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Julia hat gespürt, dass sich ihr Ex komisch verhält. Sie hat ihr Bauchgefühl aber ausgeblendet. Dann kommt raus: Vieles, was ihr Ex erzählt hat, war gelogen. Eine Psychologin erklärt, was das Bauchgefühl mit uns macht.

Julia war total verliebt. Als sie ihren Ex kennengelernt hat, schien alles zu passen. Die beiden haben viel Zeit miteinander verbracht, über einen ersten gemeinsamen Urlaub gesprochen und sich ausgemalt, was sie in der Zukunft zusammen machen könnten.

"Ich war wirklich in love und hatte auch eine schöne Zeit – wenn da nicht dieses Bauchgefühl gewesen wäre."
Julia, hat innerlich gespürt, dass mit dem Verhalten ihres Ex etwas seltsam ist

Aber Julias Bauchgefühl hat da nicht so ganz mitgemacht. Sie hat gespürt, dass etwas nicht stimmig ist. Wenn sie zum Beispiel eine Nachfrage gestellt hat, hat sie beobachtet, dass ihr Ex oft nicht auf die Frage antwortet, sondern ablenkt. In anderen Situationen hatte sie das Gefühl, dass er ihr das Wort im Mund verdreht und sich rausredet.

Später ist dann rausgekommen, dass ihr Ex sie tatsächlich häufig angelogen hat. Julias Bauchgefühl hat ihr also das richtige Signal gesendet, auch wenn sie das anfangs nicht wahrnehmen wollte. "Ich glaube, am stärksten war dieser Wille in mir, dass ich möchte, dass es funktioniert. Ich war so happy am Anfang und ich wollte diese Illusion nicht kaputtmachen", sagt sie.

Zwischen rosaroter Brille und Unsicherheit

Wenn wir eine rosarote Brille aufhaben, ist unser Kopf auch nicht die beste Hilfe. Wenn wir daten, passiert in unserem Gehirn einiges. Besonders am Anfang greifen sehr alte Mechanismen, die unser Belohnungssystem aktivieren.

Allein schon, wenn wir jemanden attraktiv finden, wird unser Belohnungszentrum aktiviert, erklärt Simon Eickhoff, Professor für Neurowissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Dopamin wird ausgeschüttet und im Laufe der Zeit werden auch die sozialen Netzwerke in unserem Gehirn stimuliert.

"Ich habe teilweise auch sehr schlecht geschlafen, weil ich gemerkt habe, irgendwas stimmt nicht und ich arbeite hier gegen mich selbst, gegen meine Intuition."
Julia, hat innerlich gespürt, dass mit dem Verhalten ihres Ex etwas seltsam ist

Bei Julia hat ihr Körper nach einer gewissen Zeit quasi protestiert. Sie hat unruhig geschlafen und je mehr Zeit sie mit ihrem damaligen Freund verbracht hat, desto stärker hat es sich für sie angefühlt, als würde sie gegen sich selbst arbeiten.

Wie es ihr damals geht und was sie erlebt, das hat sie ihre Freundinnen nur in Teilen erzählt oder in einer abgeschwächten Version. "Das war für mich eigentlich ein riesen Warnsignal, dass ich mich nicht getraut habe, wirklich alles transparent meiner Freundin zu erzählen", sagt Julia.

Freunde als Hilfe

Sie hat sich stattdessen selbst hinterfragt und war sich teilweise nicht sicher, ob ihr Bauchgefühl richtig liegt oder sie eine Situation zerdenkt. In so einem Moment kann es tatsächlich helfen, mit Freund*innen das Gespräch zu suchen, sagt Psychologin und Paartherapeutin Diana Boettcher.

Hierbei gehe es darum, das zu teilen, was man beobachtet und nicht das, wie man das Verhalten des anderen interpretiert. Dann können wir unsere Freund*innen fragen: "Wenn ich dir beschreibe, wie ich das auf der beobachtbaren Ebene erlebt habe, was würdest du dazu sagen? Was wäre dein Gefühl in der Situation?", erklärt die Psychologin.

"Es ist wichtig, sich nach so einer negativen Erfahrung Zeit zu lassen."
Diana Boettcher, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin 

Wenn wir eine negative Erfahrung gemacht haben wie Julia, ist es zudem auch wichtig, sich Zeit zu lassen und zu verarbeiten, was passiert ist. Hier können wir ins Reflektieren gehen. "Wenn ich das gut reflektiere, gebe ich diesem Bauchgefühl auch mehr Raum. Dann kann ich das noch besser in mir verankern, dass, wenn es noch mal auftaucht, ich das noch stärker wahrnehme", so Diana Boettcher.

Julia hat sich schließlich von ihrem Ex getrennt. Die Erfahrung ist noch frisch. Sie ist noch dabei, das Erlebte zu verarbeiten.

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Shownotes
Dating
Was verrät uns unser Bauchgefühl?
vom 19. August 2026
Gesprächspartnerin: 
Julia, hat innerlich gespürt, dass mit dem Verhalten ihres Ex etwas seltsam ist
Gesprächspartner: 
Simon Eickhoff, Professor für Neurowissenschaften, Heinrich-Heine-Universität und Leiter des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin, Forschungszentrum Jülich
Gesprächspartnerin: 
Diana Boettcher, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin 
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Anne Bohlmann, Sarah Brendel, Friederike Seeger
Produktion: 
Philipp Adelmann