Wenn Schollen oder Garnelen vom Ostseegrund gefischt werden, bleiben dort Furchen der Schleppnetze zurück. Forschende haben sich diese Spuren genauer angesehen – und bemerkenswerte Muster und Veränderungen festgestellt.

Die Fischerei in der Ostsee wird recht genau überwacht – gerade die mit Grundschleppnetzen. Diese Form der Fischerei gilt als ökologisch besonders bedenklich: weil sehr viel Beifang in den Netzen landet und weil so der Meeresboden zerstört wird.

"Die Grundschleppnetzfischerei ist auch gefährlich für Meereslebewesen, die gar nicht gefischt werden sollen – auch für Pflanzen."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Denn damit diese Schleppnetze nah am Meeresboden bleiben, sind sie beschwert, erklärt Wiebke Lehnhoff aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion.

Ein Pflug für den Meeresboden

An den Seiten sind brettartige Objekte befestigt, aus Holz oder Stahl. Diese können je nach Strömung, Zugrichtung und Position tiefe Furchen in den Meeresboden ziehen und ihn förmlich durchpflügen wie einen Acker.

"Diese Netze sind wie große Trichter, die an langen Leinen unten hinter den Kuttern hergezogen werden. Am schmalen Ende landen dann die Fische in einem Sack."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

In der Regel werden Fischereiaktivitäten mit elektronischen Schiffspositionsdaten ausgewertet. Das sind sogenannte AIS-Daten. AIS steht für Automatic Identification System. Bei dieser Auswertung werden kleinere Fischkutter allerdings nicht unbedingt erfasst.

Doch gerade diese kleineren Schiffe sind in der westlichen Ostsee viel unterwegs, haben Fachleute vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und vom Thünen-Institut für Ostseefischerei festgestellt.

Forschung mit dem Echolot

Die Forschenden haben konkret die Spuren im Meeresboden analysiert, also die Furchen. Hilfreich dabei war, dass der Dorsch in der westlichen Ostsee seit 2022 nicht mehr kommerziell gefangen werden darf, damit sich der Bestand erholen kann. Dadurch waren weniger Grundschleppnetzfischer unterwegs und die Forschenden konnten überprüfen, ob sich diese Veränderung auch am Meeresboden zeigt.

In der ersten Studie haben sie ein kleines Gebiet im Fehmarnbelt jahrelang zentimetergenau mit einem speziellen Echolot vermessen. Das Ergebnis: Seit die Dorsche nicht mehr gefangen werden, sind die Furchen im Meeresboden um fast 80 Prozent zurückgegangen. Und die Flächen ohne nachweisbare Schleppnetzspuren sind um bis zu 65 Prozent gestiegen. Interessanterweise ließ sich das aber nicht so in den Schiffspositionen erkennen.

Hinweise auf illegale Fischerei

Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass Schleppnetzfurchen innerhalb von einem Jahr weitgehend verschwinden können. "Allerdings muss das nicht heißen, dass es wirklich eine biologische Erholung am Meeresboden gibt" sagt Wiebke Lehnhoff. Das konnten die Forschenden nicht eindeutig nachweisen.

Für die zweite Studie haben Forschende des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde eine KI darauf trainiert, Grundschleppnetzspuren zu erkennen. So konnten sie größere Flächen des Meeresbodens auswerten.

Dabei hat sich gezeigt, dass die Ostsee sehr unterschiedlich von Grundschleppnetzen durchzogen wird. Besonders viele Spuren fanden sich in der Kieler und in der Mecklenburger Bucht. Im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt liefern die Befunde Hinweise auf illegale Fischerei nach Inkrafttreten des Verbots, aber keinen zweifelsfreien Nachweis für jeden einzelnen Eingriff, schreiben die Forschenden.

Shownotes
Fischerei
Die Spur der Schleppnetze ist unter dem Meer
vom 03. November 2026
Moderation: 
Diane Hielscher
Gesprächspartnerin: 
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten
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