MünchenWas Olympia im eigenen Land bewirken könnte
Die bayerische Hauptstadt geht ins Rennen um die Sommerspiele. Para-Schwimmer Josia Topf freut sich über diese Chance – auch für den Para-Sport insgesamt. Was bedeutet die Bewerbung für die Stadt, die Region und vielleicht auch für die ganze Nation?
91 Stimmen für München und nur 50 Stimmen für die Region Köln-Rhein-Ruhr: So hat die außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am 26.09.2026 in Baden-Baden entschieden. Berlin und Hamburg standen nicht mehr zur Wahl. München wird sich also als für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben.
"München hat Schloss Nymphenburg zum Reiten, die Theresienwiese für Beachvolleyball. Das will das IOC, diese schönen Traumbilder."
"Ich finde NRW auch cool, aber München ist als Stadt einfach ein bisschen repräsentativer", findet Sabine Lerche. Sie arbeitet in der Sportredaktion des Deutschlandfunks. Sport und schicke Stadt ließen sich in München räumlich recht konzentriert verbinden: "Das war das Hauptargument von München: Wir sind One Village, also dieses Prinzip von der kompakten Olympiastadt."
Die Region München hofft auf Geld
Mit den Olympischen Spielen, die zwar nur einige Wochen dauern, bei denen aber im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt zu Gast ist, verbinde sich stets die Hoffnung auf einen spürbaren und bleibenden Mehrwert für die Stadt und die Region, sagt Sabine Lerche. Vor allem, was Neubauten und Stadtbild angeht.
Auch der Breitensport hofft natürlich, von einer solchen Großveranstaltung zu profitieren. Die möglichen Austragungsorte rechnen sich außerdem Chancen auf Fördergelder aus dem jeweiligen Bundesland und vom Bund aus.
Vor diesen erhofften Mehrwerten stehen allerdings zunächst hohe Ausgaben: Sabine Lerche weist auf die große Spanne bei der Kalkulation der Kosten hin. Im Sommer 2026 sei noch von 18 Milliarden Euro die Rede gewesen – direkt auf der Pressekonferenz nach dem Entscheid für München dann von 10 Milliarden.
Paralympics gehören dazu
Die Befürworter der Spiele möchten die Kosten für Infrastrukturmaßnahmen von den sogenannten Durchführungskosten trennen. Die Gesamtkosten der Spiele zu beziffern, sei äußerst schwierig, sagt Sabine Lerche. Sie weist darauf hin, dass die Sommerspiele in Paris zunächst mit 2,5 Milliarden Euro angesetzt gewesen seien. Nach den Spielen in der französischen Hauptstadt lägen die Schätzungen zwischen 4 und 6,5 Milliarden Euro.
Auch wenn er als aktiver Sportler wohl nicht mehr an Olympischen Sommerspielen in München würde teilnehmen können: Josia Topf freut sich, dass die bayerische Hauptstadt eine Runde weiter ist – auch deswegen, weil der Para-Sport hier grundsätzlich dazugehörte. Josia Topf sagt: "In München hat man von vornherein über die Spiele geredet und da gehörten auch immer die Paralympics dazu."
Bei den Paralympischen Spielen in Paris habe er förmlich einen Push durch die Stadtgesellschaft gespürt, erzählt Josia Topf.
"Jeder Platz war voll. Das war gigantisch. Da hat sich auch was in der Gesellschaft zugunsten des Parasports, zugunsten von Menschen mit Behinderung verändert."
München hat eine reale Chance, findet Sabine Lerche. Sie sagt: "Ich könnte mir vorstellen, dass sich das IOC in den Jahren 2040 oder 44 nochmal für Europa entscheidet." Andererseits brauche das Internationale Olympische Kommittee neue Märkte. "Man muss auch Geld verdienen", sagt Sabine Lerche. Außer Deutschland (München) haben bisher auch Katar, Indien, Chile, die Türkei und Südafrika ihr Interesse angekündigt.