Wissen unpluggedEat the Hype? Ernährungsmythen im Check

Zuckerfreie Ernährung, regelmäßige Darmreinigung oder teure Nahrungsergänzungsmittel und Mikrobiom-Analyse: Beim Thema Ernährung kommen ständig neue Trends hinzu. Viele haben keine wissenschaftliche Grundlage oder sind einfach Quatsch.

Social Media ist voll mit Ernährungstipps: In Wasser aufgequollene Leinsamen mit Zitronensaft und Honig über drei Tage jeden Morgen zu trinken, soll zum Beispiel dabei helfen, den Darm zu entgiften und eine gesunde Darmflora aufzubauen. So jedenfalls verspricht es ein User auf Instagram – der sich für mehr Authentizität mit einem Stethoskop ausstaffiert.

Darm als Lieblingsthema

Ärztin und Ernährungsmedizinerin Luisa Werner warnt: "Nur weil jemand ein Stethoskop um den Hals hängen hat, heißt das noch lange nicht, dass die Expertise da ist." Von Darm-Detox und regelmäßiger Darmreinigung hält sie wenig.

"Man braucht keine Darmreinigung. Das macht der Darm sehr gut selber."
Dr. Luisa Werner, Ärztin

Seinem Darm etwas Gutes tun könne jeder dagegen mit einer ballaststoffreichen Ernährung: Also zum Beispiel mehr Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst und Gemüse zu sich nehmen oder Vollkorn- statt Weißbrot essen.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Luisa Werner inzwischen intensiv mit dem Thema Darmgesundheit. "Darm ist mein Herzensthema", sagt sie. Nach einer Asienreise hatte sie selbst jahrelang mit Reizdarmproblemen zu tun. Heute will sie Betroffenen helfen, ihren Darm besser zu verstehen.

"Zuckerfreie" Rezepte oft nicht zuckerfrei

Ein weiterer Trend auf Instagram und Tiktok: Rezepte für "zuckerfreie" Energy Balls oder Kuchen. Hier lohnt es, genauer hinzuschauen, sagt Hande Mann. Die Ernährungswissenschaftlerin forscht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zu personalisierter Ernährung. Wenn statt Zucker nämlich Datteln oder Agavendicksaft eingesetzt werden, ist das Rezept eben nicht zuckerfrei.

"Es ist trotzdem Zucker. Und unserem Körper ist herzlich egal, woher dieser Zucker kommt."
Hande Mann, Ernährungswissenschaftlerin

Beim Intervallfasten beobachtet wiederum Heike Vogel viele Halbwahrheiten. Die promovierte Biologin forscht am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke zum Thema Nutrigenomik. Sie untersucht also, welche Gene durch Ernährung beeinflusst werden.

Intervallfasten: keine Diätmethode

Intervallfasten, wie die 16:8-Fasten beispielsweise, in erster Linie als Methode zum Abnehmen anzusehen, hält sie für falsch. "Wenn man klinisch relevant sein Körpergewicht verändern will, also 20, 30 Prozent, dann ist sicherlich Intervallfasten nicht die richtige Form." Trotzdem könne sich Intervallfasten positiv auf den Stoffwechsel auswirken und Blutzuckerwerte verbessern.

"Auch wenn man kein Körpergewicht verliert – Intrevallfasten verbessert trotzdem den Stoffwechsel."
Heike Vogel, Biologin

In dieser Folge "Wissen unplugged" stellen die drei Wissenschaftlerinnen viele weitere Ernährungstrends auf den Prüfstand und beantworten Fragen rund ums Thema Ernährung.

"Wissen unplugged" ist eine Veranstaltungsreihe der ZEIT Stiftung Bucerius, der Leibniz-Gemeinschaft und Holtzbrinck Berlin in Kooperation mit Deutschlandfunk Nova und ZEIT Campus. Die sechste Veranstaltung der Reihe zum Thema "Eat the Hype? Ernährungstrends im Check" fand am 05. Mai 2026 in der Hörsaalruine in Berlin statt.