InfektionenDas Flugzeugklo als Radar für Superbakterien
Eine Flugzeugtoilette ist mehr als ein stilles Örtchen in der Luft – es ist quasi wie ein Liveticker für die Verbreitung von Krankheitserregern. Das wollen Forschende jetzt nutzen.
Unsere Hinterlassenschaften verraten einiges über uns und wie wir leben: Medikamente, Drogen, Krankheitserreger – das alles lässt sich über das Abwasser analysieren. In der Corona-Pandmie zum Beispiel konnte über das Abwasser der Städte verfolgt werden, wie stark und wo sich das Virus ausbreitet.
Neue Funktion der Flugzeugtoilette
Besonders, was die Verbreitung von Krankheitserregern betrifft, nehmen Forschende jetzt einen speziellen Ort unter die Lupe: die Flugzeugtoilette. Dabei geht es ihnen darum, Spuren von gefährlichen, resistenten Bakterien im Flugzeug-Abwasser zu finden.
Diese Bakterien sind auch als Krankenhauskeime oder "Super-Bugs" bekannt. Sie sind deshalb so gefährlich, weil es sich dabei um Bakterien handelt, gegen die keine oder kaum noch Antibiotika helfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass mehr als eine Million Menschen jedes Jahr durch solche Keime sterben. In dem Zusammenhang wird auch von einer stillen Pandemie gesprochen.
Die Keime in unserem Urin
Ein Weg, dass sich die resistenten Keime verbreiten, sind Flugreisen. Wie stark, hat ein Team unter der Leitung der australischen Wissenschaftsbehörde (CSIRO) jetzt in einer Studie untersucht. Dafür haben die Forschenden Proben aus den Abwasser-Tanks von 44 internationalen Flügen ausgewertet. Diese Flüge sind aus neun verschiedenen Ländern in Australien angekommen. Dem Team ging es bei ihrer Analyse um Genspuren von Krankheitserregern, die als besonders relevant eingestuft werden.
Das Ergebnis: Die Forschenden haben in allen Proben Hinweise auf die Superbakterien gefunden. In 17 Proben der 44 Flüge konnten sie auch Erreger finden, die gegen sogenannte Reserveantibiotika resistent sind. Das sind spezielle Antibiotika, die bei Infektionen eingesetzt werden, bei denen die Bakterien auf die gängigen Antibiotika nicht mehr reagieren.
Unterschiedlicher Antibiotika-Einsatz
In der Studie zeigte sich zudem, dass es einen Unterschied machte, was das Start-Land der Flüge war. Besonders in Proben von Flügen aus Indien und auch anderen asiatischen Ländern waren die Konzentrationen von Resistenzgenen höher als aus den Abwasser-Proben mit europäischen Start-Ländern. "Das könnte auf Unterschiede beim Antibiotika-Einsatz und andere Unterschiede in den Ländern zurückgehen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jan Bungartz.
Insgesamt verdeutliche die Studie laut der Autor*innen, dass eine systematische Überwachung von Flugzeugabwässern in Zukunft möglich sei, um so Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.