Modschtaba ChameneiVom Phantom zum Iran-Führer

Bislang war er ein einflussreicher Hardliner im Hintergrund. Jetzt ist Modschtaba Chamenei der neue oberste Führer des Iran, als Nachfolger seines Vaters. Was bedeutet seine Ernennung für den Krieg mit den USA und Israel – und was für das Land?

Fotos gibt es von ihm, Videos nicht: Modschtaba Chamenei ist als Nachfolger seines Vaters zum Obersten Führer des Iran ernannt worden. Das hat der sogenannte Expertenrat am 08.03.2026 bekannt gegeben.

Der zweitälteste Sohn Ali Chameneis wird bereits seit Längerem als Phantom bezeichnet, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes und erklärt: "Also einer, der bis jetzt praktisch nur im Verborgenen aktiv war und gearbeitet hat – für das Regime."

Ein Netzwerker in Iran

Im Endeffekt seien bereits zuvor viele politische Entscheidungen im Iran über Modschtaba Chamenei gelaufen. Mit den mächtigen Revolutionsgarden soll er gut vernetzt sein. Und aufgrund von Ölverkäufen hat er es zu einem erheblichen privaten Vermögen gebracht, das in einem Finanznetzwerk im Ausland verwaltet wird.

Konkret soll er in die Politik bei der Präsidentenwahl 2005 eingegriffen haben. Modschtaba Chamenei wurde persönlich vorgeworfen, die Wahl manipuliert zu haben, um seinen Wunschkandidaten – Mahmoud Ahmadinejad – ins Amt zu bringen – einen absolut ideologisch gefestigten Hardliner, wie er selbst einer ist, sagt Matthis Dierkes.

"Bei der Wiederwahl dieses Kandidaten 2009 gab es Proteste im Iran, die das Regime dann brutal niedergeschlagen hat."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Modschtaba Chamenei soll später im Kontext der Proteste gegen Mahmoud Ahmadinejad gesagt haben: "Wir sind sehr milde mit den Demonstrierenden umgegangen. Eigentlich müsste man sie auf der Straße verbrennen."

Religiös unterqualifiziert

Zwei Eigenschaften galten lange als Hindernis für den Aufstieg Modschtaba Chameneis zum obersten iranischen Führer: sein niedriger Rang in der religiösen Hierarchie und tatsächlich auch die Tatsache, dass er Sohn des bisherigen obersten Führers ist.

"Eine Nachfolge, Sohn-folgt-auf-Vater, wollte man eigentlich nicht haben, weil man sich von der Schah-Monarchie abgrenzen wollte, die in der Revolution gestürzt wurde", erklärt Matthis Dierkes.

"Das Regime wollte nach außen signalisieren: Ihr werdet nicht entscheiden, was wir in diesem Land machen."

Die Chance auf einen demokratischen Übergang im Iran, ist mit der Entscheidung für Modschtaba Chameneis nicht größer geworden, findet Iran-Expertin Diba Mirzaei. Sie arbeitet für das German Institute for Global and Area Studies und versteht die Personalie auch als Trotzreaktion: "Wir haben es geschafft, einen Nachfolger zu benennen, und schaffen damit Stabilität und Sicherheit." Folglich sei er bereits von Israelis und den USA zum Abschuss freigegeben worden.

Und was ist mit der protestierenden Bevölkerung außerhalb der Machtelite? "Für die Protestbewegung hätte auch eine andere Wahl nichts Gutes bedeutet", sagt sie.

Die Gesamtlage im Irankrieg sei nun vor allem davon bestimmt, dass die Trump-Administration den Krieg rasch beenden, und dass das Regime im Iran überleben und weiter bestehen wolle.

"Ich glaube, alle Seiten sind deutlich pragmatischer, als wir denken."

Unser Bild zeigt eine verschleierte Iranerin. Sie lehnt sich während einer Jubeldemonstration für Mojtaba Khamenei Anfang März 2026 an die Jalousie eines Geschäfts in Teheran. Ihr Gesicht wird von einem Porträtposter des neuen Machthabers verborgen.