Super BowlWarum Bad Bunnys Halbzeit-Show Trump provoziert

Der Super Bowl ist mehr als Football, es geht auch um Musikacts. In der Halftime Show tritt in diesem Jahr Latino-Superstar Bad Bunny auf, der komplett auf Spanisch performt. Donald Trump nennt das "schrecklich" und macht daraus einen Kulturkampf.

Millionen Abos und Streams, der Grammy für das beste Album – Bad Bunny wird gerade gefeiert wie kaum ein anderer Künstler. Jetzt ist er Main Act bei der Halftime Show des Super Bowl zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks in Santa Clara in Kalifornien – letztes Jahr haben sie 127 Millionen Menschen gesehen.

US-Präsident Trump und viele Konservative in den USA finden: Die Entscheidung der NFL für Bad Bunny geht gar nicht. Unter anderem weil er spanisch und nicht englisch singt. Und weil er Trump und das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit deutlichen Worten kritisiert hat.

Der US-Präsident selbst will nicht zum Finale anreisen – wegen Bad Bunnys Show. Die Halftime Show ist politisch aufgeladen wie vielleicht nie zuvor.

Wer ist Bad Bunny?

Geboren wurde er als Benito Martínez Ocasio in einer kleinen Stadt in Puerto Rico. Puerto Rico ist ein Außengebiet der USA, dadurch hat er die US-Staatsbürgerschaft. Mit 31 Jahren ist er aktuell auf dem Höhepunkt seiner Karriere:

  • Mit seinem letzten Album "Debí Tirar Más Fotos" hat er als erster Künstler mit einem spanischsprachigen Album den Grammy-Award für das "Album of the year" gewonnen.
  • Er war 2025 der meistgestreamte Musiker auf Spotify weltweit – und er singt bisher ausschließlich auf spanisch.
  • Den Zuschlag für die Halftime Show des Super Bowl bekommt nicht jede*r.
"Bad Bunny ist mit dafür verantwortlich, Latino-Musik aus der Nische in den Mainstream geholt zu haben – und das alles, ohne sich großartig zu verstellen."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova

Dass ihn durch sein Spanisch viele nicht verstehen, ist ihm egal, sagte er der New York Times. Auch viele spanischsprechende Fans würden ihn nicht 100 Prozent verstehen, weil er mit puerto-ricanischem Akzent und dem Slang der Insel singe.

Reggaeton mit Einflüssen aus Trap und House

Musikalisch macht Bad Bunny Reggaeton mit Einflüssen aus Trap und House. Tanzbar, mit schnellen Raps, mal melodisch, mal melancholisch wie bei "Tenemos que hablar".

Auch sonst verkörpert er nicht die typische Latino-Macho-Kultur, sondern ist eher bekannt dafür, verschiedene Ideen und Vorstellungen zu Sexualität und Gender auszuprobieren. Er hatte zum Beispiel häufiger schon mal Kleider an, trägt seine Haare auch mal in Space Buns oder lackiert sich die Nägel. Aktuell sei er heterosexuell, doch das könne sich auch noch ändern, so der Musiker.

"Am Ende des Tages weiß ich nicht, ob mir in 20 Jahren nicht doch mal ein Mann gefällt. Aber im Moment bin ich ein heterosexueller Mann."
Bad Bunny

Bad Bunny steht klar für liberale Werte. Und er äußert sich auch politisch – allerdings nicht ständig und auch nicht so, dass „super gezwungen wirkt“, findet Minh Thu Tran von Deutschlandfunk Nova.

Politische Positionierung für liberale Werte

Vor allem, wenn Themen seine Community und seine Lebensrealität berühren, äußert er sich – das war etwa der Fall, als es in seiner Heimat Puerto Rico heftige Hurricanes gab und tausende Menschen getötet wurden. Da hat er seine Tour abgebrochen, hat wegen der fehlenden Unterstützung aus Washington einen Protestsong geschrieben und hat auch auf den Straßen mitprotestiert.

Sehr viel Öffentlichkeit hat dann seine Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE bei den Grammys letztes Wochenende bekommen.

"ICE out!"
Bad Bunny bei den Grammys 2026

Und das war nicht das erste Mal, dass er sich gegen ICE oder Donald Trumps Einwanderungspolitik positioniert hat. Bei seiner aktuellen Tour hat er zum Beispiel kein einziges Konzert in den USA gespielt. Er habe Angst hat, dass ICE dann vor seinen Konzerten steht und anfängt, Fans von ihm abzuführen, so Bad Bunny.

Denn viele von diesen sind Teil der Latino-Community in den USA, die seit Monaten in Angst vor ICE leben.

Identifikationsfigur für Migrantinnen und Migranten

Für die Latino Community, aber auch für Migranten weltweit, ist Bad Bunny zu einer wichtigen, Identität stiftenden Figur geworden – auch oder gerade durch sein aktuelles Album, auf dem er über seine Liebe für seine Heimat Puerto Rico singt und kritisiert, dass reiche US-Amerikaner vom Festland auf die Insel ziehen und die Einwohner aus ihren Vierteln verdrängen.

"In Deutschland wäre das Pokalfinale, Weihnachten und ESC an einem Tag. 30 Sekunden Werbung beim Super Bowl kosten acht Millionen Dollar."
Reinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent in Los Angeles

Der Super Bowl ist "die wichtigste Bühne der Welt", sagt Reinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent in Los Angeles. In Deutschland wäre das wie Pokalfinale, Weihnachten und ESC an einem Tag, versucht er zu vergleichen. Soviel Aufmerksamkeit hat ihren Preis: 30 Sekunden Werbung kosten acht Millionen Dollar.

Die Halbzeitshow hat in ihrer Geschichte legendäre Auftritte produziert, etwa den von Michael Jackson oder den von Prince, der bei strömendem Regen "Purple Rain" performte. Außerdem gab es diverse Skandale, Beispiel "Nippelgate" von Janet Jackson.

Ein Latino bei einer "total amerikanischen" Veranstaltung

Dass der Auftritt von Bad Bunny für bestimmte Kreise in den USA so ein Problem darstellt, hat Gründe, erklärt Reinhard Spiegelhauer: "Football ist wahnsinnig wichtig in den USA und auch im ländlichen USA", sagt er. "Das ist für die Community total wichtig, das ist identitätsstiftend, das ist Heimat. Das ist für die so total amerikanisch – und dann steht da halt dieser, äh, Latino. Und das finden die ganz fürchterlich."

"Das ist für die Community total wichtig. Das ist für die so total amerikanisch – und dann steht da halt dieser, äh, Latino. Und das finden die ganz fürchterlich."
Reinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent in Los Angeles

Trump-Anhänger haben übrigens eine Alternativ-Veranstaltung geplant, eine Art Gegen-Halbzeitshow. Veranstaltet wird sie von "Turning Point USA", einer rechtskonservativen Gruppe rund um den ermordeten Charlie Kirk. Bei der sogenannten "American Halftime Show" werden unter anderem Kid Rock und diverse Country-Sänger auftreten. Das Ganze wird auf YouTube gestreamt und in konservativen Fernsehsendern ausgestrahlt. Im Vergleich habe das allerdings "überhaupt keine Bedeutung", sagt Reinhard Spiegelhauer.

Performance soll Überraschung werden

Über Bad Bunnys Auftritt in der Nacht von Sonntag auf Montag ist noch recht wenig bekannt. Es soll eine Überraschung werden, hat Bad Bunny in mehreren Interviews gesagt. Im Trailer für seine Halftime-Show tanzt er mit ganz vielen verschiedenen Menschen unterschiedlichen Alters und Hautfarbe – eine einladende, inklusive Botschaft.

"Die Message ist: Die Welt wird tanzen. Dass Bad Bunny beim Super Bowl explizit politische Statements droppt, erwartet eigentlich keiner."
Minh Thu Tran, Deutschlandfunk Nova