Künstliche IntelligenzWenn wir Maschinen wie Menschen behandeln
Wir neigen dazu, Robotern und künstlicher Intelligenz menschliche Gefühle zuzuschreiben. Was macht das mit uns? Ein Vortrag des Psychiaters Thomas Fuchs.
Ein Rasenmäher-Roboter, der auf einer Computermesse vergeblich nach einer Ladestation für seinen fast leeren Akku sucht, erzeugt in vielen von uns das Gefühl von Mitleid. Dabei kann die Maschine ja gar nichts fühlen. Wie ist das mit moderner künstlicher Intelligenz?
"Wir beleben Systeme, die letztlich nur aus toten Schaltkreisen bestehen, und machen sie zu unseren Beratern, Mentoren, Therapeuten – ja, Partnern."
Künstliche Intelligenz kann nichts fühlen und wird dies auch in Zukunft nicht können, sagt Thomas Fuchs. Er ist Psychiater am Universitätsklinikum Heidelberg und er hat die Karl-Jaspers-Professur für Philosophie und Psychiatrie inne. Bewusstsein haben Menschen und Tiere nur, weil sie körperlich etwas erleben können, erklärt der Psychiater. Gefühle zu empfinden, die Umwelt wahrzunehmen und dann auch über den eigenen Zustand nachzudenken, sei etwas, das nur biologische Wesen könnten.
"Ein auf Freundschaft oder Liebe programmierter Partner-Bot wird mich nie zurückweisen, entwerten, verlassen oder sterben. Ich behalte die vollständige Kontrolle, ohne ein Risiko einzugehen."
Emotionale Abhängigkeit von KI-Systemen
Auch wenn KI-Systeme unsere Gefühle nicht erwidern können, machen wir sie zu unseren Vertrauten. Die einfühlsame Beratung eines Therapie-Bots oder die netten Komplimente der KI-App – KI-Systeme sind darauf programmiert uns ein gutes Gefühl zu geben. Das birgt die Gefahr, dass wir verlernen, mit echten Menschen umzugehen, sagt Thomas Fuchs.
"Werden wir uns dieser Simulation, dieser Illusion immer mehr hingeben? Wird uns dann der Umgang mit realen Menschen immer schwerer fallen?"
Thomas Fuchs ist Psychiater und Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg und er hat die Karl-Jaspers-Professur für Philosophie und Psychiatrie inne. Seinen Vortrag "Digitaler Animismus: Unser Umgang mit künstlichen Agenten" hat er im Rahmen der Ruperto-Carola-Ringvorlesung "Mensch und Algorithmus – wem gehört die Zukunft?" an der Uni Heidelberg gehalten.
Hörtipp
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