Der erste Black History Month fand vor 100 Jahren in den USA statt. Damals wie heute im Fokus: die Geschichte der afrikanischen Diaspora und die Leistungen schwarzer US-Amerikaner. Auch bei uns gibt's Events, sie finden aber im Verhältnis nur wenig Beachtung.
In den USA und in Kanada ist der Black History Month eine feste Institution. Es wird gefeiert, gedacht, kritisch auseinandergesetzt und informiert. Zu Beginn, im Jahr 1926, war es eine Aktionswoche, die der afroamerikanische Historiker und Autor Carter G. Woodson initiiert hatte.
In den 1960er- und 70er-Jahren wurden die rassismuskritischen Bildungsveranstaltungen dann in den USA und Kanada als landesweiter Black History Month etabliert. Die Kultur und die Geschichte der afroamerikanischen Community und der afrikanischen Diaspora stehen dabei im Mittelpunkt.
Die Geschichte der afroamerikanischen Community
In den 1990ern kam die Tradition, den Monat Februar der Auseinandersetzung mit Schwarzer Geschichte zu widmen, auch nach Deutschland. Insbesondere zum 100. Jubiläum des Gedenkmonats finden in vielen Städten Führungen, Sprachworkshops, Karaoke-Abende, Diskussionen und ähnliche Events statt.
Im ethnologischen Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln werden im Februar 2026 beispielsweise rassismuskritische Führungen durch die Dauerausstellung angeboten. Organisiert wird das Ganze vom Verein Integrationshaus.
"Ich habe das Gefühl, dass der Black History Month nicht wirklich was verändern kann, da dieser Monat gar nicht in den Schulen aufgegriffen wird oder man in den deutschen Medien nicht so viel davon sieht."
Unser Reporter Benedict Haupt hat mit Menschen aus der afrodeutschen Community gesprochen.
Black History Month in Schule und Medien
Auch wenn die Angebote in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten haben – die Bereitschaft zur Auseinandersetzung sei in Deutschland noch zu gering, findet die 22-jährige Desire. Das stellt die Afrodeutsche nicht nur in ihrem Freundeskreis fest. Sie wünscht sich insbesondere, dass der Black History Month in Schulen und in den Medien stärker aufgegriffen wird.
"Der Black History Month bekommt in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit. Nicht nur Schwarze Organisationen oder Einzelpersonen machen darauf aufmerksam, sondern auch andere Akteur*innen."
Ein nachvollziehbarer Wunsch, wenn man auf die fehlende Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit, die allgegenwärtige Diskriminierung von Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe und migrantischem Hintergrund und der zunehmenden rassistisch motivierten Gewalt in Deutschland blickt.
In einer Studie gaben 76 Prozent der Befragten in der EU an, in den letzten fünf Jahren Diskriminierung wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion erfahren zu haben. Zu informieren, sich auszutauschen, weiterzubilden, aufzuklären und zu diskutieren sind daher essenziell im Umgang mit dem Rassismus, der im herrschenden politischen Klima in Deutschland immer weiter normalisiert wird – darüber spricht beispielsweise der Extremismus-Forscher Axel Salheiser im Interview.
Es gibt auch kritische Stimmen
Es gibt aber auch Menschen, die den Black History Month ablehnen. Zum Beispiel der US-amerikanische Schauspieler Morgan Freeman. Als er 2005 in einem Interview gefragt wird, weshalb er keinen Black History Month möchte, fragt er zurück, ob sich denn der Moderator einen "White History Month" oder einen "Jewish History Month" wünschen würde. Der Moderator verneint nachdrücklich.
Morgan Freeman: "My history is American history"
Morgan Freeman erläutert seine Kritik 2024 so: Für ihn ist schwarze Geschichte ein wichtiger Teil der US-amerikanischen Geschichte – und somit keine "Black History", mit der man sich gesondert auseinandersetzen kann. Er hält es für falsch, die Aufarbeitung der Vergangenheit und der gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart auf einen bestimmten Monat zu legen.
Einige Aktivist*innen, die den Black History Month veranstalten und feiern, würden dem Argument des Hollywoodschauspielers allerdings widersprechen, sagt unser Autor Benedict Haupt. Denn dem Black History Month gehe es ja gar nicht darum, die Schwarze Geschichte von der deutschen oder der US-amerikanischen Geschichte abzugrenzen.
Vielmehr gehe es ihm darum, die Schwarze Geschichte, die lange unterrepäsentiert war, sichtbar zu machen und dadurch stärker ins Bewusstsein zu rücken.
