Von Hitze bis KriegKann Deutschland Katastrophe?
Wie gut sind wir für Krisen, Krieg und Katastrophen vorbereitet? Nicht gut genug, sagt die Regierung. Deshalb sprechen Bund und Länder darüber, wie der Bevölkerungsschutz verbessert werden muss. Wie dringend das ist, zeigen die Kliniken im Land.
Als Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Mai 2026 den sogenannten Pakt für Bevölkerungsschutz vorstellt, sagt er: Deutschland müsse sich auf Krisen, Katastrophen und Konflikte vorbereiten. Entsprechend stellt die Bundesregierung nun eine Summe zur Verfügung: Zehn Milliarden Euro zusätzlich sollen bis 2029 in den Bevölkerungsschutz fließen – etwa für Schutzräume, Spezialfahrzeuge und Warnsysteme.
Bevölkerungsschutz geht nicht erst im Kriegsfall los
Doch Bevölkerungsschutz ist deutlich mehr als Kriegsvorsorge, sagt Alexander Fekete. Er ist Professor für Risiko- und Krisenmanagement an der Technischen Hochschule Köln und sagt: Krisen erleben wir in Deutschland viel öfter als viele denken. Der Wissenschaftler macht es am Beispiel extremer Hitze deutlich.
"Hitze verursacht bei uns die höchsten Todeszahlen aller Naturgefahren – höher als Hochwasser und Starkregen zusammen."
Als Beispiel nennt Alexander Fekete den Hitzesommer 2003. Damals starben in Deutschland mehr als 9.000 Menschen zusätzlich zur normalen Sterblichkeit. Hitzewellen seien deshalb keine abstrakte Zukunftsgefahr, sondern schon heute eine der größten Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz.
Extreme Temperaturen: vor allem in Kliniken ein Problem
Thorsten Hammer ist am Universitätsklinikum Freiburg für das Notfall- und Krisenmanagement zuständig. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Klinik unter außergewöhnlichen Bedingungen funktioniert. Dazu gehören bei Hitze erstmal auch erstaunlich einfache Maßnahmen, sagt er. "Nachts heißt es, Fenster aufmachen, für Durchlüftung sorgen, schauen, dass es keine direkte Sonneneinstrahlung gibt." Außerdem gelte es, das Pflegepersonal daran zu erinnern, viel zu trinken. Denn für die Beschäftigten sei die Hitze ebenfalls belastend.
Gerade ältere Klinikgebäude stoßen dabei allerdings an ihre Grenzen, sagt Thorsten Hammer. Nicht überall gebe es Rollos, Sonnensegel oder andere Möglichkeiten, Räume vor Sonne und Hitze zu schützen.
"Auf vielen Stationen liegen die im Sommer im eigenen Saft. Denn große Teile bei uns an der Universitätsklinik Freiburg haben keine Klimaanlage."
Die Folgen seien nicht zu unterschätzen. Der Notfallmanager formuliert es so: "Wenn du als gesunder Mensch den ganzen Tag lang 35 Grad Celsius ausgesetzt bist, bist du nicht fit. Wenn du aber ein Herzproblem hast, tut dir die Hitze sicherlich nicht gut."
Hitze ist allerdings nur eines von vielen Szenarien, auf die sich Krankenhäuser inzwischen vorbereiten müssen, erklärt Thorsten Hammer. Es müssten Notfallpläne für ganz unterschiedliche Krisen existieren:
- Massenanfall Schwerverletzter
- (langanhaltender) Stromausfall infolge eines Cyberangriffs oder einer technischen Störung
- Wasserknappheit
- Starkregen
- Brände
Sind zehn Milliarden Euro genug?
Um auf all diese Szenarien vorbereitet zu sein, braucht es Geld. Bis 2029 will der Bund zusätzlich zehn Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz investieren. Dabei gehe es vor allem um Kriegsszenarien, aber auch der allgemeine Katastrophenschutz könne von den Investitionen profitieren, so die Einschätzung vom Professor für Risiko- und Krisenmanagement Alexander Fekete.
Allein die benötigten Fahrzeuge mit Spezialausstattung oder Hubschrauber seien teuer. Auch digitale Warnsysteme oder neue Software müsste finanziert werden. Doch neben Technik müsste auch in menschliches Know-how investiert werden, führt Alexander Fekete an.
"Wenn wir uns anschauen, wie man sich auf Kriegsfähigkeit und zivile Verteidigung vorbereiten müsste, dann sind zehn Milliarden sehr schnell verbraucht."
Thorsten Hammer begrüßt grundsätzlich die zusätzlichen Milliarden. Dennoch kritisiert er, dass im Rahmen des Bevölkerungsschutzes vor allem auf, wie er sagt, medienwirksame Investitionen gesetzt werde. Als Beispiel für eine unterschätzte Maßnahme nennt er die Wasserversorgung von Kliniken: "Viele Krankenhäuser betreiben heute keine eigenen Brunnen mehr, weil sie teuer und aufwendig sind. Doch fällt die öffentliche Versorgung aus, kann das schnell zum Problem werden."