Nach dem BebenWer hilft Venezuela jetzt?

Ein schweres Erdbeben trifft Venezuela – ein Land, das schon vorher mit Armut und Krisen kämpft. Wie läuft jetzt internationale Hilfe an? Und warum entscheidet die Situation vor einer Katastrophe darüber, wie schlimm die Folgen werden?

Zwei schwere Erdbeben haben Venezuela erschüttert. Die Beben haben mindestens 235 Menschen das Leben gekostet. Mindestens 4.500 Menschen wurden verletzt (Stand 25.06.2026). Die Erdstöße gehörten zu den schwersten in Venezuela seit gut einem Jahrhundert. Sie waren in weiten Teilen der Region zu spüren.

Nothilfe nach dem Beben

"Es war am Anfang direkt große Panik. Es waren sehr starke Erdstöße, also 7,2, 7,5 auf der Richterskala", sagt Jonas Brenner. Er arbeitet für Caritas International in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá.

Jetzt gehe es um Such- und Rettungsmaßnahmen. Er zählt auf: Notunterkünfte, Hygieneartikel, Lebensmittelhilfen, Trinkwasser, Gesundheitsversorgung und Traumaarbeit. Das große Problem: Auf eine Katastrophe wie das Erdbeben sei das Gesundheitssystem in Venezuela nicht vorbereitet.

Ansteigende Opferzahl

Die Behörden befürchten Tausende Todesopfer. Und tatsächlich wird die Zahl der Betroffenen noch zunehmen, bestätigt Tobias Lambert. Der Journalist und Autor ist auf Südamerika und insbesondere auf Venezuela spezialisiert und tauscht sich mit Bekannten im Land über die Lage aus.

"Das ist immer bei Naturkatastrophen so, dass erste Berichte über Tote und Verletzte zunächst vergleichsweise niedrig liegen und im Laufe der Zeit ansteigen."
Tobias Lambert, Journalist und Autor, Experte für Venezuela

Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Toten und Verletzten weiter steigt, da Tausende Menschen als vermisst gelten (Stand 25.06.2026).

"Das Erdbeben hat einen großen Teil des Landes betroffen. Neben Caracas vor allem den Bundesstaat La Guaira, der an der Küste liegt."
Tobias Lambert, Journalist und Autor, Experte für Venezuela

Nach einem US-amerikanischen Militäreinsatz gegen den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro im Januar 2026 regiert Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Seitdem habe die US-Regierung direkten Einfluss auf die venezolanische Regierung.

Die Übergangspräsidentin konzentriere sich bislang darauf, US-Konzernen leichteren Zugang zu den Rohstoffen des Landes zu verschaffen. "Dabei geht es vor allem um wirtschaftliche Reformen. Es wurden das Erdölgesetz, das Bergbaugesetz und das Elektrizitätsgesetz reformiert", erklärt Tobias Lambert.

"Prinzipiell ist das Vertrauen in die Übergangsregierung in der Gesellschaft nicht sonderlich hoch."
Tobias Lambert, Journalist und Autor, Experte für Venezuela

Die Gesellschaft vertraut dieser Übergangsregierung eher wenig. Dennoch geht Tobias Lambert davon aus, dass viele Leute dem Staat zutrauen, mit der Naturkatastrophe umzugehen und internationale Unterstützung zu koordinieren.

Ein Problem sei, dass die soziale Infrastruktur in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren wurde. "Doch ich denke, dass jetzt relativ schnell Hilfe von außen koordiniert wird."