USA-Iran-DealKann das Abkommen noch an Netanjahu scheitern?

Ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und Iran scheint greifbar. Doch Israel lehnt einen zentralen Bestandteil ab, den Rückzug aus dem Libanon. Damit droht Benjamin Netanjahu zum größten Unsicherheitsfaktor für Donald Trump zu werden.

Ein großartiger Deal, der Frieden und Sicherheit in die gesamte Region bringen wird – so beschreibt US-Präsident Donald Trump das Abkommen, das die USA mit dem Iran ausgehandelt haben. Bei Israels Premier Benjamin Netanjahu klingt es hingegen ganz anders: "Der Kampf ist noch nicht vorbei."

Ein Deal, über den wenig bekannt ist

Was genau in der Vereinbarung steht, die am kommenden Freitag (19.06.2026) unterschrieben werden soll, ist bisher nicht öffentlich. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Ein zentraler Player fühlt sich übergangen: Israel. Netanjahu steht deshalb innenpolitisch unter Druck.

Tatsächlich soll es zuletzt zwischen Trump und Netanjahu hinter verschlossenen Türen laut geworden sein. Nach Berichten der New York Times soll Trump seinen langjährigen Verbündeten sogar als "fucking crazy" bezeichnet haben. Doch wie stabil kann ein Friedensabkommen im Nahen Osten sein, wenn ausgerechnet Israel nicht vollständig eingebunden würde?

Bente Scheller, Leiterin des Referats Nahost und Nordafrika bei der Heinrich-Böll-Stiftung, betont, wie wenig bislang über die konkrete Vereinbarung bekannt ist. Sie verweist lediglich auf die Aussagen von US-Vizepräsident J.D. Vance, wonach es sich um ein anderthalbseiten langes Rahmendokument handeln solle. Von Iran hingegen würden viel konkretere Dinge genannt.

"Aus Sicht der Iraner klingt es so, als hätten nur sie ihre Ziele erreicht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die USA sich auf ein so einseitiges Abkommen einlassen würden."
Bente Scheller, Politikwissenschaftlerin

Ein Streitpunkt, der laut der Politikwissenschaftlerin auf der Hand liegt, ist die Situation an der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den Öltransport. Iran und die USA erklärten zwar, dass die Route wieder sicher befahrbar sein soll, doch über die Bedingungen gebe es unterschiedliche Darstellungen.

Trump betont, dass keine Zahlungen an den Iran fällig werden sollen, wenn Schiffe die Meerenge passieren. Der Iran wiederum erklärt, die Straße von Hormus werde künftig nicht mehr so sein wie zuvor und weiter unter iranischer Kontrolle stehen. Außerdem fordert Teheran die Freigabe eingefrorener Gelder und ein Ende der US-Sanktionen.

Gleichzeitig sei die freie Passage durch die Straße von Hormus für Trump von großer Bedeutung, erläutert Bente Scheller.
"Das ist im Wesentlichen das, was die Preise überall nach oben treibt und was Trump innenpolitische Probleme bereitet."

Politikwissenschaftlerin: Rolle Israels nicht zu unterschätzen

Damit ein Abkommen langfristig für Stabilität sorgen kann, müsste die Schifffahrt durch die Meerenge gesichert sein. Dafür müssten die gegenseitigen Angriffe aufhören, sagt die Politikwissenschaftlerin. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und wie die Sicherheitsinteressen Israel berücksichtigt werden.

"Israel fordert eine Zerstörung des Nuklearprogramms. Es steht noch überhaupt nicht fest, wie damit umgegangen werden soll."
Bente Scheller, Politikwissenschaftlerin

Auch beim iranischen Raketenprogramm gebe es bislang widersprüchliche Informationen. Genau diese offenen Fragen bringen Netanjahu zunehmend in Bedrängnis.

Trumps Deal platzt in Netanjahus Wahlkampf

"Dieser angekündigte Deal ist über den Kopf hinweg von Israel geschlossen worden", sagt Bettina Meier. Sie ist seit 2022 Korrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv. Und genau das könnte für Netanjahu innenpolitisch zum Problem werden, vor allem angesichts der im Oktober 2026 anstehenden Wahlen.

"Vor allem jetzt vor den Wahlen muss Netanjahu zeigen, dass diese Strategie aufgeht."
Bettina Meier, Korrespondentin

Die Umfragewerte des israelischen Ministerpräsidenten schwanken, so die Journalistin. Im Wahlkampf versuche Netanjahu daher, sich als derjenige zu präsentieren, der für die Sicherheit Israels sorgen könne.

Dazu gehört auch seine Forderung nach Sicherheitszonen rund um Israel – darunter Gebiete im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen. Nach Einschätzung von Bettina Meier macht Netanjahu deutlich, dass er sich in diesem Punkt auch dem Druck der USA nicht beugen will. Doch ganz so einfach sei es nicht, vor allem, weil Israel militärisch und politisch auf die Unterstützung der USA angewiesen ist.

"Ohne die USA wäre Israel in diesem Krieg schutzlos gewesen. Deshalb muss diese Freundschaft immer wieder gekittet werden."
Bettina Meier, Korrespondentin

Nicht nur Israel kann den Deal zu Fall bringen

Trotz dieses Abhängigkeitsverhältnisses hält Politikwissenschaftlerin Bente Scheller es für möglich, dass Israel das Abkommen zum Scheitern bringen könnte, beispielsweise indem es seine Angriffe gegen die Hisbollah im Südlibanon ausweitet. Vergleichbares habe es in der jüngsten Vergangenheit gegeben.

Auch mit Blick auf die anstehenden Wahlen im Oktober hält die Politikwissenschaftlerin weitere militärische Schritte nicht für unwahrscheinlich.

"Netanjahu befindet sich im Wahljahr, doch noch zeichnet sich nichts ab, was er als innenpolitischen Erfolg verkaufen kann. Deswegen denke ich, wird es im Libanon weitergehen."
Bente Scheller, Politikwissenschaftlerin

Doch Israel ist nicht der einzige Unsicherheitsfaktor, betont die Politikwissenschaftlerin. Auch der Iran könnte das Abkommen scheitern lassen – nämlich dann, wenn seine wichtigsten Interessen zu wenig Berücksichtigung finden. Der Deal, den Trump vorab als historisch verkauft, steht also noch auf ziemlich wackeligen Beinen.