KrisenzeitenTrotzdem Urlaub machen?
Der Irankrieg treibt die Spritpreise in die Höhe, die Inflation steigt und je nach Sicherheitslage und Urlaubsort ist ungewiss, wie man wieder nach Hause kommt. Manche Orte fallen ganz aus der Planung raus. Viele Frühbucher warten ab – zurecht.
Die Deutschen fahren gerne in den Urlaub. Eigentlich. Denn zurzeit sind die Menschen bei der Buchung zurückhaltend, beobachtet nicht nur der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Ob tatsächlich weniger gereist wird, lässt sich vermutlich erst am Jahresende genau sagen.
Aber "wir sind so ein Völkchen von Frühbuchern geworden – und jetzt sehen wir, dass es nicht mehr so ist", stellt er fest. Und aktuelle Zahlen schienen das zu bestätigen: Laut einer Studie des Reisemarktforschers TDA, über die die FAZ berichtet, sind in der zweiten Märzwoche im Vergleich zum Vorjahr die Buchungen um 16 Prozent eingebrochen.
"Es gibt viele Ziele, die wegfallen, weil sie in den Krisenregionen liegen."
Diese Zurückhaltung beim Buchen hänge viel mit der Unsicherheit wegen des Irankriegs zusammen, aber auch mit den hohen Preisen: "Die sind massiv gestiegen, weil unter anderem Flugbenzin viel teurer geworden ist", erklärt der Wirtschaftsjournalist.
Rückgang bei Reisebuchungen
Wenn überhaupt jetzt gebucht werde, dann möglichst weit weg von den Krisenregionen. Zum Beispiel die spanischen Inseln seien gerade sehr beliebt. Reisen dorthin sind - wenig überraschend - innerhalb weniger Wochen um bis zu 40 Prozent teurer geworden, erzählt Nicolas.
Außerdem werden die deutschen Reiseziele an der Nord- und Ostsee stark nachgefragt, berichtet Nicolas Lieven. Doch auch in diesen Gegenden haben die Preise angezogen, auf Rügen sei es bis zu 50 Prozent teurer.
"Viele bleiben aus moralischen Gründen zu Hause. Aber viele können sich es auch einfach nicht mehr leisten."
Wer trotz alledem verreisen möchte, sollte sich vorher auf der Seite des Auswärtigen Amtes informieren. Dort sind derzeit 52 Staaten aufgelistet, für die es Reisewarnungen gibt – "also ungefähr jedes vierte Land", sagt Nicolas Lieven.
Haupttreiber ist das Flugbenzin, dessen Preis sich seit Beginn des Irankriegs ungefähr verdoppelt hat. Der Grund: Europa bezieht ungefähr 40 Prozent seines Bedarfs an Kerosin aus der Golfregion, erklärt der Wirtschaftsjournalist.
Flugbenzin wegen Irankriegs doppelt so teuer
Deshalb verlangten nun einige Fluggesellschaften Zuschläge. Andere beließen stattdessen Flugzeuge am Boden, weil es sich nicht mehr lohne, bestimmte Strecken zu bedienen.
Hinzu kommt, so Nicoalas, dass bestimmte Drehkreuze für Flugrouten in der Golfregion wegen des Kriegs nicht angeflogen werden können. Somit müssen Flüge nach Asien statt über Dubai oder Abu Dhabi über Indien umgeleitet werden.
Diese Umwege machen die Flüge zusätzlich teurer, obwohl sich große Fluggesellschaften gegen steigende Preise abgesichert haben. "Aber nicht vollständig", sagt Nicolas Lieven – mit Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent bei Flugtickets müsse gerechnet werden.
Urlaubsbuchungen können sich nachträglich verteuern
Wer schon vor Monaten gebucht hatte und denkt, an dem Preis ändere sich nichts, hat sich leider auch getäuscht: "Eine Reise kann nachträglich teurer werden", sagt der Wirtschaftsjournalist. Gründe dafür können sein:
- gestiegene Steuern
- gestiegene Tourismusabgaben
- ungünstige Wechselkurse
- gestiegene Treibstoffkosten.
Die Kostensteigerung muss laut Gesetz unerwartet sein. Das wäre bei Krieg der Fall. Und sie muss 20 Tage vor Reiseantritt angekündigt sein. Pauschalreisen können sich so bis zu acht Prozent vertuern. Am besten lest ihr euch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor Buchung durch, dort muss eine Preiserhöhungsklausel festgehalten sein.
Preise bleiben hoch
So schnell wird sich an all dem auch nicht ändern: "Wir müssen uns dauerhaft auf höhere Preise einstellen", sagt Nicolas Lieven. Selbst wenn sich die Lage in den kommenden Wochen wieder normalisiere, werde es Jahre dauern, bis die Strukturen wieder aufgebaut seien.
Wer trotz alledem reisen will, dem rät er, einen sogenannten Flex-Tarif zu buchen. Der ist zwar teurer, dabei hat man aber das Recht, von der Reise zurückzutreten.
"Wegen Klima würde ich selbst ehrlich gesagt zurzeit doch eher zu Hause oder in Deutschland bleiben."
Und Nicolas selbst? Wegen der angespannten Weltlage, aber auch wegen der Klimakrise, bleibt er eher zu Hause oder macht in Deutschland Urlaub. Reisen in Richtung Asien oder Golfregion hält er persönlich derzeit für moralisch fragwürdig und extrem unsicher.