KI übernimmtMüssen wir wirklich Angst um unsere Jobs haben?

Zwischen Panik und Chance: Künstliche Intelligenz ist bei der Arbeit für viele ein Dauerthema. UX-Designer Johannes hat seinen persönlichen Mittelweg gefunden.

Er hat miterlebt, wie die AI-Tools immer besser geworden sind. Aufgaben, für die Johannes vorher mehrere Stunden brauchte, sind nun sehr schnell erledigt. Als UX-Designer berücksichtigt er bei der Softwareentwicklung die Perspektive von Nutzerinnen und Nutzern – sein Nachname ist der Redaktion bekannt. Seine Haltung ist grundsätzlich pragmatisch: "Ich gucke einfach, was möglich ist. Wenn die KI das kann, dann benutze ich da die KI für."

"Langfristig ist einem klar, dass einfach weniger Arbeitskraft nötig ist, wenn sich sonst am Setting nichts ändert."
Johannes, über den Einsatz von KI in seinem Berufsfeld UX-Design

Als er das erste Mal in einem Kundenprojekt etwas mit KI erledigt hat, was er vorher nicht erledigen konnte, war das ein megacooles Gefühl, berichtet Johannes. Eigentlich erstellt er als User-Experience-Designer nur einen Plan, wie etwas gemacht werden soll.

KI macht Sachen

Ausgeführt wird der dann aber nicht von ihm. Aber durch KI-Unterstützung konnte er technisch an der Software den Quellcode verändern, also sein Konzept direkt selbst umsetzen. "Das war ein gutes Gefühl, dass das erste Mal wirklich echt umzusetzen", sagt er.

"Dramatische Prognosen, wie viele Arbeitsplätze durch irgendwelche Neuerungen wegfallen werden, gab es schon mehrfach in der Geschichte – auch beim PC. Letztendlich waren die immer falsch."
Sabine Pfeiffer, Soziologin, Universität Erlangen-Nürnberg

Historisch betrachtet hat die Arbeitswelt eine Reihe von transformativen und disruptiven Prozessen und Entwicklungen durchlaufen. Die Erfindung der Dampfmaschine und den Siegeszug der Computer beispielsweise.

Die Sorge, zum Opfer zu werden

Die Soziologin Sabine Pfeiffer lehrt an der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort forscht sie unter anderem zur Arbeitswelt in der digitalen Transformation. Sie sagt: "In the long run wird alles gut, hoffentlich. Die Frage ist für jeden einzelnen Menschen: Was macht das mit mir in meiner Lebensspanne, in meinem Erwerbsverlauf? Und bin ich vielleicht dann doch das Opfer?"

KI sei für die flächendeckende Anwendung in Unternehmen auch nicht unbedingt geeignet. Der Diskurs beeinflusse allerdings momentan auch Entscheider in Unternehmen dergestalt, dass Abwarten nicht als rationale Entscheidung in Betracht gezogen wird.

Sie weist darauf hin, dass zum Training spezialisierter KI-Modelle häufig Daten in Mengen nötig sind, die mancherorts schlicht nicht vorliegen.

"Für einen guten KI-Lern-Prozess muss die Datenmenge meist unvorstellbar groß sein. Die hat man oft nicht."
Sabine Pfeiffer, Soziologin, Universität Erlangen-Nürnberg

Das Abwarten gehört für UX-Designer Johannes inzwischen zum Umgang mit KI dazu. Er hat sich die Geduld antrainiert. Mit Kolleginnen und Kollegen spricht er über Neuigkeiten. Für ihn ergibt sich dann ein vollständigeres Bild und eine Vorstellung davon, was sich AI-mäßig vielleicht durchsetzt und was eher nicht.

"Ich muss nicht die Person sein, die alles am ersten Tag ausprobiert. In der Regel reicht es auch, wenn man mit ein bisschen Abstand dabei ist."
Johannes, über seinen Umgang mit KI im Job

Johannes tut also bereits das, was der Organisationspsychologe und Wirtschaftswissenschaftler Roman Briker empfiehlt: "Mein genereller Tipp wäre, sich weniger mit anderen Leuten vergleichen, sondern mit anderen Leuten reden."

Um einen konstruktiven Umgang mit KI bei der Arbeit zu finden, können die folgenden drei Schritten hilfreich sein, sagt er.

  1. Reality-Check (Frage: Ist die Job-Angst begründet?)
  2. Unsicherheit ist okay, Angst und Panik sind ein schlechter Begleiter.
  3. Proaktive Haltung einnehmen (Frage: Wie stelle ich mich besser auf?)

Ganz allgemein lassen sich physische Arbeiten eher nicht durch KI ersetzen, ist Roman Briker überzeugt. Das gelte auch für Arbeit, die Präsenz erfordere. Und grundsätzlich empfiehlt er, die berufliche Expertise persönlich möglichst zu steigern: "Also wirklich in die Tiefe gehen, wirklich die Expertin, der Experte zu werden."