Waffenruhe im IranNur Verlierer, außer dem iranischen Regime?
Kurz vor Ablauf eines Ultimatums verkündet US-Präsident Trump eine Einigung mit dem Iran: zwei Wochen Waffenruhe und Verhandlungen. Wir sprechen mit Exil-Iranerin Elmira Rafizadeh darüber, ob ihre Hoffnung auf einen Regimewechsel bleibt.
88 Minuten vor Ablauf des Ultimatums kam die überraschende Wende: US-Präsident Donald Trump verkündete auf Truth Social eine Einigung mit dem Iran. Statt weiterer Eskalation soll es nun zunächst eine zweiwöchige Waffenruhe geben. Außerdem sollen am Freitag (10.04.2026) in Pakistan die Verhandlungen beginnen.
Waffenruhe bringt Erleichterung, aber keine Sicherheit
Zuvor hatte Trump seine Drohungen immer weiter verschärft. Zuletzt sprach er sogar von der "vollständigen Auslöschung" der iranischen Zivilisation. Dass die Lage noch weiter hätte eskalieren können, hatte auch Benjamin Weber, ARD-Korrespondent im Studio Istanbul, befürchtet. Doch dann kam es anders. "Ich glaube schon, dass diese Drohung der massiven Eskalation ihren Anteil daran gehabt hat, dass es zur Waffenruhe und zu einem Übereinkommen gekommen ist", sagt er.
Für Elmira Rafizadeh war die Nacht vor der Verkündung kaum auszuhalten. Die Exil-Iranerin, 1981 während des Iran-Irak-Krieges in Teheran geboren, lebt heute in Deutschland. Sie ist Schauspielerin und Unternehmerin und versucht, die Perspektive der Menschen im Iran sichtbar zu machen.
Als sie morgens auf ihr Handy schaute, sprangen ihr sofort zwei Dinge entgegen, erzählt sie: Waffenruhe, zwei Wochen lang. "Natürlich fühlte ich mich kurzfristig erleichtert", sagt sie.
Ausweglose Situation für iranische Bevölkerung
Doch diese Erleichterung hält nicht lange. Denn für viele Menschen im Iran bleibt die Lage unverändert bedrohlich, betont Elmira. Die Kommunikation mit Angehörigen sei weiterhin extrem schwierig. Seit Wochen ist das Internet im Iran weitgehend gesperrt. Elmira sagt, dass sie manchmal tagelang nichts von ihrer Familie höre.
Von manchen Angehörigen wisse sie, dass sie in den Norden des Landes geflohen sind, wo es sicherer ist. Andere aber seien geblieben, auch weil sie keine andere Wahl hätten. "Die Menschen müssen arbeiten, um überhaupt den Kühlschrank vollzukriegen – gerade in dieser Lage, wo ohnehin wirtschaftlich und gesellschaftlich alles so katastrophal ist."
Wer profitiert politisch von der Waffenruhe?
Während die Feuerpause offiziell im Iran gilt, greift Israel weiter Ziele im Libanon an. Zugleich gibt es Berichte, dass der Iran weiterhin Golfstaaten beschießt. Für Korrespondent Benjamin Weber ist deshalb kein stabiler Frieden in Sicht: "Es gibt bisher nur eine zweiwöchige Waffenruhe, die auch ein bisschen fragil ist."
Für das iranische Regime sei die Lage dennoch politisch günstig. Die Führung stelle die Entwicklung als Sieg dar. "Es gibt ein Statement, in dem es heißt, man habe den Feind nachhaltig besiegt", berichtet er. Zwar sei diese Rhetorik typisch für das iranische Regime, dieses Mal sei sie aber nicht völlig unbegründet.
Keines der erklärten Kriegsziele der USA und Israels ist erreicht worden, fasst der Korrespondent zusammen. Weder ein Regimewechsel noch die Zerstörung des Atomprogramms noch die Ausschaltung des iranischen Raketenprogramms seien gelungen.
"Das iranische Regime ist gestärkt, weil es 40 Tage lang Krieg mit den USA überlebt hat. Die USA hingegen haben keines ihrer Kriegsziele erreicht."
Viele Konfliktfragen weiterhin ungeklärt
Nichtsdesotrotz rühmen sich die USA mit Erfolg. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach sogar von einem "historischen Sieg" über den Iran. Außerdem zeigt sich die Regierung optimistisch, in den kommenden zwei Wochen einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Benjamin Weber ist da skeptisch.
"Trump sucht unbedingt einen Ausweg aus diesem Krieg und muss das jetzt so gut verkaufen, wie es geht."
Denn der Konflikt bleibt bestehen: Das iranische Atomprogramm ist weiterhin ungeklärt. Teheran fordert in seinen Vorschlägen weiterhin das Recht auf Urananreicherung – für die USA und Israel ist das ein zentraler Streitpunkt.
Elmiras Kritik: Menschenrechte außer Acht gelassen
Für Exil-Iranerin Elmira liegt das größte Problem jedoch woanders: In den angekündigten Verhandlungen spiele die Lage der iranischen Bevölkerung praktisch keine Rolle. Dass Trump oder westliche Staaten die Interessen der iranischen Bevölkerung ernsthaft vertreten, glaubt sie nicht.
"Ich frage mich, warum in diesen ganzen Forderungen kein einziges Mal die Menschenrechtslage erwähnt wird."
Repressionen im Iran nehmen zu
Nach den Protesten Anfang 2026 und unter dem Druck des Krieges gehe das Regime noch brutaler gegen die Bevölkerung vor als zuvor, sagt Elmira: "Auf den Straßen wird verhaftet und kontrolliert. Es schreckt auch niemand davor zurück, auf den Straßen mit scharfer Munition Menschen zu erschießen."
"Sich von diesem Regime befreien können, ist wirklich nach wie vor das größte Ziel, die größte Sehnsucht der iranischen Bevölkerung."
Trotz allem glaubt Elmira weiter daran, dass ein Regimewechsel möglich ist. Doch dafür brauche es eines: "Westliche Unterstützung. Ganz ohne wird es nicht gehen." Doch das werde weder durch Bomben noch durch Gewalt geschehen, macht sie klar.
Und dann fügt sie hinzu, wie um zu betonen, wie unerschütterlich die Hoffnung der Bevölkerung ist: "Am Ende jedes Gespräches, am Ende jeder Nachricht schreiben mir die Menschen: 'Wir hoffen auf bessere Zeiten'. Und damit ist nicht nur gemeint, dass die Bomben enden, sondern vor allem, dass dieses Regime bald weg ist."