TierschutzStraßenhunde retten ist nicht immer eine gute Idee

Wer einen Straßenhund aus dem Ausland adoptiert, möchte helfen und dem Tier ein neues Zuhause schenken. Doch nicht jeder Hund, der auf der Straße lebt, muss gerettet werden. Woran man wirklich hilfsbedürftige Tiere erkennt.

Ein Hund, der in Griechenland an einer Straßenecke sitzt. Er ist etwas zerzaust, streunt herum – alles sieht auf den ersten Blick aus, als wäre dieses Tier herrenlos. Das ist möglich – aber nicht immer der Fall, warnt Hundetrainerin Sarah Fink.

Wenn der vermeintliche Straßenhund ein Zuhause hat

Für eine Recherche hat Sarah mal den Tagesablauf frei herumlaufender Hunde verfolgt. Dazu stattete sie die Tiere mit GPS-Halsbändern aus. Und dabei gab's Überraschungen: "Wir haben sogar die Einheimischen gefragt: 'Ist das ein Straßenhund? Können wir ihm ein Halsband geben?' Und sogar die Einheimischen haben gesagt: 'Ja, das ist ein Straßenhund.' Und dann ist der Hund zehn Kilometer weitergelaufen und hatte eine Familie."

Für Hirten in Griechenland sei es ein großes Problem, dass ihre frei laufenden Hunde mitunter fälschlicherweise für Straßenhunde gehalten werden, sagt Sarah Fink. Immer wieder würden Tourist*innen Tiere einfach mitnehmen, weil sie sie Tiere für hilfsbedürftig halten.

"Ganz viele Touristen glauben: 'Armer Straßenhund.' Und dann hat der Hirte plötzlich keinen Hütehund mehr."
Sarah Fink, Hundetrainerin

Wie viele Hunde jedes Jahr aus dem Ausland nach Deutschland adoptiert werden, ist nicht klar. Schätzungen zufolge sind es aber etwa ein Viertel der rund 10,5 Millionen Hunde in Deutschland, schätzt der Tierschutzbund laut GEO. Zahlen dazu, wie viele dieser Hunde eigentlich gar kein neues Zuhause gebraucht hätten, gibt es allerdings nicht.

Woran ich einen Straßenhund erkenne

Es gibt durchaus Anzeichen dafür, dass ein Hund dauerhaft auf der Straße lebt, sagt Sarah Fink. Die Tiere sind in solchen Fällen ...

  • verletzt,
  • stark abgemagert,
  • und haben wenig Haare.

Erste Schritte, um einem Straßenhund zu helfen

Wer sich unsicher ist, ob ein Hund auf der Straße eine Besitzerin oder einen Besitzer hat, kann Menschen in der Umgebung fragen, ob sie das Tier kennen. Ist eindeutig erkennbar, dass es sich um einen Straßenhund handelt, sollte der Hund zunächst zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt gebracht werden, rät Sarah Fink. Anschließend sollte man Tierschutzorganisationen kontaktieren, die möglicherweise eine Pflegestelle vermitteln können.

Darauf ist bei einer Hundeadoption zu achten

Wer sich dazu entschließt, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren, sollte einige wichtige Punkte beachten: Stammt der Hund etwa aus dem EU-Ausland, benötigt er bestimmte Impfungen – insbesondere eine gültige Tollwutimpfung. Zwischen der Impfung und der Ausreise müssen mindestens 21 Tage liegen. Erst danach dürfen Tourist*innen den Hund legal mit über die Grenze nehmen.