RAF-TerrorDer Mord an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder 1991

Am 1. April 1991 wird der Treuhand-Chef Detlev Rohwedder erschossen. Die "Rote Armee Fraktion" bekennt sich zu der Tat, die der letzte Mord der Linksextremisten bleibt. Der Fall wurde nicht aufgeklärt, die Täter sind bis heute unbekannt.

Es ist der 1. April 1991, als im 1. Stock des Wohnhauses von Detlev Karsten Rohwedder in Düsseldorf-Niederkassel drei Schüsse die Fensterscheiben durchschlagen. Rohwedder ist tödlich verwundet, seine Frau Hergard wird am Ellenbogen getroffen.

Der oder die Schützen haben das Haus von einem Kleingarten in unmittelbarer Nähe aus beobachtet. Sie haben freie Sicht auf die hell erleuchteten Räume, die mit einfachen Glasscheiben versehen sind.

RAF-Täter bis heute unbekannt

Von den Tätern weiß man auch 35 Jahre später nur, dass sie der dritten Generation der linksextremistischen terroristischen Vereinigung RAF (Rote Armee Fraktion) angehört haben sollen. Die zweite Generation hatte unter anderem den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer ermordet. Zu Tode kamen dabei auch sein Fahrer Heinz Marcisz und seine drei Leibwächter Reinhold Brändle, Roland Pieler und Helmut Ulmer. Außerdem entführte die zweite Generation die Lufthansa-Maschine "Landshut".

Bereits der erste Schuss tötete Detlev Karsten Rohwedder, der zweite traf seine Frau Hergard

Detlev Karsten Rohwedder war als Chef der Treuhandanstalt verantwortlich für die Privatisierung der Volkseigenen Betriebe (VEB) der ehemaligen DDR. Viele Menschen in den ostdeutschen Bundesländern sahen in Rohwedder jenen "Kapitalisten", der ohne Rücksicht auf Verluste die DDR-Wirtschaft entweder unter den Hammer bringt oder abwickelt und stilllegt.

Dabei ist Rohwedder nicht nur ein erfahrener Wirtschaftsmanager, sondern auch SPD-Politiker, der seit 1969 als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium agiert hat. 1979 wechselte er in die Vorstandsetage des Stahlkonzerns Hoesch, den er in den kommenden vier Jahren sanierte und vor der drohenden Pleite rettete.

Zehn Morde zwischen 1985 und 1993

Angehörige der dritten Generation der RAF waren seit 1985 unter anderem verantwortlich für die Ermordung von Ernst Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Motoren- und Turbinen-Union München (MTU), des Siemens-Managers Karl Heinz Beckurts und dessen Fahrers Eckhard Groppler, des Diplomaten Gerold von Braunmühl, des Chefs der Deutschen Bank Alfred Herrhausen und eines US-Soldaten sowie für einen Anschlag auf die Rhein-Main Air Base der US-Streitkräfte in der Bundesrepublik.

Die RAF paktierte in diesen Jahren mit internationalen Terrororganisationen wie der französischen "Action directe", der "Brigate Rosse" in Italien oder den belgischen Kommunisten. Der Mordanschlag von Düsseldorf am 1. April 1991 war der letzte Mord der RAF. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Autor Sven Frotscher hat die "geheimen Rohwedder-Briefe" veröffentlicht und beschreibt die Person des Chefs der Treuhandanstalt.
  • Die Historikerin und Terrorismusexpertin Petra Terhoeven erläutert, wer und was sich hinter der „3. Generation der RAF“ verbirgt.
  • Dierk Hoffmann, Historiker vom Institut für Zeitgeschichte in Berlin, beschäftigt sich mit der Arbeit der Treuhandanstalt.
  • Der Deutschlandfunk Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt den Weg Detlev Rohwedders in Politik und Wirtschaft.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Grit Eggerichs erinnert an den 1. April 1991, als Rohwedder ermordet wurde.