• Deutschlandfunk App
  • ARD Audiothek
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • Abonnieren

Viele kennen das Gefühl: Im Frühling sind wir plötzlich müde und schlapp. Doch eine neue Studie findet dafür keine Belege. Ist Frühjahrsmüdigkeit also nur ein Mythos? Schlafforscherin Christine Blume erklärt, was wirklich dahinterstecken könnte.

Als das Über-Schlafen-Podcastteam, Ilka Knigge und Dr. Christine Blume, 2024 für eine Folge zum Thema Frühjahrsmüdigkeit recherchiert, stellen sie fest: Es gibt eindeutig eine Forschungslücke.

Host Christine Blume bringt Studie auf den Weg

Zwar gibt es eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid durchgeführt hat, doch dafür wurden die Teilnehmenden lediglich danach gefragt, ob sie von Frühjahrsmüdigkeit betroffen sind. Das Ergebnis: Vier von zehn Frauen und zwei von zehn Männern gaben an, dass sie davon betroffen sind.

Allerdings wurden die Teilnehmenden nicht über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig gefragt, wie müde sie sind. Das nämlich wäre wichtig, um herauszufinden, ob die Müdigkeit, die sie beschreiben, nur im Frühjahr auftritt.

Schlafforscherin Christine Blume nahm die Sache damals selbst in die Hand und startete gemeinsam mit ihrem Kollegen Albrecht Vorster vom Inselspital Bern eine Untersuchung. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal Journal of Sleep Research erschienen.

Für die Studie bekamen die Teilnehmenden alle sechs Wochen die gleichen Fragen gestellt – danach, wie erschöpft sie sich in den vergangenen Wochen gefühlt hatten, wie schläfrig sie am Tag waren und wie gut sie geschlafen hatten. Zu Beginn wurde auch einmal die Frage nach der Frühjahrsmüdigkeit gestellt, beschreibt Christine Blume:

Gefühlte Frühjahrsmüdigkeit lässt sich nicht mit Daten belegen

Fast die Hälfte der Teilnehmenden hat gesagt, Frühjahrsmüdigkeit zu haben. Das bestätigt also erst einmal die älteren Umfrageergebnisse. Doch den Forschungsdaten ließ sich diese Frühjahrsmüdigkeit nicht entnehmen.

"Sogar die Teilnehmenden, die zu Beginn der Studie angegeben haben, von Frühjahrsmüdigkeit betroffen zu sein, waren im Frühling laut Auswertung der Fragebögen nicht müder als zu anderen Zeiten im Jahr."
Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Die Teilnehmenden der Studie haben vorher nicht erfahren, was die Studie untersucht, damit das Ergebnis nicht verfälscht werden konnte. Außerdem haben Blume und Vorster darauf geachtet, dass der Begriff "Frühjahrsmüdigkeit" in den Fragebögen nicht fällt. In die Auswertung sind Daten von 418 Personen eingeflossen.

Christine Blume vermutet dahinter ein kulturelles Phänomen: "Es würde ja ausreichen, dass jemand den Eindruck hat, er oder sie sei gerade total müde, erschöpft, und diese Person schreibt das dann dem Frühling zu. Dann erzählt sie allen Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten von dieser 'Frühjahrsmüdigkeit' und viele von ihnen entdecken plötzlich auch Symptome bei sich und verbreiten das Phänomen weiter."

In dieser Folge "Über Schlafen" räumt Schlafforscherin Christine Blume mit weiteren Mythen rund um die Frühjahrsmüdigkeit auf. Außerdem geben die beiden Hosts Tipps für den Umgang mit Müdigkeit.

Wir freuen uns über euer Feedback und Themenvorschläge an ueberschlafen@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Neue Studie
Frühjahrsmüdigkeit: Der Mythos im Check
vom 17. März 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel
  • Was wir unter Frühjahrsmüdigkeit verstehen
  • Christines Studie zur Frühjahrsmüdigkeit
  • Mythencheck: Haben wir nach dem Winter einen Mini-Jetlag?
  • Fazit zur Frühjahrsmüdigkeit
  • Tipps gegen Müdigkeit
Unsere Quellen: