SüdafrikaWie Deutschland die Apartheid verklärte

Die Apartheidspolitik der National Party war lange kein Hindernis für gute Beziehungen Deutschlands zu Südafrika. Ein Vortrag des Historikers Johannes Dafinger über Rassismus in der bundesdeutschen Außenpolitik.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland teilweise Diplomaten wieder eingestellt, die auch schon im Nationalsozialismus politische Ämter inne hatten. Ihre politische Sozialisation erleichterte ihnen die Zusammenarbeit mit Diktaturen und autoritären Regimen, sagt Johannes Darfinger, Historiker an der Uni Salzburg.

Besonders gut lasse sich das am Beispiel der deutschen Südafrikapolitik zeigen.

"Die Apartheid war kein Hindernis für gute Beziehungen zwischen Bonn und Pretoria, fast möchte man sagen, im Gegenteil."
Johannes Dafinger, Historiker

In Südafrika regiert von 1948 bis 1994 die National Party. Sie setzt eine strikte Trennung nach Hautfarben durch, um die Vorherrschaft der Weißen zu sichern. Die Schwarze Bevölkerungsmehrheit darf nicht wählen und muss in sogenannten Homelands leben. Proteste gegen die Unterdrückung werden mit massiver Härte und Gewalt niedergeschlagen.

Gegen dieses staatliche rassistische Ausbeutungssystem organisiert der 1912 gegründete African National Congress (ANC) den zunächst friedlichen, später bewaffneten Widerstand. Seit 1940 engagiert sich Nelson Mandela für den ANC. 1964 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt – 30 Jahre später wird er Staatspräsident.

Wandel erst durch Generationenwechsel

In seinem Vortrag beschreibt Johannes Darfinger, wie die Bundesrepublik die Apartheid in Südafrika verklärte. Viele Diplomaten und Politiker hätten einen rassistischen Blick auf die Politik der National Party gehabt.

"Die rassistische Grundlage der Politik der National Party wurde in der Bonner Republik von vielen verklärt, von manchen unterstützt und von anderen geduldet."
Johannes Dafinger, Historiker

Erst mit einem Generationenwechsel veränderte sich diese Haltung, erklärt der Historiker.

Mit seiner Studie über die Verklärung der Apartheid in der Bundesrepublik trägt Johannes Dafinger zu einer Geschichte des Rassismus in Deutschland bei. Diese sei noch weitgehend ungeschrieben, so der Historiker.

"Teile der Union waren noch in den 1980er-Jahren der Meinung, dass der Ausschluss eines Großteils der Bevölkerung vom allgemeinen Wahlrecht vorerst beibehalten werden müsse."
Johannes Dafinger, Historiker

Johannes Dafinger ist Historiker an der Universität Salzburg und aktuell Fellow am Historischen Kolleg in München. Seinen Vortrag "Rassistisches Denken in der alten Bundesrepublik und die Apartheid im südlichen Afrika" hat er am 29.01.2026 am Historischen Kolleg in München gehalten.