, damit es so auch optisch eine Abtrennung gibt. In einer Ecke sind zum Beispiel ihr Bett und Kleiderschrank. Möglichst weit weg davon ist ihr Esstisch. Auf eine Couch hat sie aus Platzgründen verzichtet. Stattdessen funktioniert sie ihr Bett mit einer Tagesdecke als Sitzmöglichkeit um.
"Als ich meine Tür renoviert habe, hat das ein ganzes Wochenende gedauert. Aber ich finde das Warten, der Schmutz und die Sauerei danach haben sich auf jeden Fall gelohnt."
Beim Renovieren hatte Juana auch ihr Budget im Blick. Dafür hat sie geschaut: Was ist in der Wohnung schon da, das durch einen frischen Anstrich und etwas Upcycling wie neu aussieht? Bei der verwohnten Tür, die ihren Flur vom Wohnbereich abtrennt, hat zum Beispiel weiße Farbe für mehr Gemütlichkeit gesorgt.
Anderes hat sie möglichst günstig dazu gekauft, wie einen Boden zum Klicken, den sie über die alten Fliesen in der Küche gelegt hat. Das hat schon viel verändert, sagt Juana. Der Klickboden hat auch den Vorteil, dass er sich leicht wieder entfernen lässt.
Einrichten zum Wohlfühlen
Mit jedem weiteren Schritt hat sie die Wohnung zu ihrem persönlichen Wohlfühlort gemacht. Was uns dabei beeinflussen kann, ist individuell, sagt Uwe Linke. Er ist Experte für Interior Design, Farbe und Lichtplanung und berät Menschen zu den psychologischen Auswirkungen der Einrichtung. Wie wir im Raum die Möbel aufstellen, kann etwas mit uns machen, sagt er. Genauso auch die Licht- und Wandfarben.
"Es geht um diese sichere Höhle, diesen sicheren Ort, an dem unser Nervensystem runterfahren kann und aus dieser Alarmbereitschaft herausgeht. Eine Wohnung kann ein wirklich guter Ort dafür sein."
"Erfahrungsgemäß passt zu uns meistens das gut, was unserer eigenen Stimmung entspricht. Wenn ich ein sehr ruhiger, introvertierter Typ bin und ich würde mir eine komplett bunte Wohnungseinrichtung machen, würde mich das wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben, weil es eine Reizüberflutung ist", so Uwe Linke.
Der Wow-Moment
Wohnungen für andere Menschen zu ihrem Zuhause werden zu lassen, ist auch der Job von Interior Designerin Jana Richter. Sie erlebt dann einen Wow-Moment, wenn sich die Persönlichkeit in der Einrichtung widerspiegelt. Das geht zum Beispiel über persönliche Gegenstände wie Erinnerungsstücke und Bilder. Juana macht es sich mit Lichtern, Duftkerzen, einem Kaminfeuer-Video auf ihrem Fernseher und vielen Kissen gemütlich.
Der Weg über Textilien wie Kissen, Tagesdecken, Teppiche und Vorhänge ist allgemein ein Interior-Hack, der für wenig Geld und kleinen Aufwand viel verändern kann, sagt Jana Richter. Vorhänge können zum Beispiel auch als Raumtrenner dienen.
"Der Wow-Moment ist, wenn man sieht, dass sich die Persönlichkeit in der Einrichtung wiederfindet."
Licht kann auch viel verändern. Direktes, helles Licht in Form einer Deckenlampe oder Tageslichtleuchte kann die Wohnung tagsüber zu einem Ort der Konzentration machen. Indirekte Beleuchtung über eine zweite Stehlampe mit einer warmen Glühbirne oder verschiedene kleine Leuchten im Raum sorgen dann abends für einen entspannten Vibe.
Teppiche können einen Raum wiederum optisch in unterschiedliche Bereiche aufteilen und so auch eine kleinere Wohnung aufgeräumt und durchdacht wirken lassen. "Wenn man einen Teppich unter einen Esstisch legt und die Stühle auch darauf sind, nimmt das Auge das als eine Einheit wahr", so die Interior Designerin.
Moodboard als Rahmen
Ein Moodboard kann hier beim Planen helfen. Das ist eine Collage, auf der wir unterschiedliche Bilder sammeln, die uns ansprechen und mit denen wir eine Stimmung oder einen Stil für die Wohnung herausarbeiten, an der wir uns orientieren können.
Das können Fotos von Möbeln, Farben und anderen Einrichtungen sein, aber auch Bilder von Sonnenuntergängen oder einem Restaurant, das eine Atmosphäre einfängt, die uns gefällt. Mit dem Moodboard können wir dann prüfen, ob ein Möbelstück, das wir kaufen möchten, tatsächlich zu unserer Vision für die Wohnung passt, erklärt sie.
Bei alle dem Planen, Renovieren und Einrichten sollten wir vor allem den Druck rausnehmen. "Interior oder Einrichtung ist meistens ein Prozess. Man sollte sich nicht darauf versteifen, dass von Anfang an alles perfekt sein muss, wie man das auf Instagram sieht", so die Interior Designerin. Auch ihr Zuhause verändere sich Stück für Stück.