USA vor der WahlAlles teuer. Danke für nix, Trump?
Miete, Lebensmittel, Benzin: In den USA ist vieles verdammt teuer. Und Trump hatte doch versprochen, das zu ändern. Warum bleibt bei vielen trotzdem kaum Geld übrig? Und könnte ihn genau das die Midterms kosten?
Am kommenden Dienstag (03.11.2026) stehen in den USA die Zwischenwahlen an, die Midterm Elections. Das Repräsentantenhaus wird komplett neu gewählt und ein Drittel des Senats. In beiden Kammern haben die Republikaner aktuell die Mehrheit.
Es gibt vor allem ein Thema, das die Meschen umtreibt und bei den Midterm Elections eine wichtige Rolle für die Wahlentscheidung spielen könnte: die gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Tanken oder essen?
Bei manchen US-Amerikaner*innen ist das Geld so knapp, dass sie Mahlzeiten auslassen müssen, erklärt die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook im Gespräch. Viele können sich das Tanken nicht mehr leisten, weil auch die Benzinpreise in die Höhe geschnellt sind. Manche stehen vor der Frage, ob sie lieber Essen kaufen oder tanken sollen.
"Somebody needs to explain to me why I can't afford this ground beef. Why is it 30 dollars?"
Auch Shea, die in New York City lebt und in einem Verlag arbeitet, merkt, dass die Preise gestiegen sind. Sie lebt im Stadtteil Inwood, der im Norden von Manhattan liegt. Circa 55.000 Dollar verdient sie im Jahr. Zusammen mit ihrem Freund wohnt sie in einem kleinen Zwei-Zimmer-Apartment, das sie mit gebrauchten Möbeln im "grandpa style", wie sie selbst sagen, eingerichtet haben.
Abends ausgehen wird zum Luxus
New York City gilt als eine der teuersten Städte weltweit. Die Miete der Wohnung liegt bei knapp 2.000 Dollar. Obwohl Shea und ihr Freund beide ein Gehalt bekommen, sind die Ausgaben insgesamt hoch: Denn von ihrem Gehalt muss Shea nicht nur die Miete und die Lebenshaltungskosten zahlen, sondern auch Rückzahlungsraten für einen Studienkredit abstottern.
Weil alles teurer geworden ist, achtet sie mehr auf ihre Ausgaben: sie geht seltener auswärts essen, trinkt nur das günstigste Bier und verzichtet darauf, in Clubs zu gehen, die 30 bis 40 Dollar Eintritt verlangen.
"Es ist jeden Tag eine Herausforderung, denn wir wissen nie, wie sich unsere Ausgaben von Tag zu Tag ändern. Wir hoffen, dass die Lage nicht zu sehr aus dem Ruder läuft."
Chris Campell ist Gastronom. Seit fast 20 Jahren betreibt er seine Sportsbar "The Olde Towne Tavern" in einem Vorort von Denver im Bundestaat Colorado. Noch nie waren die Preise für Rindfleisch und Bier so hoch, sagt er. Eigentlich will er die Preise in seiner Bar nicht anheben – aber er weiß nicht, wie lange sich der Betrieb dann überhaupt noch für ihn rentiert.
Und Chris ist ein loyaler Anhänger der Republikanischen Partei. Er hat dreimal für die Republikaner und damit für Donald Trump abgestimmt. Und er würde es wieder tun, sagt er. Obwohl der Preisanstieg eine Herausforderung für ihn als Gastronom ist. Er hofft aber, dass sich die Situation bald verbessert, so wie Trump es immer wieder ankündigt.
Bei den Midterms könnten die Republikaner abgestraft werden
Wenn man sich die wirtschaftliche Lage der USA anschaut, zeigt sich ein etwas widersprüchliches Bild, erklärt die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook:
- Auf der einen Seite wächst die US-Wirtschaft relativ solide. Das liegt vor allem am Ausbau von Künstlicher Intelligenz. Die USA investieren in diesem Bereich sehr viel, zum Beispiel in den Bau neuer Rechenzentren. Am Aktienmarkt läuft's ebenfalls richtig gut. Und auch die Arbeitslosenquote ist mit gut vier Prozent relativ niedrig.
- Andererseits ist die Inflation unter Trump weiter gestiegen: von drei Prozent bei seinem Amtsantritt auf zuletzt 3,7 Prozent. Er hat es nicht geschafft, die Inflation zu bekämpfen. Lebensmittel, Mietkosten, Krankenversicherung, Strom oder Benzin sind deutlich teurer geworden.
Vor dem Krieg in Iran und der Blockade der Straße von Hormus kostete ein Liter Benzin umgerechnet knapp 80 Cent. Jetzt sind es 1,14 Euro. Im Vergleich zu Europa ist das immer noch erheblich günstiger – doch für viele Menschen in den USA bedeutet es, dass sie sich das Autofahren nicht mehr leisten können.
Denn der Großteil der Menschen profitiert eben nicht von den guten Aktienkursen.
Die Stimmung kippt
Die aktuell schwierige finanzielle Lage spiegelt sich auch in der Haltung der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner wider: In einer Umfrage für die New York Times aus dem Oktober sagen fast 80 Prozent der Befragten, dass sie ihre wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht bewerten. Selbst Trump-Anhänger machen ihn in Umfragen vermehrt für die Situation verantwortlich, sagt Clüver Ashbrook.
Viele Trump-Anhänger würden inzwischen erkennen, dass er sein Versprechen, das Leben günstiger und einfacher zu machen, nicht gehalten hat, so die Politikwissenschaftlerin. Und dass er auch nicht der Präsident ist, der Kriege beendet, sondern sie stattdessen beginnt.
All das könnte bei den Midterm Elections ein Grund dafür sein, dass Trump und die Republikanische Partei abgestraft wird.