WaldbrändeSo kämpfen Spanien und Frankreich gegen die Feuer

Verheerende Waldbrände wüten im Süden und Westen Europas. Feuerwehrmann Frank und sein Bonner Team sind ready, jederzeit vor Ort zu unterstützen. Kommt der Anruf, bleiben ihnen sechs Stunden. Dann müssen sie los.

Die schweren Waldbrände im Südwesten Frankreichs, in Teilen Spaniens und auch in Italien breiten sich weiter aus. Betroffen sind unter anderem die Regionen rund um Madrid, Bordeaux und Sizilien. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

"Derzeit sind es die Hitze und vor allem der starke Wind, die die Brandbekämpfung so schwierig und gefährlich machen", erklärt Frank Frenser. Er ist Feuerwehrmann in Bonn und verfolgt die Lage in den Ländern genau.

Im Fall der Fälle: Einsatzbereit in sechs Stunden

Als Teil einer speziellen europäischen Einsatztruppe könnten Frank Frenser und sein Team jederzeit zur Unterstützung angefordert werden. Benötigen EU-Staaten Hilfe bei der Bekämpfung von Waldbränden, können sie diese über den europäischen Katastrophenschutzmechanismus anfordern. Dann werden Teams wie das von Frenser entsandt.

"Es gibt noch keine akute Alarmierung. Aber wir stehen natürlich bereit, falls eine Anforderung eingeht."
Frank Frenser, Feuerwehrmann

Bereits im August 2025 war Frank Frenser in Spanien im Einsatz. Sollte jetzt der Alarm kommen, bliebe seinem Team nicht viel Zeit, erklärt er. "Unser Plan ist, dass wir innerhalb von sechs Stunden nach der Alarmierung unsere Ausrüstung zusammengepackt haben und hier auf der Feuerwache abmarschbereit stehen."

Unterstützung, je nach Lage im Einsatzgebiet

Welche Aufgaben die Bonner Feuerwehrleute übernehmen, hängt von der Situation vor Ort ab, erklärt Frank Frenser. Die Einsatzkräfte können direkt gegen die Flammen vorgehen, Kontrolllinien anlegen, um Brände einzudämmen, oder Ortschaften evakuieren. Entscheidend sei dabei immer, wie das Gelände beschaffen und welche Infrastruktur vorhanden sei. Deshalb stimmen sich die internationalen Teams eng mit den örtlichen Einsatzkräften ab. Meistens kommuniziere man auf Englisch, aber das sei nicht überall möglich.

"So ein Feuer auszumachen, das kann man irgendwie auch mit Händen und Füßen kommunizieren. Das funktioniert schon."
Frank Frenser, Feuerwehrmann

Frankreich, Italien und Spanien besonders betroffen

Allein in Frankreich mussten bislang (Stand: 27.07.2026) mehr als 60.000 Menschen evakuiert werden. Besonders betroffen ist die Atlantikküste nahe Bordeaux – eine vor allem im Sommer beliebte Urlaubsregion. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat wegen der schweren Brände die EU um Hilfe gebeten. Vor Ort sind inzwischen Löschflugzeuge aus Kroatien und Portugal im Einsatz.

Auch auf der italienischen Insel Sizilien breiten sich die Brände bei Temperaturen von über 40 Grad und starkem Wind weiter aus.

In Spanien hat die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez erstmals den Notstand wegen der Waldbrände ausgerufen. "Durch den Notstand kann der Staat jetzt zum Beispiel mehr Mittel und Gelder mobilisieren, um gegen die Flammen zu kämpfen", erklärt Anna Mundt, Korrespondentin in Madrid.

Warum die Brände so heftig sind

Dass die Brände in diesem Jahr besonders verheerend sind, liege am ungewöhnlich regenreichen Winter und feuchten Frühjahr, erklärt Korrespondentin Anna Mundt.

"Auf der Iberischen Halbinsel ist durch den vielen Regen deutlich mehr Vegetation gewachsen als sonst. Die Pflanzen wurden durch die Hitze komplett ausgetrocknet. Das ist gewissermaßen 'Nahrung für die Flammen'."
Anna Mundt, Korrespondentin

Hinzu kämen Temperaturen um die 40 Grad, geringe Luftfeuchtigkeit und starker Wind. In Spanien gebe es die sogenannte 30-30-30-Regel. Was das bedeutet, erklärt die Korrespondentin: Temperaturen über 30 Grad, weniger als 30 Prozent Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeiten von mehr als 30 Kilometern pro Stunde. Treffen diese Bedingungen zusammen, entstünden besonders gefährliche Großbrände, sogenannte Mega-Incendios, bei denen innerhalb kurzer Zeit Zehntausende Hektar Wald und Vegetation verbrennen können, fasst Anna Mundt zusammen.

Feuerwehrmann Frank Frenser bezeichnet die Einsatzkräfte in den betroffenen Ländern als Profis, wenn es um Vegetationsbrände geht. Auch Anna Mundt sagt, Spanien sei grundsätzlich gut aufgestellt. Doch bei sogenannten Mega-Incendios, also Mega-Bränden, stoße man irgendwann an ihre Grenzen.

"Da brennt es so intensiv, dass man das Feuer weder am Boden noch aus der Luft bekämpfen kann. Dann muss man auf eine günstige Gelegenheit warten, etwa wenn der Wind nachlässt."
Anna Mundt, Korrespondentin

Spanien: Debatte über Prävention und Klimaschutz

In Spanien wird seit Jahren darüber diskutiert, ob zu viel Geld und Personal in die akute Brandbekämpfung fließen und zu wenig in Wald- und Flächenmanagement sowie den Klimaschutz investiert wird, erklärt Anna Mundt. Nun habe Ministerpräsident Pedro Sánchez bei Besuchen in den Brandgebieten angekündigt, deutlich mehr in die Vorbeugung von Waldbränden investieren zu wollen.

"Sánchez hat gesagt, die Folgen des Klimanotstands seien in Spanien bereits sichtbar. Deshalb müsse dringend ein gemeinsamer Pakt geschlossen werden, um ihnen zu begegnen."
Anna Mundt, Korrespondentin

Für die Zukunft habe Sánchez die politischen Lager dazu aufgerufen, ihre Grabenkämpfe zu beenden und gemeinsam gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen, so Anna Mundt. "Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Zwischen der linken Minderheitsregierung und der konservativen Opposition bestehen tiefe Gräben." Hinzu komme, die ultrarechte Partei Vox, die den menschengemachten Klimawandel bestreitet – entgegen dem wissenschaftlichen Konsens.

Prävention statt nur Löschen

Auch für Feuerwehrmann Frank Frenser ist Prävention der entscheidende Schlüssel – nicht nur in Südeuropa, sondern auch in Deutschland. Denn auch wenn wir noch nicht so viele trockene Sommer hätten wie die südeuropäischen Länder, werde es auch bei uns immer extremer. Und dass der Klimawandel Extremwetterereignisse wahrscheinlicher macht, ist wissenschaftlich belegt.

So gesehen lautet die gute Nachricht: "Deutschland ist auf einem guten Weg", so die Einschätzung von Frank Frenser. "Wir Feuerwehren arbeiten sehr eng mit den Forstbehörden zusammen, also mit den Fachleuten, die sich mit der Vegetation im Wald auskennen."