SchlafstörungStändig wie im Jetlag

Wir leben nach dem Rhythmus unserer inneren Uhr – und die synchronisiert sich mit unserer Außenwelt, also Licht und Dunkelheit auf der Erde. Aber was passiert, wenn diese Synchronisation nicht funktioniert?

Unsere innere Hauptuhr sitzt im Gehirn und ist in etwa so groß wie zwei Reiskörner. Wir können sie uns vorstellen wie eine Art Dirigentin, die den Takt im Körper vorgibt, beschreibt Schlafforscherin Christine Blume. Dafür hat die innere Uhr verschiedene Mittel zur Verfügung – sie steuert:

  • Hormone, die sich im ganzen Körper verteilen und so "Tag" oder "Nacht" kommunizieren
  • die Körpertemperatur, die im Lauf des Tages schwankt
  • das Nervensystem, über das Informationen über die Tageszeit an den Rest des Körpers kommuniziert werden
"Die Körpertemperatur ist ein Signal – die wird auch von der inneren Uhr gesteuert und schwankt im Lauf des Tages."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Aber auch unsere innere Dirigentin braucht Orientierung – und die bekommt sie von außen: Licht ist für sie das wichtigste Signal. So synchronisiert sie ihren eigenen Takt mit dem der Außenwelt.

Der Tag dauert eigentlich 24 Stunden und 12 Minuten

Wir leben in einem 24-Stunden-Rhythmus. Spannend ist allerdings, dass die innere Uhr der meisten Menschen eigentlich einen etwas längeren Tag anzeigt, erklärt Christine Blume: "Wenn wir es schaffen, den ganz unbeeinflussten Rhythmus der inneren Uhr zu messen – also so, wie sie tickt, wenn es eben keine Taktgeber aus der Umgebung gibt – dann dauert der innere Tag der meisten Menschen so 24 Stunden und 12 Minuten."

Davon merken die meisten Menschen aber nichts, denn die innere Uhr synchronisiert sich eben über den Kontakt mit dem Tageslicht.

Non-24: gestörte Synchronisation

Wer von der sogenannten Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung (kurz: Non-24) betroffen ist, bei dem funktioniert diese Synchronisation nicht. Dazu kommt, dass die innere Uhr bei Non-24-Patient*innen eher im 25-Stunden-Rhythmus tickt.

"Non-24 bedeutet, dass man quasi in einem konstanten Jetlag lebt – jeder Tag fühlt sich an, als wäre man am Vortag nach New York oder Tokio gereist."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Konkret heißt das, dass sich der Zeitpunkt, zu dem Betroffene einschlafen können, stetig nach hinten verschiebt. "Wenn du heute um Mitternacht gut einschlafen kannst, ist es übermorgen 1 Uhr und in sieben Tagen erst um 6 Uhr am Morgen", erklärt Christine Blume.

Bei blinden und sehenden Menschen

Non-24 kommt bei sehenden und blinden Menschen vor – in der Schlafforschung werden beide Gruppen allerdings unterschieden, denn die Ursachen sind unterschiedlich. "Menschen, bei denen gar keine Lichtinformationen zur inneren Uhr gelangen – zum Beispiel weil die Verbindung zwischen Augen und innerer Uhr unterbrochen ist oder die Netzhaut nicht funktioniert – haben ein Risiko für die Non-24-Rhythmusstörung", erklärt Christine Blume.

"Es gibt neuere Erkenntnisse, die zeigen, dass zumindest manche Betroffene Lichtreize generell anders verarbeiten und die Synchronisation deshalb nicht ausreichend ist."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Die Schlafforschung geht davon aus, dass mehr als die Hälfte der Menschen, bei denen keine Lichtinfos vom Auge zur inneren Uhr fließen können, diese Rhythmusstörung hat. Bei den anderen liegt der Rhythmus der inneren Uhr vermutlich so nah an 24 Stunden, dass sie auch ohne diesen Abgleich zwischen innerer Zeit und Umgebungszeit auskommen.

Bei sehenden Menschen ist nicht abschließend geklärt, wie die Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmusstörung entsteht – es könnte ein Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren sein.

Ein 25-Stunden-Tag

Die betroffenen Personen haben von Natur aus einen langen biologischen Tag – im Durchschnitt 25 Stunden lang. Dazu kommen dann möglicherweise noch Dinge wie viel Licht am Abend oder auch Schwierigkeiten, am Abend den Absprung zu schaffen. Dadurch bekommen Betroffene wenig Licht am Morgen, was den Rhythmus noch mehr verschieben kann.

Grundsätzlich gilt: Je stärker der innere Rhythmus von den 24 Stunden der Erde abweicht, desto schwieriger wird auch die Synchronisation.

In dieser Folge Über Schlafen sprechen Schlafforscherin Dr. Christine Blume und Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge auch darüber, was bei Non-24 helfen kann.