Artemis IINach über 50 Jahren: Menschen wieder auf dem Weg zum Mond
Anfang Februar soll die Artemis-II-Mission Richtung Mond starten. Die Astronauten werden zwar noch keinen Fuß auf den Erdtrabanten setzen, ihn aber umkreisen. Allein das ist schon eine Herausforderung, erklärt Wissenschaftsjournalist Michael Büker.
Das Artemis-II-Projekt ist eine Riesensache. Zum ersten Mal wird die Schwerlastrakete SLS Menschen transportieren und für das Orion-Raumschiff ist es auch eine Premiere. Damit können erstmals seit 1972 Menschen wieder den Mond umkreisen. Das bedeutet, sie verlassen die Erdumlaufbahn.
400.000 Kilometer weit weg von zu Hause
Das Orion-Raumschiff sitzt an der Spitze der Rakete und trennt sich vom Rest, bevor es durch das All zum Mond fliegt. Getestet wurde das früher mit Raumschiffen ohne Menschen, aber es kann immer Überraschungen geben, sagt Michael Büker. Sollte etwas schiefgehen, dann ist eine Rückkehr schwieriger und langwieriger als von der Internationalen Raumstation. Diese umkreist die Erde in einer Höhe von 400 Kilometern – die Entfernung zum Mond dagegen beträgt fast 400.000 Kilometer.
Die Crew der Artemis-II-Mission besteht aus vier Raumfahrenden: eine Frau und zwei Männer aus den USA und ein Astronaut aus Kanada. Die drei NASA-Astronaut*innen sind sehr erfahren, sagt Michael Büker. Für den Kanadier ist es der erste Flug ins All – und er wäre der erste nicht US-Amerikaner, der die Erdumlaufbahn verlässt.
"Für den Kanadier wird es dagegen der erste Flug ins All sein und er wäre auch der erste Mensch überhaupt, der nicht aus den USA kommt und die Erdumlaufbahn verlässt."
Später sollen bei dem Artemis-Programm auch Raumfahrende aus anderen Ländern wie Japan oder Europa mitfliegen. Doch erst muss dieser Flug glücken.
Das Zeitfenster für den Start wurde auf den 8. Februar verschoben, weil der Kälteeinbruch in den USA große Probleme für die Technik und Hardware verursacht.
"So ein Raumflug ist eine wahnsinnig komplizierte und gefährliche Unternehmung. Da müssen unzählige Dinge ganz präzise zusammenspielen, damit es tatsächlich losgehen kann."
Neben dem Wetter müssen noch viele andere Dinge perfekt passen. So müssen auch die Rakete, das Raumschiff und die Besatzung alle Voraussetzungen präzise erfüllen. Die Technik muss gründlich getestet sein, das Raumschiff durchläuft gerade die letzten Checks, erklärt Michael Büker. Aber auch die Stellung der Himmelskörper zueinander muss passen – und das könnte alles am 8. Februar eintreten. Bis dahin ist die Crew in medizinischer Quarantäne, die ihr Training komplett durchlaufen hat.
Optimale Flugbahn um den Mond herum und wieder zurück
Das Startfenster orientiert sich an der optimalen Stellung von Erde, Mond und der Raketenbasis in Florida, damit der kalkulierte Zeitplan für den Flug gelingen kann und der Treibstoff dafür ausreicht. Die Flugbahn der Artemis II ist so berechnet, dass der Rückflug zur Erde fast automatisch gelingt. Dafür wird das Raumschiff Richtung Mond beschleunigt, es fliegt dann eine weite Kurve um den Mond herum und wird dann dank der Schwerkraft des Mondes Richtung Erde gelenkt.
"Das soll sicherstellen, dass die Crew auf diesem Flug nicht beim Mond festhängen könnte, falls mit den Triebwerken etwas schief ginge."
Bis zu einer Mondlandung muss noch viel entwickelt, gebaut und getestet werden wie ein Raumschiff, an das die Orion-Kapsel andockt und das auf dem Mond landen kann, beschreibt Michael Büker die Herausforderungen. Dafür ist Starship von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX vorgesehen, doch dessen Entwicklung verzögert sich immer weiter, erklärt Michael Büker.
In einigen Jahren soll auch die Raumstation "Gateway" in der Umlaufbahn des Mondes als "eine Art Umsteigebahnhof in der Nähe des Mondes" eingerichtet werden. "Aber vieles von der nötigen Technik steckt auch noch in den Kinderschuhen", sagt der Wissenschaftsjournalist.
Warum konnten die Menschen 1969 einfach auf dem Mond landen?
Aus heutiger Sicht fragen wir uns, wie es den Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin gelingen konnte, als erste Menschen einen Fuß auf den Mond zu setzen. Könnte man die Pläne von damals nicht einfach auf die heutige Technik anpassen?
Aber Michael Büker warnt: "Die Mondflüge vor über 50 Jahren waren viel lebensgefährlicher als alles, was die Raumfahrt heute macht." Damals sind im Apollo-Programm drei Astronauten gestorben und es kam "zu beinahe Unglücken wie der Explosion an Bord von Apollo 13". Die Geräte von damals nachzubauen wäre technisch unmöglich, denn viele Elektronikteile und Materialien werden heute nicht mehr hergestellt, erklärt der Wissenschaftsjournalist. Außerdem sind viele Pläne und Dokumente von damals verschollen und nur noch wenige verantwortliche Zeitzeugen am Leben.