#LooksmaxxingWenn die Jawline wichtiger wird als die Gesundheit

Unter dem Hashtag Looksmaxxing propagieren Influencer die maximale Selbstoptimierung von Körper und Aussehen. Angesprochen werden damit vor allem jungen Männer. Ein fragwürdiger Trend, der potentiell gefährlich werden kann.

Ein paar Klicks auf Fitness-, Hautpflege- oder Glow-up-Videos auf Social Media und plötzlich ist der Feed voller Looksmaxxing-Tipps, um als Mann ein bestimmtes, markantes Aussehen zu bekommen, dass als erstrebenswertes Schönheitsideal verkauft wird.

"Beim Mewing drückt man die Zunge an den Gaumen in der Hoffnung, dass sich die Kieferform dadurch dauerhaft ändert. Wissenschaftlich ist das nicht belegt."
Carina Schroeder, Deutschlandfunk Nova

Das beginnt oft mit sogenanntem Softmaxxing: Hautpflege, Fitness oder Mewing. Hier wird die Zunge dauerhaft an den Gaumen gedrückt, um angeblich die Jawline, also die Kieferform zu verändern. Wissenschaftlich belegt ist das nicht.

Looksmaxxing: Steroide, Chrystal Meth, Knochen hämmern und mehr

Besonders problematisch wird es beim sogenannten Hardmaxxing. Influencer wie Clavicula, einer der bekanntesten Köpfe der Szene, propagieren teils extreme Methoden: von Steroiden für mehr Muskeln über Crystal Meth als Appetitzügler bis hin zum sogenannten Bone Smashing, bei dem der Kieferknochen mit einem Hammer bearbeitet wird, um die Gesichtskonturen markanter wirken zu lassen.

"Experten sagen, diese Videos können zu Selbstzweifeln, sozialem Rückzug bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken führen."
Carina Schroeder, Deutschlandfunk Nova

Gerade erst ging ein Livestream von Clavicular viral. Vor laufender Kamera spritzte er sich eine Überdosis einer unbekannten Substanz und kollabierte wenig später. Was genau er genommen hat, ist bis heute unklar. Nach seinem Krankenhausaufenthalt erklärte er, künftig auf alle Substanzen verzichten zu wollen.

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Fachleute warnen: Der Looksmaxxing-Trend kann nicht nur dem Körper schaden, sondern auch der Psyche – von Selbstzweifel und sozialem Rückzug ist die Rede bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken.

Looksmaxxing Teil der Manosphere

Seinen Ursprung hat der fragwürdige Trend in den 2010er-Jahren in sogenannten Incel-Foren – Online-Communitys von Männern, die sich als unfreiwillig enthaltsam bezeichnen. Dort kursiert die Vorstellung, Erfolg bei Frauen hänge vor allem vom Aussehen ab.

Als Ideal gilt der sogenannte Chad: ein attraktiver dominanter und selbstbewusster Mann. Wer diesem Bild nicht entspricht, solle sein Aussehen gezielt optimieren, um als Alpha-Mann erfolgreicher zu werden. Der Trend ist damit auch Teil der antifeministischen Manosphere (auch Mannosphäre).

Zwischen Alpha-Ideal und Frauenhass

Zur Manosphere zählt auch Andrew Tate, der mit frauenfeindlichen Aussagen immer wieder Kritik auslöst. Teile der Looksmaxxing- und Incel-Szene überschneiden sich zudem mit rechtem Gedankengut – geprägt von einem hierarchischen Weltbild, in dem manche Männer und Frauen als überlegen oder unterlegen gelten.

Forschende warnen, dass Nutzer über solche Inhalte schrittweise mit rechtsextremen oder antifeministischen Ideologien in Kontakt kommen und sich sogar radikalisieren können.

"Teile der Looksmaxxing- und Incel-Szene überschneiden sich auch noch mit rechtem Gedankengut - vor allem durch ihr hierarchische Weltbild."
Carina Schroeder, Deutschlandfunk Nova

Besonders anfällig sind junge Männer, die online nach Tipps zu Fitness, Dating oder Erfolg suchen – genau dort setzen viele Inhalte der Manosphere und auch Looksmaxxing-Videos an. Wichtig ist aber: Nicht alle, die über Aussehen oder Training posten, gehören zu der Looksmaxxing-Szene. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuschauen, welchen Vorbildern man seine Aufmerksamkeit schenkt.

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