Péter MagyarWird in Ungarn jetzt alles besser?
Ungarn hat einen neuen Regierungschef: Der konservative Péter Magyar löst den Rechtspopulisten Viktor Orbán ab. Er verspricht mehr Demokratie, mehr EU und weniger Russlandnähe. Der 20-jährige Benjamin erzählt, was er sich für sein Heimatland wünscht.
Mit der ungarischen Flagge in der Hand läuft Péter Magyar durch die jubelnde Menge am Donauufer in Budapest. Im Hintergrund ist das beleuchtete Parlamentsgebäude zu sehen. Eine spektakuläre Kulisse für Péter Magyar, der an diesem Sonntag (12.04.2026) zum neuen ungarischen Regierungschef gewählt wurde. Es ist auch der Beginn einer neuen politischen Ära, denn Magyars Wahlsieg bedeutet, dass die Regierung von Viktor Orbán nach 16 Jahren abgewählt wurde.
Péter Magyar steht für ein Ungarn ohne Orbán
Und der Sieg ist eindeutig: Magyar und seine Tisza-Partei holen 138 von 199 Sitzen im Parlament. Damit sichern sie sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Orbáns Partei Fidesz stürzt auf 55 Sitze ab. Viele Ungarn feiern auf den Straßen.
"Einfach nur pure Freude. Mir sind die Tränen gekommen. Das ist fast schon wie beim Mauerfall"
Benjamin Kis feiert in Regensburg. Der 20-Jährige ist in Ungarn geboren und hat die Wahl gemeinsam mit seinem Bruder verfolgt, der in Ungarn lebt. Für beide ist das Ergebnis mehr als ein politischer Wechsel: Es ist die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Neuanfang.
Benjamin hat lange auf die Abwahl Orbáns gehofft, auch weil ihn die politische Stimmung in Ungarn persönlich betrifft. Er ist queer und hat bei seinem letzten Besuch 2023 erlebt, wie sich die Atmosphäre verschärft hat. "Da hingen Propagandaplakate, dass Brüssel unsere Kinder umoperieren will, dass Kinder gestohlen werden." Überall sei "von den bösen Queeren" die Rede gewesen.
Magyar steht für pro-europäische, aber auch konservative Politik
So groß die Freude ist: Benjamin sagt, dass er Magyar nicht unbedingt aus Überzeugung gewählt habe, sondern vor allem, weil das die Chance gewesen sei, Orbán endlich abzuwählen.
"Vielen ging es nicht darum, dass es die Tisza-Partei wird, sondern dass dieses Regime abgelöst wird."
Magyar steht für Benjamin trotzdem für etwas, das Ungarn in den letzten Jahren abhandengekommen ist: Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und eine stärkere Orientierung an der EU.
Doch ganz eindeutig ist der politische Kurs nicht. Zwar betont Magyar seine EU-Nähe – gleichzeitig dürfte er in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik, einen Kurs verfolgen, der an die Orbán-Politik anknüpfen könnte. Außerdem ist er konservativ und wird aller Voraussicht nach, die Interessen Ungarns stark nach außen vertreten. Wofür Magyar politisch noch steht und wie spektakulär sein politischer Aufstieg ins höchste ungarische Amt war, lest und hört ihr hier.
Das Versprechen, ein System umzubauen
Der Wahlsieg gibt Péter Magyar weitreichende Möglichkeiten, erklärt Korrespondent David Freches. Er hat die Wahl vor Ort beobachtet.
Im Wahlkampf hatte Magyar angekündigt:
- Korruption bekämpfen
- Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen
- eingefrorene EU-Gelder freibekommen – rund 17 Milliarden Euro
- ins Gesundheits- und Bildungswesen investieren
Schon am Wahlabend macht er Druck, berichtet David Freches. Er habe mehrere Orbán-nahe Spitzenbeamte zum Rücktritt aufgefordert, darunter den obersten Staatsanwalt und die Führung des Verfassungsgerichts.
"Mit der Zwei-Drittel-Mehrheit kann Magyar zentrale Reformen durchsetzen und Strukturen verändern, die unter Orbán entstanden sind."
Wie einfach sich Ungarns politisches System umbauen lässt, ist offen. Die Orbán-Regierung hat in den vergangenen Jahren viele Institutionen umgestaltet und Einfluss gesichert. "Wie schnell und wie tiefgreifend diese Veränderungen kommen, lässt sich jetzt noch nicht sagen", sagt David Freches. Magyar selbst spricht von einer "ruinierten Wirtschaft" und einem vernachlässigten Bildungs- und Gesundheitssystem. Die Erwartungen an ihn werden entsprechend hoch sein.
Hoffnung auf ein offenes Ungarn
Für Benjamin zählt erst einmal etwas anderes: das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. Am Ende des Semesters will er seinen Bruder in Budapest treffen. "Dann kann ich einfach wieder mit meinem Bruder durch Budapest spazieren gehen und wissen: Die meisten Menschen hier sind nicht gegen meine Menschenrechte."