Midterms in den USAEntscheidet Geld die Wahl?

Milliardäre, Konzerne und Organisationen: Sie alle greifen tief in die Tasche und unterstützen ihre jeweiligen Favoriten bei den Midterms. Warum ist der US-Wahlkampf so teuer – und was kann man sich mit Geld eigentlich kaufen?

Es ist Wahlkampf in den USA. Am 3. November 2026 wird ein Teil der Abgeordneten im Senat und ein neues Repräsentantenhaus gewählt. Dabei sind die Zwischenwahlen in den USA stets auch eine Abstimmung über die Arbeit des amtierenden US-Präsidenten. Sie finden etwa zur Halbzeit jeder Präsidentschaft statt – midterm eben.

Trump im Umfragetief

Aktuell sind die Zustimmungswerte für Donald Trump in der amerikanischen Bevölkerung gering (Stand 02.10.2026). Seine Republikaner könnten die Mehrheit in beiden Parlamentskammern verlieren.

Schätzungsweise bis zu einem Drittel der Stimmen könnten bereits vor dem 3. November per Briefwahl und durch vorzeitige Stimmabgabe eingehen. Unser Bild zeigt einen Wähler am 25. September 2026 im DuPage Event Center and Fairgrounds in Wheaton, Illinois.

"Es gibt große Transparenz, aber nicht bis in jeden Winkel. Es gibt schon auch so etwas wie Dark Money in diesem Wahlkampf."
Jasper Barenberg, für Deutschlandfunk Nova in Washington D.C.

Der Midterm-Wahlkampf wird voraussichtlich der teuerste aller Zeiten – bis zur nächsten US-Wahl, sagt Jasper Barenberg, der für Deutschlandfunk Nova aus Washington D.C. berichtet. "Das ist eine Entwicklung, die seit Jahren schon in diese Richtung läuft und die jedes Mal neue Rekorde erreicht."

Geldspende als politische Investition

Allein die 50 größten Spender, die Megadonors, spenden 1,8 Milliarden Dollar (Stand: Anfang Oktober 2026).

Doch auch wenn mit einer Geldspende die Präferenz in einer politischen Sachfrage verbunden ist, wird eine Entscheidung damit nicht unmittelbar erkauft, sagt Jasper Barenberg. Er versteht es als eine Art Übereinstimmung von politischen Zielen: "Wer zum Beispiel auf fossile Energieträger setzt, der hat eben Donald Trump unterstützt."

"Das ist kein ökonomisches Investment, das ist so etwas eben wie eine politische Investition."
Jasper Barenberg, für Deutschlandfunk Nova in Washington D.C.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jan Dahlmann hat sich die gesetzlichen Regelungen für Parteispenden in den USA und ihre Gestaltung durch Gerichtsurteile in den vergangenen Jahren genauer angesehen.

"Wenn eine Einzelperson an einen Kandidaten oder an eine Kandidatin spenden will, dann darf er offiziell nur 3.500 Dollar spenden pro Wahl und Kandidat."
Jan Dahlmann, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Einzelspenden spielen für die reine Menge des Wahlkampfgeldes keine entscheidende Rolle. Der Milliardär Elon Musk spendete 2024 für den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump rund 277 Millionen US‑Dollar. Bei den Midterms beabsichtigt er offenbar, mindestens 100 Millionen US-Dollar auszugeben.

Millionen für die Super-PACs

Das Geld fließt dann über sogenannte Super Political Action Committees – kurz Super-PACs – in den Wahlkampf, erklärt Jan Dahlmann. Die Super-PACs müssen auf dem Papier unabhängig sein, sie spenden also nicht direkt an einen Kandidaten oder für eine Kampagne, also den Wahlkampf einer Partei.

Stattdessen machen sie "quasi unabhängig Wahlwerbung für oder gegen einen Kandidaten, also unabhängig von der eigentlichen Wahlkampagne", erklärt Jan Dahlmann.

Auf dem Papier machen Super-PACs unabhängig Wahlwerbung

Ein weiterer Vorteil: Bei Spenden von Non-Profit-Organisationen an Super-PACs muss die genaue Herkunft des Geldes nicht deklariert werden. So spendet beispielsweise Elon Musk zehn Millionen Dollar an die Non-Profit-Organisation One Nation – und die spendet dann an den Super-PAC "Senate Leadership Fund". Großspender gibt es natürlich auch bei den amerikanischen Demokraten.

Durch zwei Gerichtsurteile des Obersten Gerichtshofes der USA aus dem Jahr 2010 sind sowohl die Einnahmen – also die Höhe der Wahlkampfspenden – als auch die Höhe der Ausgaben der Super-PACs unbegrenzt. "Seitdem erleben wir, dass sich diese Wahlkampfspenden immer mehr steigern", erklärt Jan Dahlmann.

"Durch ein Urteil des Supreme Courts von 2010 können Super-PACs quasi unendlich viel Geld sammeln und ausgeben – für Wahlwerbung zum Beispiel."
Jan Dahlmann, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Spenderinnen und Spender können spenden, so viel sie wollen. Abgeordnete aussuchen können sie sich aber auch in den USA nicht, sagt Jasper Barenberg: "Es sind 250 Millionen Wahlberechtigte in den USA und die Stimme von jedem dieser Menschen hat das gleiche Gewicht wie die Stimme von George Soros." George Soros ist ein US-amerikanischer Multimilliardär.

"Die Macht liegt doch – das ist meine Überzeugung – am Ende eben bei den Wählerinnen und Wählern."
Jasper Barenberg, für Deutschlandfunk Nova in Washington D.C.