Premiere im AllMenschen verändern Umlaufbahn von Asteroiden

Es ist ein Test der Nasa, der schon einige Jahre zurückliegt. 2022 wurde die Raumsonde DART (Double Asteroid Redirection Test) losgeschickt, um in einen kleinen Asteroiden einzuschlagen. Nun, vier Jahre später, haben Forschende herausgefunden, dass dabei etwas passiert ist, das bisher nur aus Science-Fiction-Filmen bekannt war: Die Umlaufbahn eines Himmelskörpers wurde verändert.

"Tatsächlich ging es bei DART darum, einen Asteroiden zum Test abzulenken", erklärt Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist.

Bei diesem Test sollte jedoch absolut ausgeschlossen sein, dass der Asteroid durch den Einschlag versehentlich näher an die Erde rückt und ihr gefährlich werden könnte, betont der Wissenschaftler. Deshalb sei ein besonderes Doppel-System als Ziel ausgewählt worden: ein kleiner Asteroid, der einen größeren umkreist.

Umlaufbahn durch leichten Schubser verändert

Nachdem DART den kleineren Asteroiden getroffen hatte, veränderte sich auch dessen Umlaufbahn um den größeren Partner deutlich. "Die gemeinsame Umlaufbahn des Asteroiden-Paares um die Sonne sollte sich dabei aber praktisch nicht verändern", betont Michael Büker. Doch genau das sei passiert.

"Es ist schon eine Sensation, denn damit hat der Mensch zum ersten Mal die Umlaufbahn eines Himmelskörpers um die Sonne messbar verändert."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Wie es sein kann, dass durch den Einschlag in einen Asteroiden auch die Umlaufbahn eines anderen beeinflusst wird, erklärt der Astrophysiker so: Die beiden Asteroiden umkreisen sich recht eng – in einem Abstand von kaum mehr als einem Kilometer. Dadurch beeinflussen sie sich auch stark gegenseitig mit ihrer Schwerkraft.

"Die Schwerkraft wirkt wie ein unsichtbares Gummiband zwischen den beiden Himmelskörpern. Wenn man einen ablenkt, wird der andere quasi mitgezogen."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Auch wenn diese Veränderung für Astrophysiker eine Sensation ist und Science-Fiction-Fans sich womöglich an Filme wie Armageddon erinnert fühlen, gilt: Die Veränderung ist winzig, sagt Michael Büker.

Aufwendige Messaktion nur durch Amateurastronomen möglich

"Die Geschwindigkeit des Asteroiden-Paares um die Sonne hat sich um etwa 40 Millimeter pro Stunde verringert", erklärt Michael Büker. Anders gesagt: Das Asteroiden-Paar braucht für eine Umrundung der Sonne, die etwas mehr als zwei Jahre dauert, jetzt 15 Hundertstelsekunden weniger als vorher.

Diese kleine Abweichung zu messen, war für die Forschenden gar nicht einfach, erklärt Michael Büker. Solche Messungen seien jedoch sehr schwierig und personell aufwendig.

"An verschiedenen Orten auf der Erde musste vermessen werden, zu welchen exakten Zeiten das Asteroidenpaar vor bestimmten Sternen am Nachthimmel vorbeigezogen ist."
Michael Büker, Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist

Die Forschenden griffen deshalb auf die Unterstützung von mehreren Dutzend Amateurastronomen zurück, die die Beobachtungen – kostenlos – übernahmen. Als Dank für ihre Hilfe werden die, wie es in der wissenschaftlichen Veröffentlichung heißt, "gar nicht so amateurhaften Astronomen" namentlich genannt.

Im Audio erklärt Astrophysiker Michael Büker außerdem, was es bräuchte, um die Erde vor einem gefährlich werdenden Asteroiden zu schützen.