Leben unter Trumps LaunenAlltag im Russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine

Russische Raketen schlagen immer häufiger ein, nicht auf jeden westlichen Partner ist noch Verlass. Noch hält die Verteidigung. Die Sorgen der Bevölkerung vor einem kalten Winter wächst. Wie ist der ukrainische Alltag nach fast fünf Kriegsjahren?

Das Gefühl ständiger Angst vor russischen Angriffen ist in der Ukraine zum Dauerzustand geworden. Noch vor einiger Zeit rechnete die ukrainische Bevölkerung mit Angriffen alle paar Tage und konnte sich dementsprechend vorbereiten. Das ändert sich.

"Die Angriffe kommen mittlerweile so schnell, dass wir praktisch keine Vorwarnzeit mehr haben."
Rebecca Barth, ARD-Korrespondentin in der Ukraine

Die ukrainische Luftabwehr kann die Raketen nicht mehr abfangen, weil russische Kampfeinheiten die Schlagzahl drastisch erhöht haben. Teile der ukrainischen Bevölkerung haben sich an diese Realität gewöhnt. Maxim und Natalia beispielsweise betreiben ein Café. Sie gehen längst nicht mehr bei jedem Alarm zum Schutz in die Schächte der Metro. im besten Fall schaffen sie es in den Korridor, erzählen sie der ARD-Korrespondentin Rebecca Barth.

Sie erledigen die Arbeit im Café und versuchen, die Kriegssituation so gut es geht zu verdrängen. "Das ist nach fast fünf Jahren Krieg vielleicht auch eine Art Schutzmechanismus", meint ARD-Korrespondentin Rebecca Barth. Die Art, wie viel Ukrainer*innen den Krieg zu spüren bekommen, hängt aber nicht nur mit dem eigenen Mindset zusammen.

Um im Abwehrkampf gegen Russlands Angriffe zu bestehen, ist die Ukraine auf ausländische Waffensysteme angewiesen – vor allem auf US-amerikanische Patriot-Raketen. Für die Ukraine könnte es sich zum negativen entwickeln. Eigentlich sollte die Ukraine auf einem NATO-Gipfel im letzten Monat in Ankara Lizenz für Patriot-Systeme erhalten. Sie hätte diese Systeme dann auf lange Sicht auch selbst bauen können.

Doch nun zögert US-Präsident Donald Trump mit der Vergabe der Systeme oder der Lizenz. Das bedeutet, dass die Ukraine sich nicht gegen russische Angriffe schützen kann – die ballistischen Raketen kommen durch.

"Die Patriot-Abwehrsysteme sind wichtig. Es sind praktisch die einzigen, die die Ballistischen abfangen können."
Rebecca Barth, ARD-Korrespondentin in der Ukraine

Die Ukraine muss die Taktik im Abwehrkampf ändern

Aber selbst wenn die Ukraine die Lizenz erhalten würde, könnten Jahre vergehen, bis die ersten eigenen Systeme entwickelt sind. Deswegen versucht die Ukraine, ein eigenes Abwehrsystem zu entwickeln – aber auch das dauert noch. Die Ukraine setzt in der Verteidigung daher aktuell auf eine andere Strategie. Durch gezielte Angriffe auf Russland in der Luft, versuchen die Soldat*innen, dass Russland seine ballistischen Raketen entweder nicht abfeuern – oder gar nicht erst herstellen kann.

"Im Bezug auf die USA spüre ich in der ukrainischen Bevölkerung Resignation. Besonders, weil die Menschen nicht wissen, ob Trumps Wort am nächsten und übernächsten Tag noch gilt."
Rebecca Barth, ARD-Korrespondentin in der Ukraine.

Suche nach Alternativen beim Heizen

Die ukrainische Bevölkerung vertraut lieber auf die eigenen Leute, die produzierenden Unternehmen und Soldat*innen. Mit Blick auf Herbst und Winter wird die Lage für die ukrainische Bevölkerung kritischer.

"Wir hatten letztes Jahr schon so einen kalten Winter und die Heizung ist weitflächig ausgefallen, weil Russland die Wärmekraftwerke zerschießt."
Rebecca Barth, ARD-Korrespondentin in der Ukraine

Viele Menschen in der Ukraine haben jetzt die Befürchtung, dass der nächste Winter noch kälter wird oder die Angriffe in diesem Winter noch stärker werden. Deswegen suchen Ukrainer*innen nach Alternativen zum Heizen – beispielsweise mit Batterien, Solarpaneelen oder Gasheizgeräte. Einige suchen auch eine Datscha außerhalb Kiews, die sich autonom beheizen lässt mit einem kleinen Ofen.