Zusammen lachenWarum ist Humor für unsere Beziehung so wichtig?

Für Vik ist gemeinsames Lachen sehr wichtig. Eine Beziehung ohne Humor funktioniert für sie nicht. Eine Paartherapeutin erklärt, warum Humor ein so starkes Bindungselement ist, wie er Konflikte entschärfen kann und wie weit Humor bei Paaren gehen darf.

Gemeinsame Hobbys, ähnliche Werte – das sind für Vik wichtige Kriterien in einer Beziehung. Ganz entscheidend ist für sie aber, mit ihrem Partner lachen zu können. Vik findet Humor lockert vieles auf. Und sie hat festgestellt, dass ein gemeinsames Humorlevel besonders in Streitsituationen helfen kann. "Es macht schwierige Situationen und gerade auch Konfliktsituationen manchmal einfacher zu handhaben, wenn man nicht immer alles zu hundert Prozent ernst sehen muss", sagt sie.

Humor bringt Leichtigkeit in die Beziehung

"Humor ist so ein bisschen das, was die Chemie für mich ausmacht."
Vik, eine Beziehung ohne zusammen lachen geht für sie gar nicht

Kay Brauer ist Psychologe an der Uni Halle-Wittenberg und forscht zum Thema Lachen. Er erklärt, warum Humor Leichtigkeit in eine Beziehung bringt: Durch Lachen werden positive Emotionen transportiert. "Und wenn das authentisch stattfindet, dann ist das ein ganz wichtiger Beziehungskitt-Motor, wenn man so möchte: Ich zeige dir Zuneigung und teile deine Weltsicht."

Gleiches Humorlevel, aber auch Deeptalk


Kay Brauer sagt auch, dass Paare glücklicher sind, wenn sie auf einem ähnlichen Humorlevel unterwegs sind. Vik findet ebenfalls, dass es für eine gute Beziehung Humor braucht. Sie und ihr Freund sind sehr lustig und albern unterwegs, lachen viel zusammen und necken sich oft. "Wir lachen über doofe Dinge, tolle Dinge. Manchmal macht man einfach einen Witz, wenn einem langweilig ist", erzählt sie.

"Immer, wenn ich ein ernstes Thema habe, wo ich auch nicht drüber witzeln möchte, wird das auch ernst besprochen."
Vik, eine Beziehung ohne zusammen lachen geht für sie gar nicht

Vik kennt eigene Beziehungen aus der Vergangenheit, in denen das nicht der Fall war: "Es war lustig, es war locker. Aber wenn ich das Gefühl hatte, ich möchte etwas Ernstes besprechen, wurde darauf mit einem Witz reagiert. Das war dann anstrengend – auch wenn der Humor sonst gepasst hat."

Humor stärkt das Wir-Gefühl

"Humor ist ein wichtiger Beziehungswert“, sagt die Paartherapeutin Vanessa Paulick. "Über Humor können Menschen Verbindung aufbauen, und daraus entsteht Leichtigkeit."

"Humor ist der soziale Klebstoff."
Vanessa Paulick, Paartherapeutin

Gemeinsames Lachen hat viele positive Effekte, sagt Vanessa Paulick. Die Bindung wird gestärkt, gleichzeitig kann Humor helfen, Spannungen abzubauen. "Es ist eine Form der Regulation, wenn man gemeinsam lacht und sich über Dinge gemeinsam freuen kann", so die Paartherapeutin.

Humor hilft, Konflikte zu entschärfen

Und sie sieht das Wir-Gefühl besonders gestärkt. Das bedeutet: Paare finden mithilfe von Humor besonders in schwierigen Situationen schneller wieder zueinander. "Wir spüren, dass wir ein paar Stunden später schon wieder über unsere Konflikte oder Eigenheiten lachen können", sagt Vanessa Paulick.

Wenn es nicht mehr witzig ist

Allerdings sollten wir auch Grenzen ziehen, wenn wir in einer Beziehung nicht mehr miteinander lachen können und der Humor nur noch auf Kosten einer Person geht. Vanessa Paulick spricht dabei von Ironie und Sarkasmus, die beispielsweise genutzt werden, um unterschwellig Botschaften zu hinterlassen. "Zum Beispiel: 'Na, bist mal wieder zuverlässig wie immer.‘ Sich ein bisschen zu ärgern, kann manchmal ganz reizvoll sein. Aber die Frage ist, wie lange mein Gegenüber das noch witzig findet", so die Paartherapeutin.

Humor kann auch Distanz statt Nähe schaffen

Auch der Spruch "Nimm’s doch mal mit Humor – war doch nur Spaß" kann dazu führen, dass eher Distanz innerhalb einer Beziehung entsteht, weil Themen nicht direkt angesprochen werden. Wir merken, dass wir uns solche Sprüche zu Herzen nehmen, wenn wir zum Beispiel noch lange nach dem Gespräch darüber nachdenken – oder sogar schon beim Hören zusammenzucken, so die Paartherapeutin.

Wenn uns das Gesagte stört oder sogar verletzt, sei es wichtig, das nicht mit sich selbst auszumachen, sondern offen anzusprechen. "Die Kommunikation darüber kann eine Chance sein, wieder Verbindung aufzubauen", sagt Vanessa Paulick.