Wie komme ich bei anderen an? Finden sie meinen neuen Style gut? Was denken sie über meine Meinung? Sucht ihr auch bei anderen Menschen Bestätigung? Wir sprechen darüber, wie ihr euch davon lösen und lernen könnt, euren Selbstwert zu stärken.
An sich selbst eine Riesenerwartungshaltung und ein Hang zum Perfektionismus sind zwei Eigenschaften, die Janna immer wieder antreiben, sich von außen die Bestätigung zu holen, dass wirklich alles topp ist.
"Ich merke, dass ich mich da voll im Außen definiere."
Dieser Drang nach Anerkennung belastet sie aber auch. Denn es geht über das gesunde Maß hinaus, das wir an Feedback, Lob, Bestätigung brauchen. Aufgefallen ist ihr das, als sie Anfang 20 eine Ausbildung begonnen hat, mit der sie aber nicht klargekommen ist. Als sie darüber nachgedacht hat, warum sie diese Ausbildung begonnen hat, ist ihr aufgefallen, dass sie sich von ihrem Umfeld beeinflussen ließ und nicht auf ihre innere Stimme gehört hatte.
Für Lebensentscheidungen, wie zum Beispiel ins Ausland zu gehen, oder auch banale Alltagsfragen sucht Janna "die Absicherung im Außen". Und am Ende war es für sie auch eine schwierige Entscheidung, die Ausbildung abzubrechen, weil es sich für sie auch wie Versagen gegenüber dem "Außen" angefühlt hatte, obwohl es für sie selbst die richtige Entscheidung war.
Abgrenzung nach außen und Selbstwert stärken
Um sich von diesem Bestätigungsdrang freizumachen, versucht Janna, sich von den äußeren Einflüssen abzugrenzen und die Entscheidungen zu treffen, hinter denen sie selbst voll und ganz steht.
"Es gibt manchmal noch Situationen, wo ich merke, ich muss mich richtig davon abgrenzen oder mich daran erinnern, dass es mein Leben und meine Entscheidungen sind"
Aber Bestätigung gibt Janna auch das Gefühl dazuzugehören. Jetzt, mit Mitte 20, setzt sie sich intensiv mit dem Bestätigungsdrang auseinander, weil sie nach ihrer letzten Ausbildung auch eine Zeit lang arbeitslos war. "Das war für mich auch ein Riesenthema", sagt Janna. Denn ihre Bewerbungen fanden eben nicht die erhoffte Anerkennung. In dieser Lebensphase spürte Janna eine innere Unsicherheit, die sie versucht hat, "im Außen zu kompensieren".
Strategien, um sich auf sich selbst zu fokussieren
Für Janna war es ein großer Fortschritt, sich selbst wahrzunehmen in diesen Situationen, in denen sie sich extrem im Außen orientierte, und das zu erkennen. Der nächste Schritt sei dann, sich zu überlegen, wie sie aus der Situation herauskomme. Manchmal helfe da ein Ortswechsel, oder mit einer Vertrauensperson zu sprechen oder einfach mal das Handy beiseitezulegen. Denn gerade bei Social Media würde sie viele Posts sehen, die eine komplette Perfektion darstellen.
Für Menschen wie Janna ist Social Media ein gefährlicher Trigger. Denn: "Sobald wir die sozialen Medien öffnen, auch wenn es uns vielleicht gar nicht bewusst auffällt, vergleichen wir uns mit dem, was wir dort sehen", sagt Kerria Drüppel. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Medienpsychologie der Uni Hohenheim und forscht zu sozialen Medien.
Es kann aber auch einen positiven Effekt haben: Wenn wir authentisch und realistisch auf Social Media posten und wir dann positives Feedback bekommen, dann hat das einen positiven Effekt darauf, wie wir uns selbst wahrnehmen, sagt Kerria Drüppel.
"Grundsätzlich ist es so, wir alle brauchen in gewisser Form Anerkennung."
Anerkennung ist ein menschliches, psychologisches Grundbedürfnis, sagt Ramon Schlemmbach. Als klinischer Psychologe hilft er vor allem Erwachsenen, ihre Kindheit aufzuarbeiten. Wenn aber jemand übermäßig viel Anerkennung brauche, dann kann es sich um eine Bewältigungsstrategie handeln. Zum Beispiel, weil die Person einen niedrigen Selbstwert hat und sich aus sich selbst heraus keine Anerkennung geben kann. Dann wird diese Anerkennung woanders gesucht.
Problematisch werde dieser Bestätigungsdrang dann, wenn von außen keine Anerkennung komme und die Person dann völlig verunsichert sei. Wenn es von außen Kritik an der Person und ihren Ideen gibt und diese damit nicht zurechtkommt, sollte sie sich beraten lassen, meint Ramon Schlemmbach.
Doch nicht jede Kritik ist berechtigt. Um uns davon nicht umhauen zu lassen, sollten wir auch über die Person nachdenken, die uns kritisiert, rät Ramon Schlemmbach. Beispiel: Wird mein Vorschlag nicht anerkannt oder kritisiert, sagt das etwas über die Person aus, die gegen meinen Vorschlag ist. Das ist nicht gleichbedeutend damit, dass mein Vorschlag nicht gut ist.
Selbstakzeptanz als Mittel gegen Unsicherheit und Anerkennungssucht
Aber auch bei diesem Beispiel spielt ein gewisses Selbstwertgefühl mit. Dazu gehört, uns selbst so anzunehmen, wie wir sind, also eben nicht perfekt. Wenn uns das gelingt, dann haben wir diesen Bestätigungsdrang nicht mehr, sagt Ramon Schlemmbach. "Doch an diesen Punkt zu kommen, das ist dann manchmal Arbeit", sagt er.
Denn aus seiner Arbeit als klinischer Psychologe weiß er, dass wir als Kinder prägende Erfahrungen machen, die dazu führen können, dass unser Selbstwertgefühl beschädigt wird und wir uns dann nicht "witzig genug, hübsch genug oder gut genug" fühlen. "Und das speichern wir als Kinder oder Jugendliche ab." Aus dieser Gefühlslage speise sich die Unsicherheit, die uns nach Bestätigung dränge.
Vergangene Situationen emotional entmachten
Ramon Schlemmbach rät, diese negativen prägenden Erfahrungen, die wir im Kinder- und Jugendalter "aufgesammelt" haben, jetzt als Erwachsene "loszulassen". Zunächst müssten wir die Ursprungssituationen finden und uns in Erinnerung rufen. Dafür gebe es auch eine Reaktivierungsübung, falls die Erinnerungen nicht so leicht kommen:
- Kindheit einteilen in Abschnitte: Grundschule, Mittelstufe, Oberstufe oder andere Kategorien
- Diktiergerät einschalten
- Mindestens 10 Minuten lang Erinnerung zum jeweiligen Abschnitt erzählen und aufnehmen
So kommen immer mehr Erinnerungen und am Ende lassen sich auch Ursprungssituationen reaktivieren. Das Ziel ist, das emotionale Gewicht von den Erfahrungen wegzunehmen, also diese Ursprungssituation zu entmachten. Danach wird der Selbstwert gestärkt und am Ende steht die Verhaltensänderung.
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