Johannes Kepler, Gottfried Wilhelm Leibniz, Sir Isaac Newton - alles renommierte Wissenschaftler. Mit Alchemie hatten die sicherlich nichts am Hut! Oder etwa doch? Ein Vortrag des Physikers Carsten Busch über verdrängte Wissenschaftsgeschichte.
Viele der bedeutendsten und einflussreichsten Naturwissenschaftler*innen haben Alchemie betrieben. Bis in die heutige Zeit wohlgemerkt, sogar Nobelpreisträger.
Alchemie galt als normales Wissenschaftsfeld
Über Sir Isaac Newton etwa sind fragwürdige Experimente und sogar Selbstversuche bekannt, viele aus seinen eigenen Aufzeichnungen. Aufzeichnungen wohlgemerkt, die seine Nachfahren versuchten, vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Sie wollten damit sein Ansehen schützen.
"Newton war kein Physiker, der nebenbei ein bisschen Alchemie und Theologie betrieben hat, sondern war ein Alchemist, der nebenbei Physik betrieben hat."
Alchemie, Astrologie und mehr als wissenschaftliche Interessens- und Arbeitsgebiete großer Gelehrter – das mag aus heutiger Perspektive nach einem Gegensatz klingen, aber das ist es nicht.
Früher, vor allem im Mittelalter und in der Renaissance, aber auch darüber hinaus, war Alchemie ein wissenschaftliches Fachgebiet unter vielen – und das eben auch für Wissenschaftler*innen wie Newton und Co. Davon berichtet der Physiker Carsten Busch in seinem Vortrag.
"Das ist kein Gegensatz. Für Newton war das ein konsequentes Programm. Er sah das als ganzheitliches Vorgehen, um die Welt und das Rätsel der Schöpfung zu verstehen."
Zwar wurde die Alchemie später sogar unter Strafe gestellt, aber sie galt dennoch vielen, auch heute noch namhaften Gelehrten, als logischer, konsequenter und legitimer Weg, um zu versuchen, die Rätsel der Welt zu entschlüsseln.
Erst mit dem Wissen, das genau diese Menschen auch mit diesen Methoden geschaffen haben, haben wir heute die Möglichkeit, darüber den Kopf zu schütteln.
Carsten Busch ist Diplomphysiker, hat früher am europäischen Kernforschungszentrum CERN geforscht und arbeitet heute als Lehrer am Studienkolleg der Uni Hamburg sowie als Honorardozent. Außerdem forscht Carsten Busch im Bereich Wissenschaftsgeschichte für die Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Naturwissenschaft und Technik (GNT) der Uni Hamburg.
Seinen Vortrag "Alchemie, Astrologie, Parapsychologie & Co. - die okkulte Seite der Naturwissenschaften" hielt er am 15. April 2025 in der Hamburger Sternwarte der Uni im Rahmen der Ringvorlesung "Von den Anfängen der Astronomie zur modernen Astrophysik". Die Ringvorlesung wird organisiert von der Sternwarte, deren Förderverein sowie von der GNT.
- Vortragsbeginn
- Johannes Kepler und die Astrologie
- "Der letzte Magier": Isaac Newton
- Die Rolle Pierre-Simon Laplaces, Robert Boyles und John Lockes
- Newtons Forschung im Selbstversuch
- Alchemie und Spiritualität
- Magie und Technologie
- Vortragsende und Ausblick
